Zeitung Heute : Alles schwebt

Die Objekte der Badkollektion „Interiors 2002“ von Jean Marie Massaud hängen am Seil

Rolf Brockschmidt

Leicht muss es sein, luftig und scheinbar schwerelos. Der Franzose Jean Marie Massaud, der seit 1994 ein eigenes Studio betreibt, hat offensichtlich den Ehrgeiz, der Schwerkraft ein Schnippchen zu schlagen. Denn bei Massaud und seiner für Dornbracht entworfenen Badkollektion „Interiors 2002“ ist es vor allem das Drahtseil, das seinen minimalistischen Entwürfen zum luftigen Abheben verhilft. Und wer weiß: Wer morgens ohne Brille das Bad betritt, mag wirklich die Illusion haben, dass Seife und Zahnbürste in ihren Ablagen im Raum schweben, denn die Drahtseile, die von der Decke bis zum Boden gespannt sind, sind wirklich sehr dünn. Alle Objekte sind aus farbigem, transparentem Acryl gestaltet, so etwa der Accessoire-Ständer „Light Circle“. Zwei runde Elemente, durch deren Mitte das dünne Stahlseil führt, geben Platz für Fläschchen und Tiegel. Das Seil wird zwischen Decke und einem silbrigen Stein am Boden gespannt.

Nach dem gleichen Prinzip funktioniert der Handtuchhalter „Light Drop“, nur dass hier zwei Seile gespannt sind, die zwei Handtuchstangen und einen ausgehöhlten Acrylbalken halten, der wiederum Badezubehör aufnehmen kann. Ebenfalls zu schweben, scheint der Paravent „Shadow“, der ausschaut, wie ein langes rechteckiges Stück Reispapier, das an zwei Drahtseilen von der Decke hängt. Der Einsatz dieses Paravents ist – ebenso wie die folgenden beiden Objekte – keinesfalls auf das Badezimmer beschränkt. Darin liegt auch der Reiz dieser Kollektion. Beispiel „Light Flower“. Ein Acrylblock in der Form eines dicken Regalbretts hängt hochkant an zwei Drahtseilen. Das Innere des transparenten Blocks ist wieder ausgehöhlt und gibt Raum für fünf einzelne Pflanzen. Auf den ersten Blick erinnert das Objekt an eine Bürolampe, man sucht förmlich die Leuchtstoffröhre. Auf den zweiten Blick kommt man auf die klassische Blumenampel, die Massaud auch tatsächlich als Vorbild für seinen Entwurf nennt.

Als Blickfang für die minimalistische Wohnung oder als provokantes Gegenstück zum Traditionellen funktioniert die Liege „Wave“, die aus einem Stück transparenten orangenen Acryls gegossen ist und somit auch den Blick auf die fragile Konstruktion aus Stahlrohr frei gibt. Der Schwerpunkt der Liege liegt so tief, dass die Beine in gesunder, stressfreier Höhe ausruhen können. Doch wer „Wave“ im Bad einsetzen will, muss schon viel Platz haben.

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