Afghanistan : Kabul: Alle Opfer waren Taliban

In Sicherheitskreisen gibt es Zweifel, dass bei dem von der Bundeswehr angeforderten Luftangriff in Afghanistan Zivilisten getötet wurden. Nun springt die afghanische Regierung der Bundeswehr bei.

Berlin - Knapp eine Woche nach dem von der Bundeswehr befohlenen Luftschlag auf zwei Tanklaster bei Kundus gibt die afghanische Regierung offenbar der Bundeswehr Rückendeckung. Die Opfer seien keine unschuldigen Zivilisten, sondern „alle Täter oder Helfer“, heißt es in dem noch nicht veröffentlichen Bericht der Untersuchungskommission, die Präsident Hamid Karsai eingesetzt hatte. Wie der Tagesspiegel aus afghanischen Regierungskreisen erfuhr, beschreibt die Kommission die Opfer als Männer zwischen 18 und 40 Jahren. Weder Frauen noch Kinder seien bei dem Angriff durch die US-Kampfjets ums Leben gekommen.

Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ erhebt die Nato aber Vorwürfe gegen den deutschen Kommandeur, der den Luftangriff befahl. Oberst Georg Klein hätte seine Kompetenz überschritten, schreibt das Blatt unter Berufung auf einen vorläufigen Nato-Untersuchungsbericht. Es sei „sonnenklar“, dass Klein den Befehlsweg nicht eingehalten habe. Zu einer Entscheidung solcher Tragweite sei er ohne Rücksprache mit dem Hauptquartier der Isaf-Truppen, die von der Nato geführt werden, nicht befugt gewesen, zitiert das Blatt einen Nato-Offizier.

Nach scharfer Kritik aus der Opposition am deutschen Engagement in Afghanistan zog die Bundesregierung ein positives Fazit der Ausbildung von Soldaten und Polizisten. Bisher seien 90 000 Soldaten und 60 000 Polizisten ausgebildet worden, allein 28 000 Polizisten durch deutsche Unterstützung. Die Bundesregierung gab 2008 für die Polizeiausbildung 36 Millionen Euro aus. Derzeit seien rund 200 deutsche Ausbilder vor Ort tätig.

Die von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) angeregte Afghanistan-Konferenz soll nach ihrer Auffassung noch im Herbst stattfinden, sagte ihr Sprecher Klaus Vater fügte an, dass Berlin ein geeigneter Ort sei. Bei dem Treffen sollen die in Afghanistan engagierten Länder und die neue Regierung in Kabul über weitere Schritte zur Herstellung von Sicherheit und zivilen Strukturen beraten und eine von Merkel so bezeichnete „Übergangsstrategie“ festlegen. Die UN seien in einem gemeinsamen Schreiben Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands ersucht worden, die Konferenz vorzubereiten. Tsp

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