Zeitung Heute : Alles im Fluss

Daniel Rhee-Piening

Berliner zahlen 195 Euro im Jahr für Wasser und Abwasser. Wie kam es dazu, dass Wasser hier so teuer ist?

Berliner Wasser ist teuer. 2,11 Euro kostet ein Kubikmeter. Ein Kubikmeter, das sind 1000 Liter. In München kostet der Kubikmeter Frischwasser 1,31 Euro im Bundesdurchschnitt sind es 1,77 Euro. Rechnet man das gleichzeitig fällige Abwasserentgelt hinzu, sind es in Berlin sogar 4,44 Euro. Derzeit zahlt jeder Berliner im Schnitt rund 195 Euro jährlich für Wasser und Abwasser, haben die Berliner Wasserbetriebe ausgerechnet. Seit 1990 ist der Preis für die Wasserversorgung und -entsorgung um mehr als das Doppelte gestiegen. Allein zum Jahresanfang wurden die Preise um 15 Prozent angehoben.

Etwa 20 Prozent des Wasserpreises sind politisch. So taucht in der Wasserabrechnung noch ein so genanntes Grundwasserentnahmeentgelt in Höhe von 0,31 Cent pro Kubikmeter auf. Gleich hinter der Stadtgrenze, in Stolpe zum Beispiel beträgt dieses Entgelt nur noch 0,10 Cent. Hessen und Bayern kennen eine solche Abgabe gar nicht, in Hamburg beträgt sie 5,6 Cent. Dieses Geld – pro Jahr fast 70 Millionen Euro – fließt nicht etwa in die Kassen der Wasserbetriebe, sondern an das Land Berlin, dem es eine willkommene Zusatzeinnahme ist.

Die Wasserbetriebe ihrerseits nennen Zahlen, um den hohen Preis zu rechtfertigen. Zum einen sei da der gigantische Investitionsbedarf im Ostteil der Stadt gewesen. Im Schnitt investierten die Wasserbetriebe in den neunziger Jahren 500 Millionen Euro pro Jahr in das marode Netz. Derzeit sind es in der ganzen Stadt immerhin noch 250 Millionen Euro jährlich. Zudem erließ die Europäische Union strenge Umweltauflagen für das Abwasser.

Schließlich hat der Senat bei der Teilprivatisierung der Wasserbetriebe 1999 den privaten Investoren weitgehende Zusagen gemacht, um einen möglichst hohen Verkaufspreis zu erzielen. So wurde ihnen auf ihr Kapital eine Verzinsung von bis zu 6,5 Prozent garantiert.

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