Zeitung Heute : Air Berlin will auch Condor schlucken

Fluggesellschaft würde Nummer fünf in Europa Kartellamt hat Bedenken gegen Übernahme

Juliane Schäuble Nils-Viktor Sorge

Düsseldorf/Berlin - Der Billigflieger Air Berlin will mit Condor einen weiteren Konkurrenten übernehmen und sich so zu einer der größten Fluggesellschaften in Europa aufschwingen. Auf das Geschäft im Wert von insgesamt 500 bis 600 Millionen Euro habe sich sein Unternehmen bereits mit dem bisherigen Condor-Mehrheitseigner, dem Touristikkonzern Thomas Cook, geeinigt, sagte Air- Berlin-Chef Joachim Hunold am Donnerstag in Düsseldorf. Die Transaktion sei für Februar 2009 geplant. Den Plänen in die Quere kommen könnten allerdings noch die Lufthansa, die ebenfalls an Condor beteiligt ist, und das Kartellamt.

Thomas Cook soll für Condor nicht nur bar entschädigt werden, sondern künftig bis zu knapp 30 Prozent der Aktien von Air Berlin halten. Für die Beteiligung sollen neue Aktien an den Reisekonzern ausgegeben werden, deren Börsenwert je nach aktueller Kursentwicklung zwischen 380 und 475 Millionen Euro liegen werde, teilte Air Berlin mit. Hinter Thomas Cook steht der Essener Touristik- und Warenhauskonzern Arcandor (ehemals Karstadt-Quelle), dessen Chef Thomas Middelhoff die geplante Übernahme ebenfalls begrüßte.

Der Ferienflieger Condor soll vor allem das Langstreckengeschäft von Air Berlin stärken. „Condor erhöht die Attraktivität unseres Netzwerkes erheblich“, sagte Hunold, der sein Unternehmen nach dem Börsengang vor gut einem Jahr derzeit vom Billigflieger zu einer weltweit operierenden Gesellschaft umbaut. Dabei hatte Air Berlin bereits die Gesellschaften dba und LTU übernommen. „Vor allem nach der Übernahme der LTU macht dieser Schritt Sinn, weil wir unseren Kunden dann auch ein dichteres Fernstrecken- Netz anbieten können“, sagte Hunold. In der Rangliste der größten europäischen Fluggesellschaften rücke Air Berlin auf Platz fünf vor. Hunolds Wachstumspläne zielen direkt auf etablierte Fluglinien wie die Lufthansa, die weiterhin Marktführer in Deutschland ist.

Air Berlin verspricht sich von der Übernahme Synergieeffekte in Höhe von 70 Millionen Euro im Jahr. Es gebe viele Überschneidungen zwischen Air Berlin, der LTU und der Condor, bestätigt Commerzbank-Analyst Michael Benedikt. Wenn die Flugpläne aufeinander abgestimmt würden, ließen sich erhebliche Kosten einsparen, „allerdings erst ab frühestens Mitte 2009“. „Durch die Kooperation kann Air Berlin zudem Wettbewerb rausnehmen“, sagte Benedikt. Übersetzt bedeutet das, die Preise könnten steigen. Condor gilt als ein wichtiger Konkurrent für Air Berlin. Möglicherweise ist Air Berlin durch die Zukäufe nun auch sicherer vor möglichen feindlichen Übernahmen, etwa durch den irischen Billigflieger Ryanair. „Mit Thomas Cook gibt es jetzt eine starke Gruppe innerhalb der Gesellschaft“, sagte Benedikt.

Air Berlin kündigte am Donnerstag auch an, die LTU stärker in das Unternehmen zu integrieren. Künftig werde LTU nur noch auf den touristischen Langstrecken unter ihrem traditionellen Logo fliegen. Die drei Buchstaben bleiben beispielsweise auf den Strecken nach Thailand, Kuba oder Südafrika erhalten, teilte Air Berlin mit. Auf den Langstrecken in die USA oder nach China, die auch Geschäftsreisende ansprechen sollen, werden die Flüge dagegen künftig unter Air-Berlin-Flagge stattfinden. Das gilt auch für alle Kurz- und Mittelstrecken. Konzernchef Hunold verkündete zudem eine Kooperation mit der chinesischen Hainan Airlines, die ab 2008 unter anderem einen Direktflug von Berlin nach Peking ins Programm aufnimmt.

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