AGIT-PROPJamie T : Einarmiger Bandit

Jörg W er

Der britische „New Musical Express“, selten um einen flotten Pop-Aphorismus verlegen, titulierte Jamie T als „one man Arctic Monkey“. Das war vor gut drei Jahren, als James Alexander Treays, so sein bürgerlicher Name, wie ein Wirbelwind durch den Blätterwald rauschte. Wer das Glück hatte, den damals gerade 21-Jährigen mit seiner knuffigen, aus alten Kumpels zusammengecasteten Band im überfüllten Mudd Club live zu erleben, dem fiel die Kinnlade runter. Falls man sie sich nicht bereits beim begeisterten Rumschreien ausgerenkt hatte. Wie konnte dieser kaum der Pubertät entwachsene Bursche aus Wimbledon so cool sein und gleichzeitig so großartige Musik machen? Sein Debütalbum „Panic Prevention“ war die völlig unwahrscheinliche Vermischung der virtuosen Postpunk-Alleskönnerschaft von The Clash, des agitatorischen Furors von Billy Bragg und des Schnellfeuer-Gehaspels von Mike Skinner alias The Streets, gut verrührt mit einem Schuss Northern-Soul-Leidenschaft. Ein raffiniert zusammengeklautes kleines Meisterwerk, das sich in England immerhin 160 000-mal verkaufte.

Dass der ruinöse Rock-Lifestyle Jamie T, der offenbar nicht über die trinkfeste Konstitution eines Mike Skinner verfügt, weniger gut bekommen würde, konnte man schon ahnen. So musste die für letzten Herbst geplante Tour wegen einer hässlichen Medizinervokabel verschoben werden: Unter dem Stichwort Laryngitis steht im Pschyrembel Kehlkopfentzündung. Wenn jetzt wieder alles verheilt ist, freuen wir uns wie Bolle auf das Konzert. Denn mit dem noch wüster in der Popgeschichte wildernden Zweitwerk „Kings and Queens“ hat Jamie T den Beweis angetreten, dass mit ihm wieder verstärkt zu rechnen ist.Jörg Wunder

Postbahnhof, Mo 22.2., 21 Uhr, 18 €

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