Zeitung Heute : Alles bleibt anders

Die Messen Premium und Bread and Butter zeigen dieses Wochenende dem Fachpublikum die Sommersaison 2007 / B-In-Berlin und 5th Floor geben auf

Susanna Nieder

Die Berliner Modeszene bleibt in Bewegung. Von heute bis Sonntag finden die Messen statt, und wie immer gibt es auch dieses Mal Abgänge, Neuzugänge und Veränderungen. Den Streit um das kommerzielle Segment hat der Messestandort Düsseldorf offenbar gewonnen: Die Herrenmesse B-In-Berlin, die drei Saisons lang versuchte, den Mittelstand in die Hauptstadt zu holen, gab sich bereits nach dem letzten Modewochenende im Januar geschlagen – zu drastisch waren die Besucherzahlen zurückgegangen. Derweil präsentiert die Düsseldorfer Igedo Ende Juli zum ersten Mal ihre neue Herrenmesse HMD.

Die Messe für Damenoberbekleidung 5th Floor, wie die B-In-Berlin eine Tochtergesellschaft der Messe Berlin, wurde nur ein Mal im vergangenen Januar veranstaltet und sofort wieder eingestellt. Offenbar war die Abgrenzung zu den anderen großen Berliner Messen, Bread and Butter und Premium, nicht deutlich genug. Damit muss der Versuch der Messe Berlin, das Thema Mode abzudecken, wohl als gescheitert betrachtet werden.

„Was macht die Bread and Butter?“ – diese Frage ist nicht verstummt, seit die ursprünglich in Berlin ansässige Messe den zusätzlichen Standort Barcelona eröffnete. Laut Angaben der Veranstalter war die Messe in Barcelona (5. bis 7. Juli) auch dieses Mal wieder ein rauschender Erfolg mit fast 54 000 Fachbesuchern, davon über die Hälfte aus Spanien, Portugal und Italien. Das sieht man in Berlin nicht gerne, denn die italienischen Einkäufer sind wichtig für die Branche. Wenn die Italiener aber nach Barcelona reisen, kommen sie nicht an die Spree. Für Januar 2007 planen die Macher der Bread and Butter eine ganze europäische Modewoche in Barcelona, was zusätzliches Potenzial von Berlin abziehen dürfte.

So wird die Bread and Butter Berlin immer mehr zur Veranstaltung für den heimischen Markt. Dieses Wochenende empfangen fast dieselben Aussteller wie in Barcelona vor allem den nationalen Fachhandel im Siemens-Kabelwerk in Spandau. Der Traum, Berlin zu einem international bedeutungsvollen Modestandort zu machen, rückt so mit jeder Saison ein Stückchen weiter weg.

Allerdings – es gibt ja noch die Premium Exhibitions. Sie finden dieses Wochenende erstmals nicht mehr im angestammten U-Bahntunnel unter dem Potsdamer Platz, sondern komplett in den Premium-Räumlichkeiten am Gleisdreieck statt. Vertreten sind von Falke Sport bis Icke Berlin wie immer große und kleine internationale Labels aus dem hochpreisigen Segment, die modisch Neues zu bieten haben. Für August haben die Premium-Veranstalter unter dem Titel „Red“ eine Luxus- und Lifestylemesse in Moskau angekündigt; ein negativer Effekt für den Standort Berlin ist da kaum zu befürchten.

Wenn die vergeblichen Bemühungen der Messe Berlin zeigen, dass die Hauptstadt für den Mittelstand der Modebranche nicht mit Düsseldorf konkurrieren kann, sieht man an kleinen Veranstaltungen wie „Ideal“, dass die Stadt nach wie vor als Plattform für neue Ideen funktioniert. Zum zweiten Mal läuft unter diesem Namen ein Showroom im Café Moskau mit kleinen, feinen internationalen Labels. Einen „Schnappschuss der Mode zum jetzigen Zeitpunkt“ nennt Organisatorin Sumi Ha aus Korea das und zeigt dazu eine Schau ausgewählter Labels in der Tschechischen Botschaft, einem der coolsten Orte in ganz Berlin. Die frischesten Ideen – die aus den Modeschulen – wurden bereits präsentiert. Kunsthochschule Weißensee, Universität der Künste und Modeschule Esmod haben sich erstmals abgesprochen und gestern die Schauen ihrer Modeklassen gestaffelt gezeigt.

Bei bester Gesundheit ist offenbar die „Spirit of Fashion“, wo Mode, Dessous und Accessoires für das Lack-Leder- und Gruftie-Segment gezeigt werden. Erstmals findet sie in der Arena Treptow statt – kein kleiner Veranstaltungsort. Direkt vis-à-vis am anderen Spreeufer wagen derweil doch Vertreter des Mode-Mittelstandes den Sprung in die Hauptstadt: In einem aufwändig restaurierten historischen Gebäude richten unter dem Namen „Labels Berlin“ acht gestandene Firmen dauerhafte Showrooms für den nord- und osteuropäischen Markt ein – darunter Escada, Esprit und Hugo Boss.

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