Zeitung Heute : Alle Künste vereint

Das Theater der Klänge leistete Pionierarbeit.

Mensch trifft Maschine. „Das mechanische Ballett“. Foto: Theater der Klänge/Oliver Eltinger
Mensch trifft Maschine. „Das mechanische Ballett“. Foto: Theater der Klänge/Oliver EltingerFoto: Theater der Klänge

Kunst für alle – alle Künste vereint. Aus diesem einleuchtenden Bauhaus-trifft-Folkwang-Gedanken heraus gründete Jörg U. Lensing 1987 in Düsseldorf das Theater der Klänge. Ein genreübergreifender Schulterschluss von Sprechtheater, Musik und Tanz. Was heute interdisziplinärer Alltag ist (wenngleich selten in vergleichbar symbiotischer Perfektion!), war damals eine Pioniertat mit nicht zu unterschätzendem Widerhall.

An der Essener Folkwang-Hochschule, wo Lensing studierte, wurden zwar Künstler aller Sparten ausgebildet. Aber seinerzeit klar voneinander getrennt. Zusammen mit Kommilitonen und drei Medienkünstlern stieß der experimentierwillige Absolvent das erste Projekt des Theaters der Klänge an: die Doppelproduktion „Die mechanische Bauhausbühne“, inspiriert von zwei Bühnenwerken, die am Weimarer Bauhaus in den 20er Jahren entstanden waren. Die Arbeit fand im In- und Ausland beachtliche Resonanz. Klar, dass der eingeschlagene Weg weiterverfolgt wurde. Die Erfolgsgeschichte ist heute mit Büchern, Ausstellungen, DVDs und CDs vorbildlich dokumentiert.

Die „Bauhausbühne“, noch immer im Repertoire, blieb nicht der einzige Rekurs auf die Theaterhistorie und ihre Vielgestalt an Formsprachen. Das Theater der Klänge hat sich ebenso mit barocker Maskenästhetik oder mittelalterlichen Mysterienspielen auseinandergesetzt. Allerdings nie im Sinne einer musealen Rekonstruktion, sondern stets im lebendigen Geiste des „integrativen intermedialen Theaters“. Was sinnliches Erleben und technische Innovation gleichermaßen fasst. Nicht nur haben Mastermind Lensing und seine Gesamtkunstwerker in ihren Produktionen Themen wie gesellschaftlichen Ausschluss („teufels kreise“) oder Vergänglichkeit („Vanitas – Schall und Rauch“) erkundet. Immer wieder loten sie auch die Wechselbeziehung zwischen Mensch und Technik aus. Etwa im Tanzkonzert „Suite intermediale“, das Bewegungen per Computer in akustische Signale übersetzte. Es ist immer noch möglich, den Kunstbegriff zu erweitern. paw

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