Zeitung Heute : Alles muss raus

Wer einen neuen Teppich will, muss den alten erst einmal loswerden. Das richtige Werkzeug hilft

S. Hoenig[C. Wolter (dpa)]
Klebeband als Fixierung lässt sich gut wieder entfernen. Eine Alternative ist Klettband; dafür muss der Teppich ein spezielles Vlies auf der Rückseite haben. Foto: picture-alliance/gms
Klebeband als Fixierung lässt sich gut wieder entfernen. Eine Alternative ist Klettband; dafür muss der Teppich ein spezielles...Foto: picture-alliance/ gms

Einen alten Teppichboden herauszureißen und durch einen neuen zu ersetzen, ist eine Herausforderung. Dies gilt besonders, wenn der Teppich mit dem Boden fest verklebt ist. Passendes Werkzeug ist ein Muss – und manchmal hilft auch ein Stripper.

Irgendwann reicht Reinigen nicht mehr. Spätestens wenn sich Laufspuren und Flecken nicht mehr entfernen lassen, der Flor abgetreten ist oder sich Fäden an den Kanten lösen, hilft nur noch die Anschaffung eines neuen Teppichs. Das Verlegen können geschickte Heimwerker selbst schaffen. „Einen Teppichboden kann fast jeder verlegen“, macht Michael Pommer von der DIY-Academy in Köln Mut. Mühsam werde es allerdings, wenn zuvor ein alter, verklebter Belag entfernt werden müsse. In solchen Fällen sollte dieser mit einem Teppichmesser in Streifen geschnitten werden. Dann lässt er sich leichter abreißen.

Einfacher als das Entfernen per Hand ist die Arbeit mit einem sogenannten Stripper, erklärt Pommer. Das ist ein Gerät auf Rädern, mit dem Profis fest verklebte Bodenbeläge entfernen. Es kann in Baumärkten ausgeliehen werden. Mit einem Stripper lassen sich auch Schaumrückenreste vom alten Teppich vom Boden entfernen. Die mühsamere Variante heißt: Spachteln und Abschrubben.

„Vor dem Herausreißen sollten Mieter die Eigentumsfrage am Teppich klären“, rät Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin. Habe man die Wohnung inklusive verlegtem Teppichboden angemietet, gelte dieser als mitvermietet. Der Mieter sei dann nicht verpflichtet, den Boden zu erneuern, wenn dieser durch das Wohnen abgenutzt sei. Das sei Sache des Vermieters.

„Wenn andere Bodenbeläge in der Wohnung sind, dürfen Mieter darüber Teppichboden legen“, sagt Ropertz. Sie seien allerdings verpflichtet, diesen beim Auszug zu beseitigen (sogenannte Rückbaupflicht). Darunter liegende Beläge dürfen durch den Teppich nicht beschädigt werden. Auf der sicheren Seite sind Mieter, wenn sie sich das Verlegen schriftlich genehmigen lassen und den Teppich beim Auszug liegen lassen dürfen.

Teppichböden lassen sich auf verschiedene Weise mit dem Untergrund verbinden. „Besonders für Mieter geeignet ist das lose Verlegen mit Klebeband oder Klettband“, sagt Michael Pommer. Klettbänder eignen sich allerdings nur bei Belägen mit einem speziellen Vliesrücken. Das Band wird direkt auf den Boden aufgebracht und der Teppich darauf ausgelegt. Die Haken des Klettbandes krallen sich in das Vlies und fixieren den Belag. Dieser lässt sich problemlos wieder entfernen, das Klettband kann erneut benutzt werden. „Loses Verlegen ist auch unter Umwelt- und Gesundheitsaspekten zu empfehlen“, erklärt Hans Ulrich-Raithel vom Umweltinstitut in München. So vermeidet der Mieter Belastungen der Raumluft durch Ausdünstungen.

„Besonders wenn der Teppich stärker belastet wird, sollte aber eine wasserlösliche Fixierung eingesetzt werden“, rät Pommer. Mit einem solchen Kleber wird der Teppich mit dem Boden verbunden und es können sich auch bei Belastung keine Wellen bilden. Eine Fixierung lasse sich leicht wieder entfernen. Als umweltfreundliche Alternative schlägt Hans Ulrich-Raithel vor, an den stark beanspruchten Stellen zusätzlich Klebeband kreuzförmig auf den Boden zu kleben. Kann auf einen Kleber gar nicht verzichtet werden, sollte dieser lösungsmittelfrei sein. Das ist am „ Emicode EC1“ auf der Verpackung zu erkennen.

„Unabhängig von der Verlegeart sollte Teppichboden grob vorgeschnitten sein und mit einem Überstand von etwa fünf Zentimetern schon einen Tag vorher im Raum ausgelegt werden“, rät Pommer. Diese Ruhezeit braucht der Teppich, um sich dem Raumklima anzupassen und auf seine endgültige Größe zu schrumpfen oder zu wachsen.

Ein Teppich kann übrigens auch direkt auf dem Estrich verlegt werden. Vorher sollte der Boden allerdings auf Ebenheit überprüft werden, rät die Stiftung Warentest in Berlin. Unebenheiten kann man mit selbstverlaufender Ausgleichsmasse beheben. Alter Estrich sollte gründlich von Kleberresten gereinigt werden. Bei neu gegossenem muss vor dem Verlegen geprüft werden, ob er trocken ist.

Damit der neue Teppich lange schön bleibt, sollte man eventuelle Verschmutzungen sofort entfernen. Verschüttete Flüssigkeiten nimmt man am besten mit saugfähigen Tüchern auf. Feste Substanzen lassen sich mit einem Löffel entfernen, rät Martin Grebe vom Deutschen Textilreinigungsverband in Bonn. Die Stelle wird anschließend mit kaltem Wasser beträufelt und die Flüssigkeit abgetupft, nicht herausgerieben.

Bei Schokoladen- oder Weinflecken kann Teppichschaum helfen. „Damit keine helle Stelle zurückbleibt, kann es besser sein, einen Fleck etwas großflächiger zu behandeln“, sagt Bernd Glassl vom Industrieverband Körperpflege und Waschmittel in Frankfurt. Der Schaum wird mit einer Bürste einmassiert und nach einer Einwirkzeit abgesaugt.

Allerdings gebe es keinen universalen Reiniger, der gegen alle Flecken hilft, so Grebe. Eiweißhaltige Flecken, etwa Blut oder Speisereste, müssen anders behandelt werden als Gras, Tee oder Rost. „Schwerwiegende Fälle überlässt man besser einem Profi“, rät Grebe. Auch Hausmittel wie Salz bei Rotwein- oder Essig bei Urinflecken verträgt nicht jedes Material.S. Hoenig, C. Wolter (dpa)

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