AGENTENTHRILLER„Die Möbius Affäre“ : Der Feind in meinem Bett

Foto: Prokino
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Ein Geheimagent muss ein guter Liebhaber sein, das erwartet das Kinopublikum von ihm. Aber richtig verlieben darf er sich auch wieder nicht. James Bond hat es in zwei Filmen getan, und beide endeten mit dem Tod der Angebeteten. Höhere Mächte mussten ihn daran erinnern, dass ein Geheimagent kein Privatleben haben darf.

Bei der „Möbius Affäre“ liegt der Fall noch etwas komplizierter. Es bleibt lange Zeit unklar, ob der Agent Grégory Lioubov alias Moise tatsächlich in die Finanzexpertin Alice verliebt ist. Er observiert sie bei einer gefährlichen Mission, sie soll einen russischen Oligarchen ausspionieren, und er macht sich Sorgen um sie. Dass wir seinen Gefühlen misstrauen, liegt an der Interpretation der Rolle durch Jean Dujardin (Foto, links). Der Oscar-Preisträger („The Artist“) begann seine Karriere mit Sitcoms und Agentenfilmparodien und erweckt selbst in todernsten Filmen noch den Eindruck, er werde gleich einen Witz erzählen.

Das ist kein Manko, ganz im Gegenteil. Es verleiht seinen Figuren mehr Tiefe. „Die Möbius Affäre“ ist ein todernster Film, absolut ironiefrei, in der Tradition der John-le-Carré-Adaption „Dame, König, As Spion“ mit Gary Oldman. In diesem Kontext wirkt Dujardins Humor irritierend und sogar hinterhältig, als mache er sich über die Seriosität seiner Kollegen lustig. Seine Partnerin, die stattlich-blonde Cécile de France (rechts), wurde erstaunlich einfach zurechtgemacht. Durch das Fehlen von Glamour strahlt sie Integrität und Verletzbarkeit aus, aber vielleicht ist das nur eine Täuschung. Vielleicht verzichtet sie auf Make-up, damit die Geschäftspartner ihr trauen.

Der Autor und Regisseur Éric Rochant verstößt auf ganzer Linie gegen die Konventionen des Genres. Der russische Oligarch, in dessen gefährliches Umfeld Alice sich begibt, wird sehr locker und sympathisch von Tim Roth verkörpert. Es gibt kaum Verfolgungsjagden, dafür allerdings einen ausgedehnten, barbarischen Zweikampf im Fahrstuhl. Und es gibt zwei Orgasmen, die Alice mit Moises Hilfe erlebt. Rochant hat sie sehr diskret gefilmt, um das indiskrete Spiel seiner Darstellerin nicht zu behindern. Diese intimen Szenen machen deutlich, dass Rochant sich für das Motiv der Wirtschaftsspionage nur sekundär interessiert. Ihn interessiert viel mehr, welchen Einfluss ein gefährlicher Beruf auf das Privatleben hat. Beeindruckend.

Frank Noack

F/B/LUX 2013, 108 Min., R: Éric Rochant, D: Jean Dujardin, Cécile de France, Tim Roth, Brad Leland

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