Zeitung Heute : Alle ziehen an einem Strang

Daniel Hurst kommt mit seinen Huskys auf den Königlichen Weihnachtsmarkt für Kinder

Rita NikolowD

Wenn diese Gruppe nach Berlin aufbricht, wird es eng im Lift am S-Bahnhof Bernau: Sechs bis acht Hunde und das „Herrchen“ Daniel Hurst fahren dann hinauf zur Plattform und nehmen die Bahn in Richtung Potsdamer Platz.

Aber eigentlich sind der Wahl-Brandenburger Daniel Hurst und seine Huskys viel lieber im Gespann unterwegs: Der „Musher“, wie der Hundeschlittenführer in der Fachsprache genannt wird, spannt die Hunde paarweise hintereinander ein - und fährt los.

Mit seinem Husky-Schlitten schaut der gebürtige Schweizer Daniel Hurst auch auf dem Weihnachtsmarkt Charlottenburg vorbei. Kinder können dort kostenlos im Schlitten mitfahren. Und sie dürfen die Hunde auch streicheln. „Kinder, die sich am Anfang vor den Tieren fürchten, verlieren ihre Angst ganz schnell“, sagt der Musher. Denn die Hunde seien „superlieb“.

Das müssen sie auch sein, denn schließlich setzt Daniel Hurst die Huskies auch als Therapeuten ein, zum Beispiel in Behindertenheimen oder in der Begegnung mit autistischen Kindern. Für diese Arbeit mussten die Huskies einen Therapiehundetest bestehen. Und bewiesen, dass sie ruhig bleiben können, auch wenn das eine oder andere Kind sie mal am Schwanz zieht. Auch in dieser Stresssituation beißen die Hunde nicht. Sondern gehen eben weg, wenn ihnen der Trubel zu viel wird.

Das ganze Jahr über bietet Daniel Hurst außerdem Fahrten im Hundeschlitten an: Auf dem Land und auch Berlin. Im Winter ist das Gespann im Schlitten unterwegs, im Sommer mit dem Rollwagen. Und wenn es den Tieren in den Sommermonaten zu heiß ist, plant Daniel Hurst auf den Touren auch ein Erfrischungsbad mit ein. Zum Beispiel im Neuen See. Mit Schlittenhunden arbeitet Daniel Hurst mittlerweile seit zwölf Jahren. Und nachdem er seinen Job als Krankenpfleger verlor, machte er sich als Musher selbstständig.

„Jahrelange Erfahrung im Umgang mit Hunden ist sehr wichtig für den Job,“ sagt der Hundeschlittenführer. Er selbst sei im „Hundekorb groß geworden“. Und vor allem mit Schäferhunden aufgewachsen. Bevor seine aktuellen Tiere im Gespann laufen, werden sie zwei Jahre lang ausgebildet. Seine Hunde entstammen zwei verschiedenen Schlittenhunderassen: Siberian Huskys, die als die schnellsten und wendigsten Schlittenhunde gelten. Und Alaskan Malamutes, die auch die „Lokomotive des Nordens“ genannt werden. Weil diese Hunde groß und kräftig sind, und auch schwere Lasten über große Distanzen ziehen können. Der Musher muss während der Fahrt darauf achten, dass die Hunde motiviert sind und als Team arbeiten.

Dann erreichen die Tiere sogar Spitzengeschwindigkeiten von 40 Stundenkilometern. Zur Sicherheit hat der Musher drei Bremsen angebaut. Damit das Gespann im Notfall nach ein bis zwei Metern zum Stehen kommt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Tiere liegt bei rund 15 Stundenkilometern. Seine bislang längste Reise mit den Hunden hat Daniel Hurst 2001 gemacht, von Berlin bis zum Ural. Und zurück, eine Strecke von 8000 Kilometern.

So unproblematisch seine Hunde sind, mit einem kommen sie gar nicht zurecht: „Katzen gehen gar nicht“, sagt Daniel Hurst.

Wer sich von den Huskys nicht nur durch die Gegend ziehen lassen will, sondern die Tiere einmal im vollen Lauf sehen möchte, kann das tun - auch in der Nähe von Berlin. In Großbeeren findet jedes Jahr Anfang November ein Schlittenhunderennen statt. Und Anfang März rasen die Tiere in der Mark Brandenburg durch die Landschaft, und zwar an der Sportschule Lindow/Mark.

Der Schlittenhundesport gehört eher zu den teuren Hobbys: Ein Welpe kostet bis zu 750 Euro, der Schlitten bis zu 1 500 Euro. Und ein Trainingswagen mindestens 1250 Euro. Hinzu kommen dann noch die Kosten fürs Hundefutter, Versicherungen, Geschirr und den Transport der Tiere zum „Musherplatz“. Viele Hundebesitzer schaffen sich dafür sogar einen Wohnwagen an. Rita Nikolow

Kontakt zu Daniel Hurst unter

0171/9 42 06 59.

Informationen

zum Schlittenhundesport gibt es unter http://www.schlittenhunderennen.de.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben