Zeitung Heute : Aheu!

Weizengras, Sprossen, Spinat, Rauke, Algen – das klingt nach dem Speiseplan eines Zoos. Doch gesundes Fast-Food ist ein neuer Trend. Fünf gute Adressen in Berlin.

Esther Kogelboom

GRASHOPPER

Fünf Mal am Tag, rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, soll man eine Portion Obst oder Gemüse vertilgen. Wer diesen Ratschlag ernst nimmt, dessen Tag wird von Einkaufen, Raspeln und Schälen bestimmt. Ganz schön anstrengend, gesund zu bleiben. Und ist Stress nicht auch irgendwie schädlich?

Einfacher wird das regelmäßige Betanken mit Vitaminen in Fast-Food-Läden der klugen und geschmackvollen Art. Bei Grashopper zum Beispiel gibt es Säfte, die vor den Augen des Kunden frisch gepresst und gemixt werden. Sie schmecken nicht nur gut, die Obst- und Gemüsecocktails werden auch noch mit Glücksversprechen aufgeladen. Der „Montagshopper“ aus Zitrusfrüchten und Ingwer zum Beispiel soll den Kater vom Wochenende vertreiben. Der „Beautyhopper“, in dem Spuren von Spinat enthalten sind, ist das persönliche Schönheitselixier von Schauspielerin und Grashopper-Mitbetreiberin Esther Schweins.

Zusätzlich zu den Säften kann man aus verschiedenen Sandwichs aus der Vitrine wählen, die so gar nichts mit den pappigen Weißbrot-Thunfisch-Schnitten gemein haben, die man sonst in Mitte bekommt. Das Grashopper-Butterbrot ist aus Energie spendendem Vollkorn, macht satt und hält so den Blutzuckerspiegel lange konstant. Sollte einen trotzdem die Lust auf etwas Süßes überfallen – Haferflocken-Energie-Riegel mit Schokoladenüberzug gibt es auch.

Aber selbst wenn man es ganz eilig hat: Die Snacks unterwegs zu essen, wäre schade; der Laden im Hackeschen Markt ist frisch eingerichtet, die Plätze vor der breiten Fensterfront laden zum Pausemachen ein. Wenn’s sein muss, auch fünf Mal am Tag.

Grashopper, Oranienburger Straße 13 in Mitte und Bergmannstraße 26 in Kreuzberg.

SUPPENGRÜN

Rund um das Märkische Museum ist Berlin-Mitte noch beschaulich. Die Ruhe am Köllnischen Park lässt kaum vermuten, dass ringsherum Innenstadttrubel tobt. So wenig ist dort los, dass man schon froh wäre, am helllichten Tag mal etwas Gutes zu Essen zu bekommen. Das haben sich Christiane und Hagen Franke auch gedacht und im Sommer 2002 eine kulinarische Oase inmitten dieser Insel der Ruhe geschaffen. Als ehemaliger Chefkoch des „Diekmann“ brachte Hagen Franke das entsprechende Handwerkszeug mit. Der Name Suppengrün ist Programm: Jede Woche kommt eine neue Auswahl von sechs Suppen und Eintöpfen auf den Stehtisch. „Scharfe Apfel-Holundersuppe mit Joghurt“, „Karibische Süßkartoffelsuppe mit Exoten, Bohnen und Chili“ oder „Glasnudelsuppe mit Gurken, Fischfilet und Wasserkastanien“ gibt es zu Preisen zwischen drei und vier Euro. Salate, Quiches und fruchtige Tartes runden das Angebot für eine kurze Mahlzeit ab. Sämtliche Speisen – samt Kaffee – gibt es auch zum Mitnehmen. Und das tut auch Not: So ruhig der Kiez ist, so groß ist der Andrang in der Mittagszeit. Die Schlange steht oft bis vor den Laden. Im Sommer finden die Gäste auch draußen Platz, an Stehtischen und auf einer Bank.

Wenn auch das nicht reicht: Der Köllnische Park liegt um die Ecke. Direkt nebenan haben Frankes mittlerweile mit „Saftzeit“ einen weiteren Läden eröffnet. Neben frisch Gepresstem gibt es hier auch Sandwichs. Lars Klaassen

Suppengrün, Inselstraße 1a, 10179 Berlin. Öffnungszeiten: Mo bis Fr von 11 bis 18 Uhr. Saftzeit, nebenan, Öffnungszeiten: Mo bis Fr von 8 bis 16 Uhr.

MR. CLOU

Schade, dass es nicht mehr vegetarische Snack-Stationen gibt. Bei Mr. Clou in den Potsdamer Platz Arkaden gibt es das Getränk nach gewohnter Fast-Food-Manier zwar auch aus dem Pappbecher. Aber dafür handelt es sich um wirklich frisch gepressten Karotten-Orangen-Saft, und man wird gefragt, ob ein Tropfen natives Olivenöl hineingegeben werden soll, zwecks besserer Auflösung des Vitamins A im Körper. Kostet zwischen 2 Euro für 0,25 l und 3,60 Euro für 0,5 l. Außerdem gibt es Gemüsepfanne mit Röstkartoffeln und Champignons, dazu wahlweise Sauerrahm oder Tzatziki für 4 Euro. Die Spinattorte bleibt manchmal leider zu kurz in der Mikrowelle, dann ist sie innen noch kühl, aber auf Wunsch wird anstandslos nachgebessert. Es gibt auch Gemüselasagne, eine gute Auswahl von Salaten, auch solche mit vielen Sprossen. Außerdem Wraps, unter anderem mit Caesar- oder Nizza-Salat gefüllt. Der frische Obstsalat ist dankenswerterweise ohne Zucker.

Wenn man die Gerichte dort verspeist, bekommt man sie übrigens auf Glastellern serviert. Ein perfekter Ort für Leute, die gesundes Essen mögen, aus ihrer Vorliebe aber keine Religion machen wollen. Viel junges Publikum und intelligent aussehende Business-Typen aus den benachbarten Büros. Elisabeth Binder

Mr. Clou, Potsdamer Platz Arkaden im Untergeschoss, nicht weit vom Ausgang zum S-Bahnhof entfernt, geöffnet täglich außer sonntags 10 bis 20 Uhr.

W-IMBISS

Auf den Kopf gestellte Kreuze oder Pentagramme sind eindeutige Symbole: Das Böse – der Antichrist! – lässt grüßen. Außer einigen Spinnern und ein paar gruftigen Kids findet daran kaum jemand viel Freude. Ganz anders verhält sich das mit Gordons Laden. Nein, nicht der in der guten alten amerikanischen Sesamstraße, sondern in der Casting... äh Kastanienallee. Auf seinem Fenster prangt ein Zeichen, das dem „M“ des Fastfood-Allmächtigen McDonald’s ähnelt – und auf dem Kopf steht. Grafische Ähnlichkeiten sind natürlich rein zufällig. Der Laden trägt lediglich den Anfangsbuchstaben von Gordons Nachnamen und spricht sich proamerikanisch „Double-U“. Der Kanadier backt seit rund drei Jahren in einem Tandoori-Ofen, der aus Indien stammt. Heraus kommt Naan, ein Weizenhefebrot, das ähnlich einer Pizza belegt wird. Fleisch kommt im W-Imbiss nicht auf den Tisch, lediglich Vegetarisches und Fisch – größtenteils in Bio-Qualität. Radieschen-Sprossen mit Paprika-Nuss-Paste oder Olivenpaste mit Rucola, getrockneten Tomaten und frisch geriebenem Parmesan auf Naan kosten vier Euro. Auch Reisschalen kredenzt Gordon, in verschiedenen Ausführungen samt Salat für 5 bis 6,50 Euro. Statt indischer bedient Gordon sich dabei japanischer Rezepte.

Überraschungen gibt es auch im Glas: Apfelsaft mit frisch gepresstem Weizengrassaft oder Spirulina Alge sind für drei Euro zu haben. Deren Geschmack und Farbe wecken nun doch Assoziationen an Zaubertränke. Und so deutlich Gordon sich kulinarisch von klassischen Fast-Food-Sünden absetzt, ist der Kanadier in dieser Hinsicht vielleicht doch ein Hexer. Aber ein guter! Lars Klaassen

W-Imbiss, Kastanienallee 49 (Ecke Zionskirchstraße), 10119 Berlin. Öffnungszeiten: täglich ab 13 Uhr geöffnet.

RNBS

Dieser Snack-Imbiss ist einer der Besten, die es in Berlin gibt. RNBS, so komisch das klingt, ist die Abkürzung für Rolls, Noodles, Balls, Soups – und viel mehr gibt es auch gar nicht in dem grell-orangefarben gestalteten Laden gegenüber vom Monbijou-Park. Die asiatischen Gerichte sollen frei sein von feindlichen Zusätzen wie Geschmacksverstärkern und Konservierungsstoffen; besonders die Nudelgerichte, die in großen Schalen serviert und mit einer Mixtur aus Kräutern, Sprossen, Nüssen und Chili abegerundet werden, schmecken so wohltuend-gesund, dass man danach gleich das Gefühl hat, es gehe einem deutlich besser als vorher. Dazu passt ein Gläschen der interessanten Tees, zum Beispiel Cassia-Zimttee, dem eine lebensverlängernde Wirkung nachgesagt wird. Der freundliche Service wird einen dabei bei Bedarf gerne über die geheimnisvollen Kräfte eines wohlschmeckenden Tofu-Röllchens aufklären.

Das beste aber an RNBS sind die Preise: Eine Schale Nudeln und ein Tee sind zusammen preiswerter als ein Dönerteller mit Pommes. Für fünf Euro wird man bei RNBS satt, aber nicht voll. Der Chef will jetzt übrigens bald zusätzliche Filialen eröffnen. Zeit wird’s. Einziger Kritikpunkt: Das RNBS-Design ist ein bisschen zu überkandidelt. Etwas mehr Erdverbundenheit würde die Energie noch besser fließen lassen. Esther Kogelboom

RNBS, Oranienburger Straße 27, bald auch im Holmes Place am Gendarmenmarkt. Geöffnet von 11.30 Uhr bis Mitternacht.

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