Al-Qaida-Prozess : Das Geld wird knapp

Vielleicht geht es ja auch ein bisschen um Ruhm. Und darum, dass der eher nicht zu ernten ist, wenn Martin Cohen demnächst in den USA Suleiman Abu Gheith vor Gericht vertreten wird. Abu Gheith ist der Schwiegersohn von Osama bin Laden und von der US-Justiz wegen Verschwörung zum Mord an US-Bürgern angeklagt. Laut Anklage soll er nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in mehreren Videobotschaften an der Seite bin Ladens zu sehen sein und zu Angriffen gegen die USA aufgerufen haben. Auch dem heutigen Chef von Al Qaida, Aiman al Sawahiri, soll er zugetan und dienstbar gewesen sein. Es ist also anzunehmen und auch verständlich, dass so einer nicht gut gelitten ist in Amerika. Den zu verteidigen dürfte kein Spaß sein; Pflichtverteidiger Martin Cohen, wird wohl eben diese erfüllen, die Pflicht, sich aber ansonsten eher nicht ins Zeug legen wie weiland Perry Mason. Es ist ohnehin noch offen, wann Abu Gheith der Prozess gemacht wird. Der Plan war, dass er im September vor den Schranken des Gerichts stehen soll, Martin Cohen ist das zu schnell, er will erst im Januar 2014 verteidigen.

Vordergründig und offiziell geht es ihm dabei aber nicht um die schwerlich zu sammelnden Meriten, es geht um Geld, vor allem um Geld, das in den USA nicht mehr so locker sitzt. Auch in den USA muss gespart werden.

2013 muss die US-Regierung 85 Milliarden Dollar einsparen, unter anderem in der Justizbehörde. Budgets wurden gekürzt, man kennt das hierzulande, nun kennt man es auch in Amerika. Staatsbedienstete wurden in Zwangsurlaub geschickt und mussten Gehaltseinbußen in Kauf nehmen. Für Martin Cohen, unseren nicht übermäßig motivierten Pflichtverteidiger, bedeuteten die Sparmaßnahmen fünfeinhalb Wochen unbezahlten Zwangsurlaub. Cohen hat jetzt nicht verraten, wo er diesen Urlaub verbringt, auch nicht wie er ihn zu gestalten denkt. Er hat aber geklagt, dass ihm diese fünfeinhalb Wochen fehlen werden und er deswegen zum geplanten Prozessbeginn nicht ausreichend vorbereitet sein wird. An sich, heißt es in den Staaten, ist so ein verschobener Prozessbeginn keine große Sache, dann beginnt der Prozess eben entsprechend später. Zumal Abu Gheith erst vor einem Monat vom CIA gefangen genommen wurde. Aber dass die Rache, pardon: der Prozess, sich verzögert, weil der Amtsschimmel laut wiehert und mit dem Rotstift fummelt, ist doch erstaunlich und fast schon ein Rohrkrepierer.Helmut Schümann

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