Zeitung Heute : Alles Abo, oder was? Aus den beiden Pay-TV-Angeboten wird nun Premiere World

Thomas Eckert

"Ab dem 1. Oktober hat Pay-TV in Deutschland einen neuen Namen: Premiere World." So zurückhaltend lautete die Einladung zur Pressekonferenz, auf der der Sender gestern sein neues Programm vorstellte. Nur einen neuen Namen, oder doch ein bisschen mehr? Nein, soviel Bescheidenheit wollten die Herren auf dem Podium im Weißen Saal des Hamburger Curio-Hauses an der Rothenbaumchaussee dann doch nicht auf sich sitzen lassen. Premiere World, entstanden durch den Zusammenschluss von DF 1 und Premiere, das im März zu 95 Prozent von der Kirch-Gruppe übernommen wurde, will nichts weniger, als das digitale Pay-TV in Deutschland revolutionieren. Unternehmenssprecher Arnold C. Kulbatzki begrüßte "wirklich sehr erfreut" die Vertreter der Presse, um dann zu vermelden, dass auch die Presse in Österreich "live dazugeschaltet" sei. Ein Großereignis also, ohne Frage.

"Premiere World ist mehr als die Addition zweier Sender und ihrer Programme", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Markus Tellenbach, "es ist das erste Unternehmen, das es mit dem digitalen Abonnementfernsehen ernst meint". 1,7 Milliarden DM lassen sich die Gesellschafter den Neustart ins digitale Wunderland kosten, der Break even, also die Gewinnzone, soll bis zum Jahr 2002 erreicht werden. Zwei Millionen Abonnenten haben die beiden Sender heute, bis Ende 2000 sollen es bei Premiere World 2,9 Millionen sein, Ende 2001 will man 3,5 Millionen zahlende Zuschauer haben.

Das Potential sei vorhanden, sagte Tellenbach und verwies auf eine Studie, derzufolge sich in Deutschland 14 Millionen Menschen für Pay-TV interessierten und acht Millionen unter Umständen ein Abo bei Premiere World unterschreiben würden. Um sein neues Gesicht unters Fernsehvolk zu bringen startet Premiere World Mitte September eine 100-Millionen-Werbekampagne, die vor allem eines wecken soll: Neugier. "Entertainment pur" lautet die Losung, mit dem der "Mehrwert des digitalen Fernsehens" (Tellenbach) endlich millionenfach unter die Zuschauer gebracht werden soll. "Fernsehen als emotionales Produkt, genreverlässlich den ganzen Tag über", so umschrieb Geschäftsführer Ferdinand Kayser das neue Profil. "Wir richten uns an den Bauch des deutschen Fernsehkonsumenten." Ein Bauch, der unablässig gefüttert werden will: 5100 Stunden wird die Sparte Movie World pro Monat senden, 4900 die Sparte Family World, 4000 Stunden pro Jahr wird Sports World live von zwölf Sportarten berichten. Neuer Sender, neues Programm, neue Strategie: der Zuschauer ist Kunde und König (siehe Grafik unten).

"Wir wollen jedem Abonnenten seinen Wunsch erfüllen", sagte Kayser, der Zuschauer solle in Erlebniswelten eintauchen - und am besten nie wieder auftauchen. Denn der Abonnent ist ein launisches Wesen. Fünf bis sieben Jahre bleibe ein Abonnent dem Sender im Schnitt erhalten, sagte Tellenbach: "Die Haltbarkeit des Abonnenten ist begrenzt." Auch deshalb wird Premiere World klotzen und nicht kleckern: jeden Monat wird es 30 TV-Erstausstrahlungen geben. Und damit nun wirklich jeder auf seine Kosten kommt, startet Mitte Oktober ein eigener Disney-Kanal; Action für alle, die es brauchen, gibt es rund um die Uhr, Erotik läuft ab 22 Uhr. Und das Ganze werbefrei. Keine Regel ohne Ausnahme: weil sich im Sport die Symbiose aus Sponsoring und Live-Übertragung bewährt habe, werde es diese Form der Werbung auch weiter geben, sagte Tellenbach. 1000 "Live-Events" wird Sports World jährlich senden, Boxweltmeisterschaften, Spiele der amerikanischen Ligen NBA (Basketball), NHL (Eishockey), NFL (Football), Formel 1, internationalen Fußball, Tennis, Wrestling.

Hauptattraktion ist und bleibt die Fußball-Bundesliga, sagte Sportchef Carsten Schmidt. Sports World wird an jedem Spieltag drei Begegnungen übertragen und hat als Star-Kommentatoren Marcel Reif und Franz Beckenbauer verpflichtet. "Wir müssen die Besten haben", sagte Schmidt, "und wir haben uns mit Talenten verstärkt, die wir aufbauen wollen." Für diese Spielzeit besitzt Premiere die Senderechte, was im nächsten Jahr passiere, sei noch offen, sagte Schmidt. Seiner Ansicht haben die "Preise für Fußball die Schmerzgrenze erreicht: "Wir können nicht alles aufkaufen".

Seine letzte Verbindung mit der Free-TV-World wird Premiere World in nächster Zukunft kappen. Ohne Decoder zu empfangende Sendungen gibt es ab Oktober nicht mehr. "Hier geht es doch schließlich um Pay TV", sagte Kayser auf die Frage eines Journalisten. Wer wollte da widersprechen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben