Zeitung Heute : Alles, nur nicht sparen

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Die Pollen fliegen – die Allergiker niesen. Was muss geschehen, damit das Leiden erträglicher wird?

Niesen, Naselaufen, rote Augen, Brummschädel und Müdigkeit – es ist Pollenflug und damit Heuschnupfenzeit. Zehn Millionen Deutsche sollen unter Heuschnupfen (Fachausdruck: allergische Rhinitis) leiden, und viele von ihnen kaufen sich in der Apotheke rezeptfreie Medikamente gegen ihr Leiden – meist Antihistaminika. Mit anderen Worten: sie kurieren sich selbst. Erst recht nach der Gesundheitsreform. Denn rezeptfreie Medikamente werden nicht mehr erstattet.

Kann man sich den Gang zum Arzt also sparen? Wohl kaum, es sei denn, man hat allenfalls leichte und vorübergehende Beschwerden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der Heuschnupfen immer schlimmer wird und schließlich sogar eine Etage tiefer zieht. Bronchialasthma ist dann die Folge, immerhin 30 Prozent der Heuschnupfengeplagten droht diese Verschlechterung.

Fachleute wie Randolf Brehler, Allergologe an der Uniklinik Münster, warnen deshalb davor, Heuschnupfen auf die leichte Schulter zu nehmen. „Ich befürchte, dass die Patienten erst zum Arzt gehen, wenn ihre Beschwerden schon sehr ausgeprägt sind.“ Brehler schlägt vor, dass Heuschnupfenmedikamente wieder erstattungsfähig werden. Der Arzt setzt auf die „Hyposensibilisierung“. Bei dieser Heuschnupfenbehandlung bekommt der Patient genau die Substanz in ansteigender Dosierung unter die Haut gespritzt, gegen die er so heftig reagiert. Der Körper gewöhnt sich an das Allergen und reagiert nicht mehr so empfindlich. Oft gelingt es auf diese Weise, die Beschwerden deutlich zu lindern und den Medikamentenkonsum zu senken.

„Wenn man rechtzeitig eine Hyposensibilisierung macht, lässt sich Asthma nicht selten verhindern“, ist sich Brehler sicher. „Aber wenn Patienten nicht mehr zum Arzt gehen, werden die Kosten in die Zukunft verschleppt – Asthma wird teuer.“

Wer in zwei Pollenflugsaisons erhebliche Beschwerden hatte, sollte laut Brehler eine Hyposensibilisierung erwägen. Sie ist wirksam bei Allergien gegen Gräser- oder Baumpollen, Hausstaub-Milben, Tierhaare und Insektengifte. Der Nachteil: die Behandlung dauert drei Jahre und wirkt nicht sofort. Und ein Fachmann muss sie vornehmen, da allergische Überreaktionen auftreten können.

Brehler setzt auf neue Entwicklungen in der Biotechnik. „Inzwischen werden gentechnisch hergestellte Allergene getestet – sie könnten verträglicher und wirksamer sein. Das ist die Zukunft!“

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