Air Berlin : Sicher durch alle Turbulenzen

Air Berlin reagiert flexibel auf den Markt – das ist die Stärke des Unternehmens.

Klaus Kurpjuweit
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"Wir sind gut gerüstet für die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen. Wir wollen das Streckennetz bei Air Berlin sowie die Zahl der Flüge weiter flexibel der Nachfrage anpassen.“ Joachim Hunold, Chief Executive Officer von Air Berlin



Für Überraschungen ist Air-Berlin-Chef Joachim Hunold immer gut. Vor einer Woche gab es Gerüchte über eine Trennung von der Tochter LTU, wenige Tage später verständigt sich Air Berlin völlig überraschend mit dem Konkurrenten Tuifly über die Eckpunkte einer Allianz. So ist der Stratege Hunold – in die Karten schauen lässt er sich ungern.  Auch Prognosen zur Geschäftsentwicklung will er nicht abgeben. Er sieht das Unternehmen aber „gut gerüstet für die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen“. Ein Kostensenkungspaket, „Jump“ genannt, zeigt bereits Erfolge, während renommierte Linien wie British Airways oder Air France/KLM zuletzt in die Verlustzone geflogen sind.

Dabei war Air Berlin von Konkurrenten wie Easyjet und Ryanair schon mehrfach das Aus vorhergesagt worden. Dass Ryanair jetzt in die Verlustzone gerutscht ist, löst bei Hunold aber keine Schadenfreude aus. Bei Air Berlin konzentriere man sich auf das eigene Unternehmen und die wirtschaftlichen Herausforderungen, sagt er. Das Effizienzprogramm „Jump“ soll Leistung verbessern und Kosten senken. Der Vorstand selbst verzichtet teilweise auf Bonus-Zahlungen.

Air Berlin hat, wie die meisten anderen Fluggesellschaften auch, unrentable Strecken gestrichen. So ging im Februar die Zahl der Passagiere um 8,5 Prozent auf rund 1,7 Millionen zurück und auch die Auslastung der Flotte verringerte sich um auf 70,8 Prozent. Trotzdem rechnet Air Berlin für 2009 mit einem positiven operativen Ergebnis. Zum Vergleich: Auch Easyjet hatte im Februar einen Rückgang bei den Passagierzahlen um 6,3 Prozent auf drei Millionen und hat ebenfalls Strecken gestrichen, auch in Schönefeld.

Hunold will das Streckennetz bei Air Berlin sowie die Zahl der Flüge weiter „flexibel der Nachfrage anpassen“. Durch ständige Kontrollen würden die Strecken ermittelt, die profitabel geflogen werden könnten. Aber auch neue Strecken werde man ins Programm aufnehmen, wenn sie Wachstumschancen böten. So habe Air Berlin zum Beispiel neue Verbindungen nach Krakau und Kroatien eröffnet. Gelohnt habe sich für das Unternehmen der Umzug ins 2007 eröffnete Terminal C auf dem Flughafen Tegel, das vornehmlich von Air Berlin genutzt wird, sagt Hunold. Durch die acht Sicherheitsschleusen ließen sich innerhalb einer Stunde mehr Passagiere abfertigen als zuvor im Hauptgebäude.

Air Berlin plant auch über das schwierige Jahr 2009 hinaus. Auf dem neuen Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld wolle das Unternehmen ebenfalls „die Nase ganz weit vorn haben“. Schon heute ist man Marktführer in Berlin. Um BBI zum Erfolg zu bringen, müssten aber die Rahmenbedingungen stimmen, sagt Hunold. Unter einem restriktiven Nachtflugverbot hätten die Wirtschaftlichkeit des Flughafens und die Airlines zu leiden. „Wir hoffen deshalb, dass die Politik hier doch ein Einsehen haben wird und sich gegen die Nachtflugbeschränkungen entscheidet.“ Derzeit legt die Planungsbehörde in Brandenburg fest, wie viele Flüge es zwischen 22 Uhr und 24 Uhr sowie von 5 Uhr bis 6 Uhr geben darf. Von 0 Uhr bis 5 Uhr hat das Bundesverwaltungsgericht ein Nachtflugverbot verhängt.

Bestätigt sieht sich Hunold in seinem Kurs auch durch Auszeichnungen. Das Unternehmen hat 2008 zum zweiten Mal in Folge den „World Travel Award“ in der Kategorie „World’s Leading Budget Airline“ gewonnen. Nominiert waren auch Easyjet und die US-Fluglinie Jet Blue Airways. Als beste Billigfluglinie ist Air Berlin auch in Dänemark ausgezeichnet worden, wo das Unternehmen auch den zweiten Platz in der Kategorie „Beste Europäische Airline“ belegte. Und beim Reiseportal „smavel.com“ lagen die Berliner beim Preis-Leistungs-Verhältnis“ an der Spitze. Bei der Fachzeitschrift „Test“ erhielt Air Berlin mit British Airways Bestnoten in der Kategorie „Information und Buchung“ (1,8) und belegte in der Rubrik „Preisniveau“ mit einer Note von 3 einen Mittelplatz vor Lufthansa.

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