Zeitung Heute : Alles im Lot

Beim Ranking „Top Arbeitgeber Deutschland 2007“ punktet die Siemens AG mit ihrer Personalpolitik

Andreas Monning

Auch wenn Siemens laut einer Umfrage des Personaldienstleisters Access zu den beliebtesten Arbeitgebern Deutschlands gehört – den Konzern beschäftigt derzeit in erster Linie der Umgang mit dem in der Bundesrepublik herrschenden Fachkräftemangel: Über 2500 Stellen sind bei Siemens unbesetzt, rund 1800 davon aus technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen. Eine „komplizierte Situation“ nennt Marc Langendorf, Siemens-Sprecher Finanzen und Personal, den Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Um die Situation möglichst bald zu entspannen, gibt der Elektronikgigant sich alle erdenkliche Mühe dem „sinkenden Pool des Angebots“ trotz aller Schwierigkeiten Talente zu entlocken – schließlich geht es um die Erhaltung des Produktivitätspotentials.

2005 beispielsweise ließ Siemens aus diesem Grund weltweit ermitteln, wie man die Arbeitssituation der rund 480 000 Mitarbeiter in 190 Ländern optimieren könne. Eines der heute zu begutachtenden Ergebnisse ist eine breit angelegte Work-Life-Balance-Initiative, die aus zahlreichen Einzelmaßnahmen besteht und länderspezifisch arbeitet. „Das läuft bei uns alles unter dem Oberbegriff ,Diversity‘“, erklärt Langendorf. In China könne man eben nicht Kriterien anlegen, die in Afrika gälten, konzernweit sei die Maxime „Individuelle Lösungen für qualifizierte Mitarbeiter“ entstanden.

Zu solchen Lösungen gehören unter anderem flexible Arbeitszeitmodelle wie gleitende Arbeitszeit, Vertrauensarbeitszeit, Jahresarbeitszeit und Teilzeitmodelle mit unterschiedlichem Zeitvolumen und fester oder variabler Aufteilung. Ergänzt wird das Angebot durch Job-Sharing, variable Schichtmodelle, sogenannte Sabbatjahre und gleitenden Übergang in den Ruhestand. 10 000 Teilzeitstellen hat der Konzern alleine in Deutschland eingerichtet. Dazu kommen 4000 Telearbeitsplätze – vor allem Frauen mit Kindern profitieren von diesem Angebot. „Wir versuchen Frauen für technische Berufe zu begeistern“, erklärt Siemens-Sprecher Langendorf. Motivation sei natürlich auch in diesem Fall der Fachkräftemangel. Es gehe aber auch darum, verstärkt soziale Kompetenzen ins Unternehmen zu holen. Weibliche Führungskräfte hätten beispielsweise eine andere Herangehensweise an Projekte. Um schon junge Mädchen früh für technische Berufe zu interessieren, beteiligt sich Siemens in diesem Jahr bereits zum siebten Mal am „Girl’s Day“. Im Rahmen des bundesweiten Aktionstages können Mädchen in Berufe hineinschnuppern, in denen Frauen bisher noch unterrepräsentiert sind.

Telearbeitsplätze, Wiedereinstiegsmöglichkeiten, Unterstützung bei der Kinderbetreuung: Die vielfältigen Bemühungen zeigen bei Siemens Wirkung: Der Anteil der Frauen in Führungspositionen hat sich in den letzten zehn Jahren glatt verdoppelt. Marc Langendorf räumt indes ein, dass „man vermutlich noch mehr tun kann, damit Mitarbeiter Beruf und Familie besser vereinen können.“ Daher sei das Ende der Fahnenstange auch noch lange nicht erreicht.

Der Umfrage „Top Arbeitgeber Deutschland 2007“ des Wirtschaftsforschungsunternehmens CRF, des Magazins „karriere“ und des Geva-Instituts zufolge kann Siemens in Sachen Work- Life-Balance allerdings schon heute keiner mehr etwas vormachen: In dieser Kategorie belegte der Konzern unangefochten Platz eins. Kriterien waren unter anderem Angebote zu flexiblen Arbeitszeitmodellen, Kinderbetreuung, Gesundheitsmanagement und die Akzeptanz solcher Programme auf Seiten des Managements.

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