Zeitung Heute : Alles nach Plan

Die Inspekteure sind im Irak – und setzen auf Kooperation

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Saddam Hussein liegt gut in der Zeit – noch. Denn der irakische Diktator hat bislang die Vorgaben und Fristen der jüngsten UNResolution gegen sein Land erfüllt. Wenn am morgigen Mittwoch die angereisten Inspekteure erstmals seit 1998 wieder nach atomaren, biologischen und chemischen Waffen suchen, beginnen sie das knapp einen Monat früher, als es die Resolution vorsieht. Spätestens bis zum 23. Dezember sollen sie nämlich ihre Arbeit aufgenommen haben. Aber eine andere Frist läuft vorher ab. Bis zum 8. Dezember müssen die irakischen Behörden eine vollständige Liste aller Waffenprogramme, Lager, Wissenschaftler, Herstellungs- und Forschungseinrichtungen übergeben. Diese Liste wird eine der Grundlagen sein, auf denen die UN-Kontrolleure vor Ort arbeiten werden.

Die Waffeninspekteure richten sich in Bagdad wieder im Canal Hotel ein, das sie 1998 verlassen hatten. Etwa 20 Tonnen an Ausrüstungs- und Versorgungsgütern sind in die irakische Hauptstadt gebracht worden, wo ein Vorauskommando der Vereinten Nationen sich seit der vergangenen Woche auf die Ankunft des Teams vorbereitet.

„Kein Vorspiel für einen Krieg“

Am 8. Dezember werde eine zweite Gruppe von 30 bis 35 Experten folgen, sagte eine Sprecherin der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), deren Mitarbeiter sich an der Suche nach Massenvernichtungswaffen beteiligen. Bis zum 22. Februar sollen die Untersuchungen abgeschlossen sein und der Bericht den Vereinten Nationen in New York vorliegen.

Eine Abweichung vom engen Zeitkorsett, Behinderung der Inspekteure oder unvollständige Listen könnten für den Irak dramatische Folgen haben. Denn diese „materielle Verletzung“, so heißt es in den Paragrafen 4 und 13 der UN-Resolution 1441, würden „ernsthafte Konsequenzen“ nach sich ziehen. Und das – so wird immer deutlicher – bedeutet nichts anderes als einen von den USA angeführter Militärschlag gegen das Regime am Persischen Golf.

Aber vorerst sieht einiges nach Kooperation aus: Um Behinderungen bei den Inspektionen vorzubeugen, wollen die UN-Inspekteure ein „rotes Telefon“ zwischen ihrer Zentrale in Bagdad und der zuständigen irakischen Behörde einrichten. Denn die Erfahrungen vom letzten Einsatz sind alles andere als gut: „Dieses Mal erwarten wir eine andere Form der Zusammenarbeit, weil ein Mangel an Kooperation ernsthafte Konsequenzen haben wird“, sagte die Sprecherin der IAEA während eines Zwischenstopps im zyprischen Larnaka. Und der IAEA-Direktor versucht irakische Vorbehalte schon im Vorfeld zu zerstreuen. Die Rüstungskontrollen seien ein „Ersatz und kein Vorspiel für einen Krieg“, sagte Mohammed el Baradei. Tsp

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