Zeitung Heute : Alfa 147: Mehr als nur schön

Ingo von Dahlern

Alfa bleibt dem Trend der letzten Jahre treu. Wie schon Alfa 156, Alfa 166 und Alfa 156 Sportwagon und bereits vor einigen Jahren GTV und Spider besticht auch die neueste Schöpfung aus Mailand durch ihr Design. Ein Design, dass trotz seiner klassischen Alfa-Elemente von Modellfamilie zu Modellfamilie ganz eigene Akzente setzt. Beim neuen Alfa 147 ist das vor allem der hohe schmale Grill in Form eines Schilds - scudetto genannt. Er wird flankiert von zwei waagerecht liegenden Lufteinlässen - den sogenannten baffi, was für Schnurrbart steht. Eine Frontgestaltung, für die der Alfa Romeo 1900 Sprint aus dem Jahre 1951 Pate stand, wobei der moderne 147 sich nicht damit begnügte, schlicht

"retro" zu sein, sondern das alte Konzept in eine zeitgerechte Form brachte. Zu der gehören auch die modernen Scheinwerfer in Klarglastechnik mit integrierten Nebelscheinwerfern.

Ebenfalls eigenständig ist die Heckpartie, die vor allem bei den Leuchten allerdings stark an den Alfa 156 und 166 erinnert. Ein typisches Alfa-Element ist natürlich das V-förmige fünfeckige Heckfenster, wie es beim Vorgänger erstmals auftauchte. Aus der Seitenansicht zeigt der Alfa 147 mit seiner hohen Gürtellinie, den extrem breiten Türen und dem sanft nach hinten abfallenden Dach durchaus Elemente eines Coupés. Und sehr gut stehen diesem Auto mit seinen kurzen Überhängen und dem langen Radstand von knapp 2,55 Meter die großen Räder, die je nach Modellversion bis zu 17 Zoll messen. Alles in allem ein Auto also mit viel Charakter, das sich wohltuend aus dem Design-Einerlei der letzten Jahre heraushebt.

Vor allem in der bei uns als Golf-Klasse bekannten Fahrzeugklasse ist das eine erfreuliche Entwicklung, bietet sie doch eine für das Auge ausgesprochen attraktive Alternative, die in den letzten Wochen bereits mit viel Vorschusslorbeer bedacht wurde. Denn der Alfa 147 wurde in seiner Klasse nicht nur Sieger beim "Goldenen Lenkrad", sondern konnte auch den Preis als "Auto des Jahres 2001" gewinnen. Da war es durchaus interessant, in den letzten Tagen bei ersten Probekilometern engere Bekanntschaft mit diesem Auto zu machen, das manchen Käufer in dieser Klasse dazu verleiten könnte, seiner bisherigen Marke untreu zu werden.

Eine gelungene Optik allein macht natürlich noch kein Auto aus. Mindestens so wichtig wie das Kleid ist, was man darunter findet. Das gilt gleichermaßen für die Technik und die Fahreigenschaften als auch für das Interieur. Und bei beidem setzt der neue Alfa 147 interessante Akzente. Überrascht hat dabei die besonders hochwertige und konsequent auf Qualität abgestellte Innenausstattung. Frühere Alfa-Modelle waren sehr viel verspielter als dieses Auto mit seinem griffigen Dreispeichen-Lenkrad und dem Armaturenträger, dessen Oberfläche aus einem ansprechenden grob genarbten Material mit gefälliger Struktur besteht. Gute Qualität zeigen auch die Ausströmer für die Luft der Heizungs- und Lüftungsanlage, die bereits beim Basismodell mit einer Klimaanlage kombiniert ist. Gut gefallen haben schließlich die tief eingelassenen drei Rundinstrumente und auch die Mittelkonsole wirkt seriös und ansehnlich und ist zudem ausgesprochen übersichtlich. Kurzum, Alfa zeigt rundum Qualität, ohne dabei auf eine eigene Linie zu verzichten.

Etwas knapp ausgefallen sind allerdings die kleinen Ablagen im Innenraum, der selbst ausgesprochen großzügig ausfällt. Denn der 4,17 Meter lange, knapp 1,73 Meter breite und 1,42 Meter hohe Alfa 147 bietet seinen bis zu fünf Insassen eine Menge Platz. Das gilt insbesondere auch für die Hinterbänkler, die sich weder über mangelnde Kopf- noch mangelnde Kniefreiheit beklagen müssen. Und mit 280 Liter im Normalzustand, die sich durch Vorklappen der asymmetrisch geteilten Rückbank auf bis zu 1030 Liter erweitern lassen, gibt es einen mehr als ausreichenden Laderaum. Dabei lassen sich nicht nur die Rückbanklehnen, sondern auch die Sitzflächen der Rücksitze nach vorne klappen, so dass ein durchgehend ebener Laderaumboden entsteht, der zwischen den Radhäusern allerdings ein wenig schmal ausgefallen ist. Dank der weit ins Dach reichenden Heckklapppe ist der Laderaum bequem zugänglich. Praktisch ist, dass man den Laderaumboden um 180 Grad drehen kann und dann eine wasserfeste schmutzunempfindliche Wanne erhält.

Hohen Ansprüchen gerecht werden schließlich auch die Sitze. So gibt der Fahrersitz auch bei flotter Fahrt sehr guten seitlichen Halt. Beide Vordersitze sind in der Höhe verstellbar. So hat man als Fahrer keine Probleme, hinter dem neigungs- und höhenverstellbaren Lenkrad eine sichere Position zu finden. Neben je zwei Front- und Seitenairbags hat der Alfa 147 auch zwei Window-Airbags, die Schutz für die Köpfe aller außen sitzenden Mitfahrer bieten. Gurte mit pyrotechnischen Straffern und Gurtkraftbegrenzern vorne, Kopfstützen an allen Plätzen und ein - allerdings nur als Extra erhältlicher - Dreipunktgurt mit Kopfstütze für den mittleren Fondplatz runden das Sicherheitsangebot des Alfa 147 ab, dessen Karosserie sich durch hohe Stabilität und Crashsicherheit auszeichnet.

Diese Stabilität der Karosserie spürt man auch, wenn man den Alfa 147 in die Hand nimmt und flott bewegt. Und dafür zeigt sich dieses Auto durchaus gut ausgestattet. Denn bereits das Basistriebwerk unter den vorerst angebotenen drei Vierventil-Benzinern mit typischer Doppelzündung ist mit seinen

1,6 Liter Hubraum und einer Leistung von 77 kW (105 PS) durchaus in der Lage, den Alfa 147 sportlich zu bewegen. Der 1.6 T.Spark ECO mit einem Drehmoment von 140 Nm bei 4200 gefällt durch guten Anzug, lässt den Alfa 147 binnen 11,3 Sekunden Tempo 100 und maximal 185 km/h erreichen und verbraucht im Durchschnitt 8,1 l/100 km.

Ebenfalls 1,6 Liter Hubraum, aber zusätzlich eine verstellbare Einlass-Nockenwelle hat der 1.6 T.Spark mit 88 kW (120 PS), dessen höchstes Drehmoment bei 4500/min 146 Nm erreicht. Ihm reichen für den Spurt auf Tempo 100 10,6 Sekunden und er macht den Alfa 147 bis zu 195 km/h schnell - bei einem Durchschnittsverbrauch von 8,2 l/100 km.

Beide 1,6-Liter sind mit einem sehr exakt schaltbaren und gut auf die Motorleistung abgestimmten Fünfganggetriebe kombiniert. Auf das bereits bekannte automatisierte Schaltgetriebe, das bei Alfa Selespeed heißt, setzt man dagegen beim stärksten Benziner. Man kann dieses elektrohydraulisch betätigte Getriebe sequenziell durch Antippen von Hand schalten - wahlweise über den Schalthebel oder Schaltwippen am Lenkrad - oder aber im Automatik-Modus die Gangwahl der Fahrzeugelektronik überlassen. 110 kW (150 PS) leistet der 2.0 T. Spark, der bereits bei 3800/min seine maximal 181 Nm liefert, den Spurt auf Tempo 100 binnen 9,3 Sekunden und maximal 208 km/h erlaubt - bei einem Verbrauch von 8,9 l/100 km.

Ein sportliches Auto, dem das weitgehend vom Alfa 156 übernommene Fahrwerk vollauf gerecht wird. Denn auch bei flotter Fahrt auf kurvigen Straßen hat man dieses Auto jederzeit sicher im Griff. Gelenkt wird mit Servounterstützung, gebremst mit Scheiben rundum mit ABS und elektronischer Bremskraftverteilung. Der 1.6 T.Spark hat zudem eine Antriebsschlupfregelung und der 2.0 T.Spark die bei Alfa VCD (Vehicle Dynamic Control) genannte Fahrdynamikregelung.

Im Laufe des nächsten Jahres wird Alfa für den 2.0 T.Spark auch ein Schaltgetriebe anbieten. Und die Motorenpalette wird dann durch den bewährten direkt einspritzenden Common-Rail-Turbodiesel 1.9 JTD mit einer Leistung von 81 kW (110 PS) ergänzt, der mit seinem höchsten Drehmoment von 275 Nm bei 2000/min die Benziner ebenso in den Schatten stellt wie mit seinem Verbrauch von nur 5,7 l/100 km und zudem mit 10,5 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 189 km/h auch noch ausgesprochen flott ist. Und als zweite Karosserievariante kommt dann auch ein Fünftürer.

Alfa bietet den 147 in den beiden Ausstattungsversionen Progression - die bereits fast komplett ist - und Distinctive an. Die Preise beginnen bei 31880 DM für den 1.6 T.Spark Progression und reichen bis zu 44202 DM für den 2.0 T.Spark Selespeed, der nur in der Ausstattung Distinctive angeboten wird. Zu den deutschen Händlern kommt der neueste Alfa am 20. Januar 2001.

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