Zeitung Heute : Alles ist möglich

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Die Meinungsforscher behielten Recht. Mitte Juli 1998 hatten Forsa, Allensbach, Emnid, Infratest-dimap und die Forschungsgruppe Wahlen eine klare Mehrheit für Rot-Grün ermittelt – und das rund zwei Monate vor der Bundestagswahl am 27. September. Aber dennoch: Bei den einzelnen Stimmanteilen der Parteien lagen die Institute teilweise gleich um mehrere Prozentpunkte daneben. SPD und CDU/CSU wurden im Sommer 1998 durch die Bank zu stark eingeschätzt; Grüne, FDP und PDS eher zu schwach, wobei die Abweichungen hier in absoluten Zahlen nicht ganz so groß waren wie bei CDU/CSU und SPD.

Emnid und die Forschungsgruppe Wahlen kamen dem Ergebnis in ihrer Voraussage noch am nächsten. Sie zählten jeweils 37 Prozent für die Union und 42 Prozent für die SPD. Damit verfehlten sie das Ergebnis um plus 1,9 Prozent für die Christdemokraten und um 1,1 Prozent für die Genossen. Die aktuelle Umfrage der beiden Institute für die Wahl am 22. September weist dagegen schon Unterschiede auf: Emnid glaubt, 41 Prozent würden die Union und 35 Prozent die SPD wählen. Die Forschungsgruppe Wahlen kommt auf 40 und 37 Prozent. Damit erzielt bei Emnid rein rechnerisch Schwarz-Gelb eine Mehrheit, denn die FDP liegt bei Emnid bei neun Prozent. Die Forschungsgruppe Wahlen stellt in ihrer jüngsten Umfrage einen Patt fest. Union und FDP sowie Rot-Grün und PDS kommen jeweils auf 48 Prozent.

Die stärksten Schwankungen bei den aktuellen Umfragen zwischen den Instituten betreffen SPD und FDP. Während Allensbach für die Liberalen den höchsten Wert (13,1) der fünf Institute ermittelt, kommt es für die SPD auf den niedrigsten (33,4). Bei Forsa und der Forschungsgruppe Wahlen schaffen es die Sozialdemokraten hingegen auf 37 Prozent, während die FDP rund fünf Prozent weniger bekommt und acht Prozent erreicht. So sind im Moment mit den jeweils günstigsten und schlechtesten Umfrageergebnissen der fünf Institute fast alle politischen Konstellationen möglich.

Interessant ist ein Blick auf die Umfragewerte wenige Tage vor der letzten Wahl. Die kulminierten Abweichungen für die fünf im Bundestag vertretenen Parteien lagen zwischen 2,4 und 6,9 Prozent in Bezug auf das tatsächliche Ergebnis. Das lässt viel Spielraum – für die Parteien. Und für die Wähler. Lutz Haverkamp

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