Zeitung Heute : Agenda Aufstehen

Sie ist 88, es ist ihre erste Demo, weil es so nicht mehr weitergeht. Eine von 250000, die gestern in Berlin auf die Straße gingen. Sie protestierten gegen Sozialabbau und gegen alles, was ihnen Angst macht. Ihr kleinster gemeinsamer Nenner: Wir sind noch da!

Harald Martenstein

Verena Mayer

und Christine-Felice Röhrs

Man sieht, vom Fernsehturm aus, einen roten Luftballon in den Himmel steigen, und aus dieser Höhe sieht man auch, dass auf dem Dach der Berliner Bankgesellschaft eine Art Garten wächst. Grüne Flächen, die auf dem Dach liegen wie Schablonen auf grauem Papier.

Den Berliner Bären, der gegen die Berliner Bankgesellschaft demonstriert, erkennt man von hier aus natürlich nicht. Ein Bär aus braunem Plüsch, auf dem Kopf die Krone, der Körper mit Bandagen verbunden. Der Bär geht unten vor dem Park-Inn-Hotel am Alexanderplatz auf und ab, nimmt schließlich den Kopf ab. Zum Vorschein kommt ein grauhaariger alter Herr. Er sei von der Initiative gegen den Bankenskandal, sagt der Mann. Er zeigt auf seinen Begleiter, einen weißhaarigen Rentner mit Fliege und blauem Anzug. Der stelle einen Manager der Bankgesellschaft dar.

Heute ist die Demo gegen den Sozialabbau, aber es ist vor allem auch die Demo gegen die da oben.

Eine Freundin ist zu der Demonstration gegangen, weil sie Angst um ihren Arbeitsplatz hat. Sie arbeitet an der Uni. Ihre Angst ist wahrscheinlich berechtigt. Sie sagt: „Die Demo nützt wahrscheinlich nichts. Aber schaden kann es auch nicht.“

Für die Sache, um die es jeweils geht, ist eine Großdemonstration in Deutschland ein eher schlechtes Zeichen. Wenn man sich einmal an die großen Demos erinnert, von Wiederbewaffnung über Notstandsgesetze und Nachrüstung bis zum Irakkrieg: Die Demonstranten haben ihre Ziele eigentlich nie erreicht. Die Montagsdemos in Leipzig waren die große Ausnahme. Und vielleicht noch die Demonstrationen gegen Atomkraft.

Aber das ist wahrscheinlich zu kurz gedacht. Bei solchen Demonstrationen entsteht für ein paar Stunden eine Art Familiengefühl. Das bleibt, sogar später noch, wenn man politisch vielleicht längst ganz anders tickt.

Langfristig können Gefühle natürlich eine Menge bedeuten, gerade in der Politik. Das Gefühl, das der DGB und seine Bündnispartner bei der Demonstration gegen Sozialabbau stiften wollen: Wir sind noch da. Wir haben immer noch Kraft. Morgens auf dem Gendarmenmarkt werden als Erstes die Buden und Stände aufgebaut. Die Band probt. Sie haben Sonnenbrillen auf und spielen harten Rock. Erst probieren sie ganz lange, dann legen sie los, aber gleich nach dem ersten Lied gibt es ein Verstärkerproblem. Und die Probiererei beginnt von neuem. Das ist immer so.

Demonstrationen haben Rituale, auf die man sich verlassen kann. Es gibt zum Beispiel im Bühnenprogramm immer eine Kabarett-Nummer, die immer furchtbar schlecht ist. Die Redner leiern immer. Wenn man hinten steht, kann man die Redner nie verstehen. Es wird immer Bier getrunken und Bratwurst gegessen. Es gibt immer die Stände der politischen Splittergruppen, die man auf Demos sieht und sonst nie. Die Partei „BüSo“ hat handgemalte Plakate mit der extrem rätselhaften Losung: „Hjalmar Schacht ist keine Alternative!“ Die „Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands“ gibt es auch immer noch, sie fordert „Vorwärts zum VII. Parteitag!“. Eine Gruppe verteilt Schilder: „Schröder muss weg. Für eine neue Linkspartei.“ Die PDS hat Bilder der Arbeitgeber-Symbolfigur Hans Esser mit dem Text „MitEsser.“ Es gibt immer solche Bilder mit solchen Witzen. Die Gewerkschafter kommen in Schüben, farblich einheitliche Gruppen. Grün die Polizeigewerkschaft, schwarz ist „verdi“, rot sind die von Bergbau und Energie. Ein besonders großer Marschblock von Grauhaarigen kommt vom Sozialverband VdK. Mit blauen Mützen und Fahnen: „Transnet“. Das Logo sieht aus wie das einer Computerfirma, aber es ist die Gewerkschaft der Eisenbahner.

Der Gendarmenmarkt ist bei weitem nicht gefüllt. Einer sagt: „Na ja, heute haben wir Gartenwetter.“ Die meisten sind zwischen 40 und 60. Aber das ist ja in Deutschland fast überall so. Auf einem Transparent steht: „Kollegen/innen sind Brüder. Manager sind Betrüger.“ Geschlechterproporz ist der Tod der Lyrik. Bei Transnet heißt die Parole auf dem Transparent nur: „Ortsverwaltung Berlin“.

Noch ein hartes Gitarren-Solo, dann hört die Band auf. Ein Redner tadelt die Regierung und betont gleichzeitig, dass von der Opposition noch viel Schlimmeres zu erwarten sei. Dieser Gedanke kommt in fast allen Reden vor. Er sagt: „Polnische Löhne in Deutschland, das wäre eine Katastrophe.“ Die Rockband kommt übrigens aus Polen.

Jetzt spricht ein Vertreter der Jugend, der Vorsitzende der „Falken“. Er sagt: „Allein machen sie dich ein! Gemeinsam sind wir stark!“ Währenddessen steht DGB-Chef Michael Sommer auf der Treppe des Schauspielhauses und gibt Interviews. Er sagt: „Bis hierher und nicht weiter!“ Neben ihm steht der Chef der französischen Gewerkschaft CGT, Bernard Thibault, ein gut aussehender, auffällig eleganter Herr in den Vierzigern, der entfernt an den Sänger Serge Gainsbourg erinnert. Er trägt Schwarz und redet sehr schön. Man würde ihn wirklich gerne mal singen hören. Er sagt: „Die Arbeiterbewegung hat auch Fehler gemacht.“ Auf der Bühne ruft gerade ein Redner: „Generalstreik!“

Am Brandenburger Tor ist alles wunderbar organisiert. Eine schöne Pressetribüne, ausreichend Stände für Softeis und Wernesgrüner, endlich mal Toiletten in Hülle und Fülle. Eine Band spielt Weltmusik, später kommen die Prinzen. Nur an Demonstranten scheint es ein wenig zu fehlen. Aber in Berlin hat man eben immer die Massenbewegung Love Parade vor dem geistigen Auge, dagegen sehen sogar 250000 Leute ein bisschen mickrig aus. Eine Gruppe von VW-Arbeitern erzählt auf der Bühne, dass viele sich überlegen, ob sie einen neuen Golf kaufen oder das Geld besser für die Altersversorgung zurücklegen. Und da würde man sich heute eben eher für die Altersversorgung entscheiden. Wenn aber nicht mal mehr die VW-Arbeiter den Golf kaufen, wer soll es dann machen?

Viele tragen altmodische Blousonjacken. Viele haben geplatzte Äderchen und tiefe Falten im Gesicht, auch am Hals, eingekerbt, fast wie Narben. Da hilft keine Creme. Es sind Gesichter, die man nur von harter körperlicher Arbeit bekommt und niemals im Büro.

Um 11 Uhr 30 kommt mit wehenden Fahnen der Marschblock vom Gendarmenmarkt. Vorneweg Sambatrommler. Vorne laufen immer Sambatrommler. Es ist aber, alles in allem, sehr ruhig und ernst. Jetzt fällt auf, was fehlt. Fast keine Kinder sind da. Auch keine Nackten, keine bunt bemalten Gesichter und kein Stand für Kifferzubehör. Die Gewerkschaften waren nie wild. Sie waren immer eine Stütze der Demokratie. Letztlich konnte der deutsche Staat sich immer auf seine Gewerkschaften verlassen, und deswegen verließen sich die Gewerkschaften auch umgekehrt auf den Staat. Das soll vorbei sein?

Fast alle Leute in Deutschland haben Angst vor der Zukunft. Es sind viele verschiedene Ängste. Und wahrscheinlich ist jeder einzelne Demonstrant wegen seiner eigenen, ganz speziellen Angst hier. Der Moderator ruft: „Es ist ein unglaublicher Erfolg!“

8 Uhr 50. Es ist kalt auf dem Breitscheidplatz. Die Sonne ist noch nicht rum ums Europacenter, und Peter Heinze ist ein einziges Signal. Seine Nase leuchtet so rot wie seine BAU-Mütze, so rot wie der „Aufstehn!“-Button am Kragen und wie die Flagge, auf die er die kälteroten Hände stützt. Mit 14 Jahren ist Heinze Gewerkschafter geworden, jetzt, mit 67, nach einem Leben, in dem er es vom Maurer zum Bauleiter gebracht hat, ist er immer noch drin. Ein Lauter ist er nicht. Die Slogans, die die Kollegen probeweise schon mal in den Morgenhimmel brüllen, die murmelt er nur, zu schreien, das scheint ihn verlegen zu machen. Er tue „das hier“ für die Töchter, sagt er, nicht für sich selbst. Und dann bringt er noch ein paar Mal das Wort „Solidarität“ unter, das sperrige Wort.

Ihm ziehen sie nun 15 Euro im Monat von 900 Euro Rente ab. 50 Euro bleiben jetzt noch übrig, die er sparen könnte, sagt er. Aber dann schießt er eben auch noch bei den beiden Töchtern zu. Beide um die 30, Verkäuferinnen, eigentlich, aber arbeitslos. Beide haben Kinder. „Sie haben Angst vor dem nächsten Jahr“, sagt Heinze, „wenn Arbeitslosengeld und Sozialhilfe zusammengelegt werden. Wie soll man von 300 Euro Kinder ernähren? Und ich bin auch nicht ewig da.“

Etwas ist anders. An den Rändern ist das deutlich zu sehen. Die Berufsprotestler halten sich selbstbewusst in der Mitte des Breitscheidplatzes. Sie gehören zusammen, obwohl sie so verschieden sind. Die einen mit den roten Mützen, den schweren Händen und Wangen. Und die anderen mit den Palästinensertüchern, den roten Mädchen- und den langen Männerhaaren, den Aufnähern mit durchgestrichenen Hakenkreuzen und dem Kombuchatee in der Thermoskanne. Sie kennen das hier. Grönemeyer vom Band. Den Chilene auf der Bühne, der „euch in der Sprache der Indios vom Hochland mal ein Lied singt über Mutter Erde“.

Aber an den Rändern verschwimmt das Bild. Wird farbloser, aber nicht weniger bewegt. Die Ränder des deutschen Demovolkes scheinen auszufransen dieser Tage, von allen Seiten fallen die anderen, die, die bisher immer am Rand gestanden haben – desinteressiert oder ablehnend – hinein in den Pulk. Sie machen jetzt mit. Die ersten Reformen stehen, die Ersten haben Praxisgebühr bezahlt und teurere Medikamente, und plötzlich scheint Demonstrieren nicht mehr Sache einer klar erkennbaren Minderheit. Die Neuen, die älteren Erstdemonstranten, tragen Wochenendzivil, halten sich vorsichtig an der Peripherie, trippeln aber schon im Grönemeyertakt; einige Hundert dürften es sein.

Herta Leuchte aus Spandau ist 88 Jahre alt, und sie gehört zu dieser Gruppe. Herta Leuchte ist an diesem Morgen um halb neun aus dem Haus gegangen – elegant in brauner Jacke mit Leokragen und einer Leopardenglitzerbrosche – und ist zweimal umgestiegen, um von Spandau zum Ku’damm zu fahren. Zum allerersten Mal in ihrem Leben geht sie demonstrieren. „Weil das jetzt zu viel ist, was man uns antut“, sagt sie energisch. Aus der goldbestickten Handtasche hat sie eine kleine gelbe Trillerpfeife gekramt, die hat sie aus dem 50-Cent-Laden, und bläst vorsichtig hinein. Es kommt nur ein blasiges Quietschen heraus.

Frau Leuchtes Kritik ist ein bisschen vage, und so ist wohl auch das Bauchgefühl, das die ungeübten Demonstranten, die Platzrandprotestler, an diesem Tag hierher getrieben hat. Sie sind nicht so drin im Jargon der Beschwerde. Sie setzen ihre Ängste und bösen Erlebnisse mit dem neuen Reformsystem zusammen zu einem diffusen Bild der Bedrohung, das jetzt, endlich, auch mal den eigenen Auftritt erfordert. Bei Herta Leuchte haben die Bedenken mit ihrem Gebiss zu tun, das schon viermal kaputt war seit 2001, mit Vorstandsvorsitzendengehältern und Herztabletten. „In der Packung sind nur 100 Stück, jeden Tag nehm’ ich zwei, die reichen kein Vierteljahr, also muss ich zweimal im Vierteljahr die Praxisgebühr bezahlen“, sagt sie und wandert ein bisschen auf und ab, weil die Knie so steif werden vom Warten.

Sie ist nicht der zimperliche Typ. Damals, als man ihr sagte, sie sei zu alt, um die Lochkartentechnik zu begreifen, da hat sie’s „denen gezeigt“. Sogar als Rentnerin hat sie noch lange gearbeitet, als Pförtnerin in einem Schloss. Heute noch stellt sie sich zu Haus auf die hohe Leiter und holt die Gardinen selbst herunter, „mit Angst und Bange allerdings“. Sie war immer zufrieden mit dem, was sie hatte, sagt sie. Aber jetzt, innerlich, hat sie doch begonnen, „diese Gehälter all der leitenden Personen“ mit dem zu vergleichen, was sie zur Verfügung hat – und was jetzt noch beschnitten wurde. Es ist das Gefühl, ungleich behandelt zu werden, der Verdacht, „irgendwie übers Ohr gehauen zu werden“, der die Neuen jetzt aktiv werden lässt.

Herta Leuchte wird jetzt einige Versicherungen kündigen. Die „gegen Fensterscheibenbruch“. Und die, die einspringt, wenn sie selbst mal jemandem Schaden zufügen sollte. Sie hat Angst, dass es sonst zu knapp wird mit dem Geld. 1100 Euro Rente bekam sie im Monat. Jetzt haben sie ihr 15 Euro abgezogen, die Praxisgebühren kommen dazu, und das Medikament ist auch teurer geworden… Gut, dass sie 50 Jahre lang verheiratet war. Gut, dass sie diese Witwenrente noch hat. „Ich muss immer an die Frauen denken, die früh geschieden wurden“, sagt Herta Leuchte, „ach, Gott.“

Frau Engelen-Kefer betritt die Bühne. „Diese Ziege“, sagt Frau Leuchte. Aber als Engelen-Kefer dann von den Jahresgehältern von Vorstandsmitgliedern spricht, die 300000 kassieren, da sagt sie „ja, das ist ’ne Frechheit“ und trillert. Jetzt hats sie’s raus.

9 Uhr 20. „Ich bin keiner von den Geringverdienern“, sagt Henning Blum, „eigentlich betrifft mich das hier nicht.“ Mit 200 Leuten ist der Betriebsratsvorsitzende von Bosch hergekommen, in der Nacht, aus Hildesheim. Er ist als Funktionär hier, nicht als Betroffener, ja, das schon, „aber irgendwie…“, sagt Blum. „Also, auf eine Art betrifft die gesamte Lage mich doch auch persönlich.“ Blum ist jetzt 40, und er hat zwei Töchter, 19 und 17, die beide Abitur machen werden. „Sie werden bessere Chancen haben als viele, die hier stehen“, sagt Blum. Aber er vermisse die Transparenz. „Ich weiß nicht mehr, wo wir in fünf Jahren sein werden“, sagt er. Die eine Tochter will zur Polizei. Wird sie dort noch einen sicheren Job finden? Blum sagt, er fange jetzt auch wieder an zu lernen, an der Abendschule.

Olga hat zu Hause dann noch ein „A“ gefunden. „A“ wie „Arbeit“ oder „Agenda 2010“, es ist ein alter blauer Leuchtbuchstabe, der sich als Stehpult verwenden lässt. Olga und Klaus wuchten das „A“ auf die Rampe eines Lastwagens. Vorne auf dem Lastwagen steht eine riesige Figur aus Gummi. Sie sieht aus, wie man sich in den 20er Jahren einen Börsenhai vorgestellt hat: Melone, Nadelstreifen, aus der Jackentasche quellen Geldscheine. Sascha sagt, dass der Kapitalist fünf Meter groß sei, dann klettern Olga, Sascha und Christine auf den Wagen. Sascha trägt einen schwarzen Anzug, Olga und Christine Business-Outfit. Sie führen ein Stück auf, in dem es darum geht, dass Arbeitsplätze heutzutage wie auf einer Auktion verschachert werden. Hinter sich haben sie Statisten mit Masken stehen, die Merkel und Stoiber darstellen, vor dem Wagen läuft ein Schröder-Darsteller mit einer Peitsche auf und ab. „Sklavenmarkt“ heißt das Stück.

Politisches Straßentheater ist eine sehr alte Form des Protests, doch Olga, Christine, Klaus und Sascha sind jung. Olga und Christine studieren, Klaus und Sascha sind um die 30 und haben die Arbeitsbiografien ihrer Generation. Sascha hat da und dort gearbeitet, er hat Praktika gemacht und ist nun dabei zu promovieren. Klaus hat in verschiedenen Städten gelebt, er hat im Gastgewerbe gejobbt. Derzeit ist er arbeitslos gemeldet, bekommt aber kein Geld, er schreibt und spielt Laientheater – genug für die Selbstverwirklichung, zu wenig für eine Ich-AG. Alle vier sympathisieren sie mit Attac, der Organisation der Globalisierungsgegner, die die Demonstration gegen Sozialabbau mitorganisiert hat.

Sie haben blaue Müllsäcke zerschnitten und „Lohnsklave“ oder „Ich-AG“ daraufgesprüht, die verteilen sie nun an Demonstranten, die hinter dem Wagen herlaufen, auch das gehört zum Straßentheater: Interaktion mit dem Publikum. Klaus steht auf der Straße und bedeutet Christine, sie solle den Auktions-Hammer etwas höher halten und lauter sprechen, er macht den Regisseur. Sascha sagt, das Stück entspreche der Realität, in der Arbeitsämter „Agentur“ hießen und Stellensuchende „Kunden“, denen man glauben mache, sie hätten eine Wahl. Sascha hat in einer Firma einmal versucht, einen Betriebsrat zu gründen, so wie sie überhaupt alle vier auf fast altmodische Weise für ein Ideal von Arbeit eintreten, das sie selbst nie erlebt haben.

Sie wollen, dass Arbeit gerecht verteilt wird, am besten so, dass alle welche haben und nach Tariflohn bezahlt werden. Sie könnten sich vorstellen, dass man dafür die Arbeitszeit verkürzt, und finden, dass die Gewerkschaften in den Medien diskreditiert würden. Fast hat man den Eindruck, als seien es die Utopien der Sechziger, für die diese Dreißigjährigen kämpfen, für ein Arbeitsleben, in dem es Vollbeschäftigung gibt und Absicherung durch den Staat – die Ideale ihrer Eltern.

Eine junge Frau steht mit einem bunten Sack am Straßenrand. Ein Mann schiebt ein Fahrrad vorbei, auf dem Gepäckträger hat er ein Kind. Die Frau mit dem bunten Sack geht zu dem Kind. „Na du, möchtest du auch eine Trillerpfeife?“ Sie greift in den Sack, der voller Trillerpfeifen ist, und holt eine heraus, rund und bunt wie ein Bonbon.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar