Alkohol im Islam : An die Flaschen!

Einer der Gründe, warum der Mann, der Mittfünfziger und Brillenträger, kein Moslem sein möchte, ist der Umstand, dass er dann nie nicht einmal einen heben kann. Er müsste dann, darüber wurde ja schon berichtet, auf die suggestive Kraft des Sich-ab-und- an-mal-selbst-schön-Trinkens verzichten, ein Blick in den Spiegel sagt ihm, dass das nicht schön wäre. Nun berichten Reisende in die arabische Region, dass es sich dort auch nicht anders verhält als bei Heine, der früh schon anprangerte, dass der Klerus heimlich Wein säuft und öffentlich Wasser predigt. Es wurden schon Scheichs in Scharen gesichtet, die sich in den Hotelbars die brisante Mischung aus Fosters und Wodka hinter den Kaftan gossen. Aber bigottes Trinken ist nicht jedermanns Sache. Weiß ja keiner, wie Gott und Allah es dereinst dann strafen. Es spricht allerdings einiges dafür, dass sich auch in der arabischen Welt die Weisheit des Viktor von Scheffel breitmacht: Man spricht vom vielen Trinken stets, doch nie vom vielen Durste. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben gerade dieser Tage in Abu Dhabi beschlossen, den Zugang zu Alkohol zu vereinfachen.

Bislang war es dort so: Man musste, um Alkohol in den lizensierten Geschäften zu erwerben, erst Formulare ausfüllen. Von der Wiege bis zur Bahre Formulare, Formulare, da kann einem schnell der große Durst vergehen.

Das Papier soll künftig durch eine Online-Registrierung und eine Plastikkarte ersetzt werden, gilt natürlich weiterhin offiziell nur für Nichtmuslime. Um genauer zu sein, für reichere Nichtmuslime. Die Menge des zu erwerbenden Alkohols ist in dieser immer noch fremd anmutenden Welt an die Höhe des Einkommens gekoppelt. Womit, das nur am Rande, der Mann, der Mittfünfziger, schon wieder am Rande der genießenden Kaste stünde. In den Vereinigten Arabischen Emiraten muss ein Einkommen von mindestens 630 Euro nachgewiesen werden, um mal ein Bierchen kaufen zu dürfen. Ein Gehalt von 2100 Euro berechtigt zu Alkohol von 105 Euro pro Monat, eine Summe, die hierorts mancher, natürlich nicht der Mann von oben, an einem Samstag in vier, fünf Stunden schafft. Erstaunlich an dieser arabischen Handhabe des Trinkens ist, dass sie im exakten Widerspruch zur hiesigen steht. Dort trinkt, wer reich und sorgenfrei ist, hier trinkt, siehe Wilhelm Buschs fromme Helene, wer sorgenvoll und kummerbeladen ist. Womit wir wieder beim Sich-schön-Trinken angelangt wären. Der Mann möchte kein Moslem sein.Helmut Schümann

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