Zeitung Heute : Alle Mann ans Kap

Warum es den Europäern und besonders den Deutschen am Rand von Afrika so gut gefällt

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Sonnenaufgänge in Pastellfarben, azurblauer Himmel, dazu ein Berg, der wie eine Trutzburg majestätisch über der malerischen Tafelbucht thront – wer nach elf Flugstunden am Kap der guten Hoffnung einschwebt, hat hier nicht nur das Ende Afrikas, sondern einen der schönsten Orte der Welt erreicht. „Kapstadt ist wie ein Chamäleon“ schwärmt der Chef einer deutschen Produktionsfirma, die hier in acht Jahren mehr als 60 Werbespots gedreht hat. Es kann aussehen wie London, Paris oder Neapel, und, wenn man die Straßenschilder aus der Kolonialzeit abhängt, sogar wie eine deutsche Stadt.

Nirgendwo ist Afrika so europäisch wie am Kap der guten Hoffnung. Kein Wunder, dass sich die südafrikanische Küstenmetropole zu einer internationalen Trendstadt gemausert hat. Neben den Briten sind es vor allem die Deutschen, die am Kap Weingüter, Farmen, Apartments oder Villen erwerben. Eine regelrechte Teutonenwelle ist zuletzt über den hiesigen Immobilienmarkt geschwappt – und schon geht in einigen Blättern das böse Wort vom „Mallorca am Kap“ um. An den Pilgerstätten der Touristenbranche wie etwa dem Tafelberg oder der früheren Sträflingsinsel Robben Island meint man, in der Hochsaison bisweilen mehr Deutsch als andere Sprachen zu hören. Ein südafrikanisches Magazin fragte bereits besorgt, ob in Kapstadt bei dem gegenwärtigen Ansturm womöglich bald ein Deutscher zum Bürgermeister gewählt würde.

Heute sollen mehr als 100000 Deutsche permanent in Kapstadt und dem umgebenden Westkap leben – und fast ebenso viele zumindest einen Teil des Jahres an der Südspitze Afrikas verbringen. Obwohl die Zahl der Dauergäste hochgegriffen erscheint, sind die Deutschen in Südafrika zweifellos stark vertreten: „Unsere Schätzungen sind, dass ungefähr 400000 Deutschstämmige in Südafrika leben, von denen rund 120000 einen deutschen Pass haben“, sagt Wolfgang Dold, ständiger Vertreter der Bundesrepublik in Pretoria. „Aber Schätzungen dieser Art sind schwierig, weil es keine Registrierungspflicht gibt.“ Allerdings ist es für Europäer nicht mehr so einfach wie früher, eine Arbeitserlaubnis und damit oft verbunden auch eine Daueraufenthaltsgenehmigung für Südafrika zu erwerben, weil die Regierung glaubt, Neuankömmlinge könnten der einheimischen Bevölkerung Arbeitsplätze rauben.

Als Ausweg bietet sich die Eröffnung eines „Bed&Breakfast“-Etablissements. Bessere Aussichten auf die begehrte Daueraufenthaltserlaubnis hat auch , wer eine Rente oder ein Einkommen von monatlich etwa 3000 Euro nachweisen kann. Der starke Zuzug der vergangenen Jahre spiegelt sich bereits jetzt in Kapstadt deutlich wider: Inzwischen sind hier Dutzende von Läden, Betrieben und Weingütern fest in deutscher Hand. In vielen Buchhandlungen kann man deutsche Zeitungen vom Vortag kaufen und in Feinkostläden deutsche Wurst und deutschen Kuchen. Im Vergnügungsviertel an der Waterfront gibt es inzwischen sogar ein bayerisches Bräuhaus, wo angeblich das weltweit billigste Paulaner-Weißbier gezapft wird.

Besonders populär ist Südafrika in Kreisen der Filmbranche, vor allem seit dem 11. September, denn es gilt trotz der hohen gewöhnlichen Kriminalität als terrorsicher. wdr

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