Zeitung Heute : Alle paar Tage fasten

Kalorienrestriktion als Krankheitsvorbeugung?

Christiane Löll

Auch in den auf stur geschalteten Köpfen sollten die Nachrichten der Gesundheitsexperten angekommen sein: Starkes Übergewicht, zu viele Kalorien und fettreiche Nahrung auf Dauer gehören zu den Risikofaktoren für Probleme am Herzen und Stoffwechselkrankheiten. Doch nicht jeder kann sich dazu überwinden, seine Ernährung umzustellen, und weniger Kalorien zu sich zu nehmen als er braucht. „Man kriegt ja keinen Mensch dazu, sich ständig unterkalorisch zu ernähren“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Simone Onur vom Institut für Humanernährung und Lebensmittelkunde an der Universität Kiel. „Doch vielleicht kann man die Menschen dazu bringen, dies jeden dritten, vierten oder fünften Tag zu machen.“

In der Abteilung Molekulare Prävention erforschen die Wissenschaftler eben genau das, zunächst an Fruchtfliegen und Mäusen, in den nächsten Jahren auch bei Menschen. „Die Fruchtfliegen hungern einige Tage, und bekommen dann wieder ausreichend Kalorien – es erfolgt somit ein ständiger Wechsel von Hunger- und Sättigungsphasen“, sagt Onur. Anhand von Genanalysen und Biomarkern untersuchen die Forscher, wie sich die Kalorienrestriktion auswirkt. Im Einzelnen sei noch nicht aufgeklärt, was im Körper passiert, wenn er weniger Kalorien zu sich nimmt. Hinweise gibt es aber wohl darauf, dass weniger Entzündungsreaktionen ablaufen, die Zellen und Organe schädigen.

Ideengeber für die Studien ist auch eine 20 Jahre dauernde Studie mit Rhesusaffen, die 2009 im US-Journal „Science“ veröffentlicht wurde. Ein Teil der Tiere nahm jahrelang 30 Prozent weniger Kalorien zu sich als Tiere in einer Vergleichsgruppe, die essen durften, soviel sie wollten. Viele der Affen auf Diät lebten länger als ihre Artgenossen, die sich den Magen voll geschlagen hatten. Die Tiere mit rationierter Kost hatten weniger Diabetes und zeigten bessere Gehirnleistungen.

„Wir arbeiten daran, ein Ernährungsmuster mit regelmäßiger Kalorienrestriktion zu erstellen, das sich günstig auf den Stoffwechsel auswirkt“, sagt Onur. Die Forschung in dem Projekt Vision Epifood geht noch weiter: Ziel ist es, Lebensmittel zu entwerfen, die Diäten nachahmen und deren positive Effekte hervorrufen. Dafür suchen die Wissenschaftler nach geeigneten Substanzen. „Die Fruchtfliegen und Mäuse erhalten in ihrer Nahrung Stoffe, die dem Körper vorgaukeln, dass er weniger bekommen hat als er eigentlich zu sich genommen hat.“ Das heißt, die Tiere haben eigentlich genug Kalorien und Nährstoffe erhalten, um nicht abzunehmen. Doch trotzdem sollen Stoffwechselprozesse in Gang kommen, die den Körper vor beispielsweise Entzündungsreaktionen bewahren. Christiane Löll

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