Air Berlin und Lufthansa : Die Luft wird dünner

Air Berlin hat nach einer Phase leichtsinniger Expansion nur dank Etihad überlebt: Jetzt macht die Airline aber so viel internationales Geschäft, dass es selbst Lufthansa unheimlich wird. Lufthansa muss umdenken - vor allem, wenn es um Berlin geht. Ein Kommentar.

Air Berlin und Etihad.
Air Berlin und Etihad.Foto: dpa

Für die einen ist es der übliche Konkurrenzkampf um Marktanteile. Die anderen sehen es als Vernichtungsfeldzug, bei dem einer auf der Strecke bleibt. Die Auseinandersetzung zwischen den Airlines Air Berlin und Etihad auf der einen und Lufthansa auf der anderen Seite hat Elemente von beidem. Die Unterscheidung zwischen Guten hier und Bösen dort ist nicht möglich. Sehr wohl denkbar aber ist, dass Berlin, die deutsche Hauptstadt, der Wirtschaftsstandort, schwer unter dem Ausgang dieser Auseinandersetzung leiden könnte.

Um was geht es? Für den Laien um eine Bagatelle. Das Luftfahrtbundesamt untersagt den geschäftlich miteinander verflochtenen Luftfahrtgesellschaften Air Berlin und Etihad die Fortführung des Codesharing auf 34 von 64 Verbindungen zwischen Berlin und der Golfregion. Codesharing bedeutet, dass zwei Airlines einen gemeinsam durchgeführten Linienflug jeweils unter der Flugnummer auch der anderen Gesellschaft anbieten dürfen. Das vereinfacht Buchungen, saugt somit Passagiere an. Für Air Berlin sichert dieses Verfahren jährliche Umsätze von 100 Millionen Euro. Der Haken an der Sache: Etihad darf nach einem Verkehrsabkommen, wie andere Golfairlines, nur vier deutsche Flughäfen anfliegen. Das sind Frankfurt, München, Düsseldorf und Hamburg. Durch das Codesharing mit Air Berlin erweitert Etihad nach Ansicht von Lufthansa aber die Zahl der angebotenen Airports deutlich. Das Luftfahrtbundesamt teilt diese Ansicht.

Die Wirtschaft setzt auf Air Berlin

Man kann die Lufthansa-Geschäftsführung verstehen. Ihr Unternehmen konkurriert am Golf mit Airlines, denen das schier unbegrenzte Finanzpolster der Ölstaaten den Rücken stärkt. Teure Tarifverträge, wie sie in westlich geprägten Demokratien Standard sind, plagen die Konkurrenten am Golf auch nicht. Um die Dramatik der Lage zu unterstreichen, kündigte Lufthansa jetzt die Einstellung der letzten Abu-Dhabi-Verbindung für 2015 an. Dass sich der Kranich hinter dem Bundesverkehrsminister versteckt, ist nicht fein, aber nachvollziehbar.

Dass Berlins Wirtschaft auf Air Berlin setzt, aber auch. Es ist diese Gesellschaft, die die direkte Anbindung an Fernziele ohne Umsteigen garantiert – Richtung USA zum Beispiel ein Zeitfaktor, der von Geschäftsleuten und Wissenschaftlern immer wieder erwähnt wird. Die Lufthansa hingegen ist nur daran interessiert, ihre Drehkreuze in München und Frankfurt zu stärken. Passagiere aus Berlin werden gezwungen, dort umzusteigen. Währenddessen hat Air Berlin auf dem Flughafen Tegel ein funktionierendes Drehkreuz aufgebaut. Passagiere aus Skandinavien, Südeuropa und den USA steigen in Berlin um in alle Richtungen. Mitgesellschafter Etihad verteilt über den Golf die Fluggäste Richtung Asien. Air Berlin hat nach einer Phase leichtsinniger Expansion nur dank Etihad überlebt, macht aber jetzt so viel internationales Geschäft, dass es Lufthansa unheimlich wird. Air Berlin entwickelt in Berlin ein lukratives Segment, das Lufthansa selbst hier absolut nicht will. Das ärgert.

Was die Lufthanseaten nicht begreifen: Die Interessen der Kranich-Airline sind nicht mit denen der Metropolenregion identisch. Die Hauptstadt muss direkt und nicht nur durch Umsteigen erreichbar sein. Das erklärt die leidenschaftlichen Plädoyers, mit denen sich Flughafenchef und IHK-Geschäftsführer engagieren. Berlins Politik muss auf eine Lösung drängen, die nicht das Ende von Air Berlin bedeutet. Das wäre schlecht für die Region – und würde Lufthansa in Berlin nur Gegner schaffen.

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