Zeitung Heute : Aktuelle Urteile: Rechtsprechung zu Schlafraub, Organisationsfehlern und anderen Ärgernissen

Risiko. Wird auf dem Hotelparkplatz der Wagen eines Pauschalurlaubers nach starken Regenfällen durch einen Erdrutsch beschädigt, so haftet dafür nicht der Reiseveranstalter; weil es sich dabei um ein "allgemeines Lebensrisiko" handelt. (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/24 S 390/98) W. B.

Ablehnung. Bucht ein Urlauber eine Club-Reise ins Ausland, so kann er nicht verlangen, dass die Betreuungspersonen Deutsch sprechen - es sei denn, im Prospekt sei das ausdrücklich zugesagt worden. (Amtsgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 32 C 37/00-84) W. B.

Schlafraub. Wird einem Pauschalurlauber die Nachtruhe durch "Hunderte" von Schülern im selben Hotel geraubt, in diesem Fall auf der Insel Kreta, so kann nachträglich eine Reisepreisminderung verlangt werden, die hier als Abgeltung auch für andere Unannehmlichkeiten auf 30 Prozent festgelegt wurde. (Amtsgericht Bad Homburg, Aktenzeichen: 2 C 29 68/98-10) W. B.

Ausgleich. Muss ein Ehepaar auf einer Rundreise (hier: durch Südafrika) wegen eines Organisationsfehlers des Reiseveranstalters vier Tage lang auf sein Gepäck verzichten, so muss der Veranstalter 25 Prozent der anteiligen Reisekosten, in diesem Fall: 575 Mark bei einem Gesamtreisepreis von 6300 Mark, für jeden Tag als "Ausgleich für die Beeinträchtigung des Reisegenusses" zahlen. (Amtsgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 32 C 3141/99-84) W. B.

Einzelanspruch. Wer für eine Gruppe (in diesem Fall waren es 39 Personen) eine Reise bucht, der wird dadurch nicht automatisch "Ausrichter". Mit der Folge, dass er nicht das Recht hat, für einzelne Mitglieder der Reisegruppe, die - wenn auch berechtigten - Beanstandungen vorzubringen hatten, die Verhandlungen über eine nachträgliche Minderung des Reisepreises führen; jeder einzelne muss seine Ansprüche separat geltend machen. (Landgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 22 S 690/98) W. B.

Rat. Bei Rechtsärger auf und mit Reisen soll das Lexikon "Reiserecht von A bis Z" weiterhelfen. Das neu aufgelegte Nachschlagewerk erläutert alle wesentlichen Rechtsbegriffe aus dem Bereich der Individual- und Pauschalreisen. Das teilt der Deutsche Taschenbuchverlag (dtv) in München mit. Darüber hinaus werden typische Urlaubsärgernisse wie Flugverspätung, Hotellärm oder -überbuchung aufgegriffen. Beispiele aus der aktuellen Rechtsprechung sollen diese Probleme weiter veranschaulichen. Das vom Reise-Juristen Ernst Führich verfasste Lexikon kostet 21,50 Mark.

Unterbrechung. Entschließt sich ein Pauschaltourist, nach einem Unfall, den der Reiseveranstalter zu verantworten hat, den Urlaub abzubrechen, so kann er eine Pauschale für "nutzlos aufgewandte Urlaubszeit" verlangen (hier zugebilligt in Höhe von 100 Mark pro Tag). Dies gilt aber nicht für Tage, an denen die Reise vermutlich ohnehin unterbrochen worden wäre (hier: Tod des Vaters). (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/21 O 6/99) W. B.

Freizeitpark. Wer während seines Pauschalurlaubs an einem Ausflug in einen Freizeitpark teilnimmt und auf einer hölzernen Brücke, deren Boden rutschig ist, stürzt, der kann für die dabei erlittene Verletzung nicht den Reiseveranstalter haftbar machen. (Landgericht Hamburg, 308 O 86/99) W. B.

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