Zeitung Heute : Alexanderplatz: Nur ein bisschen aufgepeppt

Harald Olkus

Sieben Jahre ist es her, dass Hans Kollhoff den städtebaulichen Wettbewerb zur Neugestaltung des Alexanderplatzes gewonnen hat. Doch während der Potsdamer Platz und die Friedrichstraße kaum wiederzuerkennen sind, hat sich am Alex nur wenig getan. Der Platz wurde mit Grün etwas aufgepeppt, das Alexanderhaus und der S-Bahnhof renoviert und eine Tram über den Alex geleitet. Als einzigen Neubau errichtet die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG) zwischen den Rathauspassagen und der S-Bahntrasse ein Multiplex-Kino, das am 1. April kommenden Jahres eröffnet werden soll.

Die Investoren, die den Alexanderplatz nach Hans Kollhoffs Plänen in ein kleines Manhattan verwandeln wollen, müssen sich noch eine ganze Weile gedulden. Für die Bebauung des östlichen Zentrums gibt es zwar gültige Bebauungspläne. Als weitere Voraussetzung für die Umsetzung der Kollhoff-Pläne haben die Investoren auch die städtebaulichen Verträge unterzeichnet. Noch nicht geklärt sind allerdings die Grundstücksfragen. Selbst die Wohnungsbaugesellschaft DeGeWo, die als erste mit dem Bau eines 150 Meter hohen Turmhochhauses beginnen will und bereits 1999 die Flächen zwischen Alexanderplatz und Jannowitzbrücke entlang des S-Bahn-Viadukts erworben hat, muss noch einmal neue Flächen dazukaufen und umplanen. Denn das Anfang 2000 vorgestellte "Planwerk Innenstadt" sieht vor, den Grunertunnel zu schließen. Bisher führt der Autotunnel den Verkehr unter dem Alexanderplatz hindurch. Künftig sollen die Autos wieder ebenerdig rollen - auf einer schmaleren Fahrbahn. Jetzt muss die DeGeWo öffentliches Straßenland kaufen, um bis an den Straßenrand bauen zu können.

Das gilt ebenfalls für die Alexanderstraße. Die geschwungene vierspurige Straße soll rückgebaut werden. An der Voltairestraße, wo sich einst das Stadttor im Burgwall befand, sieht das Planwerk Innenstadt wieder eine Torsituation vor, die die DeGeWo durch entsprechende Bebauung schaffen soll. Frühestens in einem Jahr könne hier mit der Bauvorbereitung begonnen werden, schätzt Helmut Kästner, Projektleiter für den Alexanderplatz bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung.

Mit den Grundstückskäufen sind derzeit alle Investoren am Alex beschäftigt. Für einzelne Bauherren hätten sich erhebliche Probleme mit dem Baugrund ergeben, sagt Kästner. Der amerikanische Immobilienentwickler Hines will auf der nordöstlichen Ecke des Alexanderplatzes einen Turmbau errichten, mit Einzelhandel bis zur siebten Etage, darüber Büros und Wohnungen. Theoretisch könnte die Finanzverwaltung als Grundstückseigentümer 10 000 Mark pro Quadratmeter erzielen, doch der Investor fordert Abschläge für den unfertigen Baugrund. Denn unter den Gehwegplatten des Platzes befinden sich Bunker und Fundamente eines früher geplanten Gebäudes, die erst herausgenommen werden müssen.

Auch die Deutsche Interhotel würde gerne einen oder zwei Blöcke hochziehen. Doch hier liegen Regenkanäle und Fernwärmeleitungen im öffentlichen Straßenland. Die Hotelgruppe hat noch bis Ende des Jahres die Option auf den Bau einer privaten Tiefgarage unter dem Alexanderplatz. Doch ohne Klärung der Grundstückskosten ist das Hotel nicht in der Lage, die Wirtschaftlichkeit der Tiefgarage abschließend zu prüfen. "Bis Ende des Jahres müssen die Hoteliers sich aber entschieden haben, sonst wird der Bau des Parkhauses an einen anderen Investor vergeben", sagt Kuhlo. Denn erst wenn die Planung für die Tiefgarage vorliegt, können die Architektenwettbewerbe für die konkrete Gestaltung der Hochhäuser am Alex ausgeschrieben werden.

Überraschenderweise dränge nun auch die Kaufhof am Alex GmbH auf den baldigen Umbau ihres Warenhauses, sagt Kästner. Das Gebäude soll bei laufendem Betrieb erweitert und mit einem Turm versehen werden. Abgesehen vom ehemaligen "Haus des Reisens" an der Ecke Alexanderplatz und Braunstraße, das die Bad Homburger "Alexanderplatz 5 GbR" abreißen und durch einen Wolkenkratzer mit Büros, Geschäften und Wohnungen ersetzen will, wird sich die Nordseite des Platzes vermutlich auch längerfristig nicht verändern. Obwohl die TLG als Eigentümerin der drei Gebäude die Kollhoff-Pläne stets "aktiv unterstützt" habe, hat sie sich bereits 1997 gegen die Errichtung von Neubauten und für die Nutzung des Bestandes entschieden.

Für Kopfzerbrechen sorgt bei der Senatsverwaltung noch die gesamte Baulogistik: "Im Vergleich zum Potsdamer Platz haben wir es hier mit einer heterogenen Investorenstruktur zu tun, die viel schwieriger zu koordinieren ist", sagt Kästner. Doch auch wenn sich die Investoren zu einer gemeinsamen, zentralen Logistikgesellschaft zusammenschließen, bleibt ein weiteres Problem: Selbst im weiteren Umkreis des Alexanderplatzes gibt es keine freien Flächen, auf der Kies- oder Betonwerke wie am Gleisdreieck errichtet werden könnten. Eine nutzbare Schienenverbindung für den An- und Abtransport der Baustoffe fehlt ebenfalls. Und auch Kästner zweifelt daran, ob eine "Busspur" für Baufahrzeuge in diesem Umfeld praktikabel ist.

Die Tiefbauarbeiten am Alex werden vermutlich nicht vor 2005 beginnen, schätzt Referatsleiter Christian Kuhlo. Eine Wiederaufnahme der Diskussion über die Gestaltung des Platzes und eine Rückbesinnung auf die Erhaltung des Vorhandenen lehnt Kuhlo aber ab. Die Haltung des Senats sei eindeutig: "Es ist der politische Wille, die Pläne in der vorhandenen Form umzusetzen. Denn so stellen wir uns Berlin vor." Von einer Verzögerung der bereits 1993 vorgelegten Pläne könne keine Rede sein: "Nach dem Stufenplan von Kollhoff liegen wir immer noch in der Zeit", behauptet er.

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