Zeitung Heute : Aktuelle Urteile: Rechtsprechung zu verschmutzten Hotelpools, Hitzewellen, Hochspannung und mehr

W. B.

Hotelpool. Erkrankt eine Urlauberfamilie, weil der Pool des Hotels nicht gereinigt wurde, so kann sie bei Abbruch der Reise den gesamten Preis (in diesem Fall: knapp 10 000 Mark) zurückfordern, wenn bewiesen ist, dass die Familie den Hotelbereich bis zur Abreise nicht verlassen hat und auch andere Gäste erkrankt sind. (Urteil am Amtsgericht München, Aktenzeichen: 26 U 4306/99) W.B.

Das Reisebüro muss nicht alle Einzelheiten kennen. Reisebüros sind nicht verpflichtet, ihre Kunden darüber zu informieren, dass für das gewählte Urlaubsland Visumspflicht besteht, weil es ihnen nicht zuzumuten ist, sich täglich einen Überblick über die von ihnen vermittelten Reisen und über die Staatsangehörigkeit der Reisenden und die Einreisebestimmungen des Reiselandes zu verschaffen. Hierfür ist der Reiseveranstalter zuständig. (Urteil am Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/24 S 109/98) W.B.

Anschluss. In einer spanischen Ferienwohnung sollte die Sicherheit exakt gewährleistet sein. Wer eine Freunden gehörende Ferienwohnung in Spanien gemietet hat, der darf keinen "deutschen Sicherheitsstandard" erwarten und deshalb keinen Schadenersatz fordern, wenn er an einer im Schlafzimmer stehenden, "nicht voll isolierten, mit einem zweiadrigen Anschluss versehenen Nachttischlampe" einen Stromschlag bekommt. (Urteil am Oberlandesgericht Köln, Aktenzeichen: 19 U 68/99) W.B.

Hitze. Selbst wenn Ärzte davon abraten, wegen einer im Urlaubsziel herrschenden Hitzewelle dorthin zu fliegen, lässt sich eine Pauschalreise nicht stornieren oder vorzeitig abbrechen. Darauf weist der Branchendienst "Touristik Rechts-Tip" hin. Hohe Temperaturen in südlichen Ländern seien "ein Risiko, das dem allgemeinen Lebensrisiko zuzuordnen ist". Deshalb begründeten auch für örtliche Verhältnisse ungewöhnlich hohe Temperaturen kein Stornierungsrecht wegen höherer Gewalt. tdt

Gepäck. Wenn das Reisegepäck vorübergehend abhanden kommt, muss der Reiseveranstalter einen Ausgleich für die Beeinträchtigung des Reisegenusses zahlen. In einem Urteil (Aktenzeichen: 32 C3141/99-84) beziffert das Amtsgericht Frankfurt am Main den Anspruch des jeweils betroffenen Reisenden auf 25 Prozent der anteiligen Reisekosten für jeden Tag, an dem das Gepäck nicht zur Verfügung steht. Verhandelt wurde der Fall eines Ehepaares, dem die Koffer bei einer Rundreise durch Südafrika in Folge eines Organisationsfehlers vier Tage lang abhanden gekommen waren, danach aber wieder gefunden wurden. Vor Gericht wollten die Reisenden einen Rückzahlungsanspruch von 35 Prozent des gesamten Reisepreises von rund 6300 Mark einklagen. Das Gericht befand dagegen, eine Rückzahlung vom Veranstalter in Höhe von 575 Mark sei ein ausreichender Ausgleich für die erlittenen Unannehmlichkeiten, weil vier Tage lang Kleidung und Ersatzwäsche nicht zur Verfügung standen.

Sturz. Wer in seinem Urlaub während eines organisierten Ausflugs in einem Freizeitpark ausrutscht und sich verletzt, sollte sich keine Hoffnungen auf Schmerzensgeld machen. Das Landgericht Hamburg wies die Klage einer Frau ab, die beim Sturz auf einer hölzernen Brücke in einem Badevergnügungspark bei Antalya in der Türkei eine Daumenverletzung erlitten hatte (Aktenzeichen: 308 O 86/99).

Diebstahl. Immer wieder kommt es vor, dass Touristen am Urlaubsort bestohlen werden. Trotz einer abgeschlossenen Reisegepäck-Versicherung kann das für den Betroffenen zu einer ärgerlichen Angelegenheit werden, teilt die ARAG-Rechtsschutzversicherung mit. Damit der Schaden nicht noch größer wird, sollten die Opfer den Diebstahl unmittelbar vor Ort zur Anzeige bringen und nicht etwa damit warten, bis sie wieder zu Hause sind. In einem konkreten Fall hatte das Amtsgericht Köln entschieden, dass, wenn der Bestohlene zunächst abwartet und den Diebstahl erst nach der Rückkehr meldet, die Versicherung nicht zur Schadensregulierung verpflichtet ist. Denn, so die Kölner Richter, ohne eine sofortige Meldung des Vorfalls vor Ort habe die Versicherung später keine Möglichkeit mehr, die Angaben zum Fall zu überprüfen (Aktenzeichen: 118 C 109/99). ddp

Katastrophe. Reiseveranstalter sind verpflichtet, die Umwelt der von ihr angebotenen Reiseziele zu beobachten und Kunden über mögliche Gefährdungen der Reise zu informieren. Das berichtet die von der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht in Frankfurt am Main herausgegebene Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" unter Berufung auf ein Urteil des Amtsgerichtes Hamburg (Aktenzeichen: 21 b C 313/98).

Im verhandelten Fall musste eine Reise in Brunei unterbrochen werden, weil der Weiterflug nach Borneo auf Grund von Busch- und Waldbränden nicht möglich war. Zwar handele es sich dabei um eine Naturkatastrophe, für die der Veranstalter grundsätzlich nicht hafte. Er hätte aber mit Hilfe seiner Agenturen Erkundigungen einziehen müssen. Das Gericht sprach den Urlaubern für die Tage in Brunei eine 100-prozentige Minderung des Reisepreises zu.(Aktenzeichen: 211 C 37754/99). faf

Verlust. Gibt ein Flugpassagier sein Gepäck bei der Fluggesellschaft ab, die ihn auf einer zweigeteilten Reise im ersten Abschnitt befördert, so muss diese Fluglinie dem Passagier den Aufwand ersetzen, den er durch den Neukauf von Kleidung, Wäsche, Hygieneartikeln und Rasierapparat hatte (hier im Wert von 1500 Mark), wenn seine Koffer - offenbar bei dem Zwischenstopp übersehen - zu spät am Urlaubsort eintreffen. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 211 C 37754/99)

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben