Zeitung Heute : Alpenglühen in Charlottenburg

Am 12. Mai wird an der Caprivibrücke ein „Österreich-Park“ eröffnet.

Susanna Hoke
Österreich übernimmt eine mehrjährige Patenschaft für dieses Stück Natur in der deutschen Hauptstadt. Einen fünfstelligen Betrag investiert die Werbetochter des Landes in das Projekt, das von den Temperaturen etwas stiefmüttlicherlich behandelt wurde. Foto: Mike Wolff
Österreich übernimmt eine mehrjährige Patenschaft für dieses Stück Natur in der deutschen Hauptstadt. Einen fünfstelligen Betrag...

Ein Stück Österreich mitten in Berlin entsteht gerade im Sömmeringpark an der Charlottenburger Caprivibrücke. Für zunächst drei Jahre übernimmt die Österreich Werbung, Österreichs nationale Tourismusorganisation, die Patenschaft für das Areal und gestaltet gemeinsam mit dem Bezirk einen „Österreich Park“, der am 12. Mai eröffnet wird.

Die Alpen auf rund 200 Quadratmetern nachzustellen, ist ein ambitioniertes Unterfangen. Die Gebirgsvegetation in die Großstadt zu holen, erscheint da hingegen schon machbarer. So empfängt den Besucher mit dem „Alpengarten“ am Parkeingang neben dem Sportplatz kein Gebirgsmassiv, sondern ein aufgeschütteter Erdwall mit gebirgstypisch umgestürztem Baum und Miniaturfelsen, mit Seidelbast und Zirbelkiefern – sowie derzeit noch jeder Menge Stiefmütterchen. Da Arten wie die Alpen-Aster, der Blaue Eisenhut oder der Schwalbenwurz-Enzian erst im Juli oder August blühen, hat man sich erst einmal für eine Frühjahrsbepflanzung entschieden. „Es geht ja darum, die enge Verbindung zwischen Österreich und Deutschland zu symbolisieren. Und die findet sich hier eben auch im Garten wieder“, erklärt Elke Allenstein von der Österreich Werbung. Noch bis zum Herbst gedeihen Begonien im eigentlich in den Landesfarben Rot-Weiß-Rot geplanten Rosengarten. Den Rasen für die Alpenwiese säen die Gärtner lieber nach dem Besucheransturm, und verlegen dann auch erst die Polygonalplatten aus Naturstein auf dem Weg durch diese Charlottenburger Alpen.

Bis dahin haben die rund zehn Gärtner und Azubis vom Grünflächenamt noch alle Hände voll zu tun. Der ganze Park ist rund einen Hektar groß, etwa ein Drittel der Fläche wird neu gestaltet. „Wegen des Frostes konnten wir erst vor ein paar Wochen loslegen“, erzählt einer der Gärtner, die hinter dem Bauzaun arbeiten. Diese Woche ist eine Allee aus steirischen Apfelzierbäumen entstanden, die bis zur Eröffnung am Muttertag hoffentlich in voller Blüte steht. Salzburger Almbänke auf einer Anhöhe sowie die Donausteigliege am Spreeufer ergänzen das landestypische Bild. Die werden allerdings aus Angst vor Vandalismus erst kurz vor der Eröffnung aufgestellt und ersetzen alte Bänke mit brüchigen Latten, von denen schon die grüne Farbe abblättert. Ein als Fernrohr getarnter Guckkasten erlaubt Ausblicke ins Tiroler Land.

Einen fünfstelligen Betrag investiert die Österreich-Werbung in das Projekt, das sie aber nicht als bloßen PR-Gag verstanden wissen will. „Im Zentrum steht für uns, den Berlinern ein Geschenk zu machen, von dem sie über lange Zeit profitieren“, sagt Elke Allenstein. Dazu gehöre auch eine Aufwertung des Kiezes. „Den Bezirken steht immer weniger Geld für die Grünflächenpflege zur Verfügung, die Folge: Die Anlagen verwahrlosen, Müll sammelt sich, und die Hemmschwelle für Vandalismus sinkt. Mit der Verschönerung des Parks hoffen wir, dass sich auch die Anwohner hier für den Erhalt des Grüns einsetzen.“ Ziel sei es, aus einem schönen, aber brachliegenden Stück Natur, gemeinsam einen Ort für Erholung und Entspannung zu schaffen.

Der Tourismusverband finanziert Pflanzen und Parkausstattung, das Bezirksamt übernimmt die Pflege. Außerdem nutzt der Bezirk den Park als Ausbildungsprojekt für seine Gärtner-Azubis. „Sie dürfen eine Fläche ganz neu bebauen, bepflanzen und auch Wege darauf anlegen – das ist für sie schon etwas besonderes“, unterstreicht Dagmar Elbrandt, technische Leiterin des Fachbereichs Grünflächen/Landschaftsplanung im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. „Wir sind natürlich dankbar, wenn die Gestaltung einer öffentlichen Grünanlage gesponsert wird“, sagt Marc Schulte, Bezirksstadtrat Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung in Charlottenburg-Wilmersdorf, „außerdem gehört Linz passenderweise zu den Partnerstädten unseres Bezirks.“

Mitte vorigen Jahres ist die Österreich Werbung mit ihrem Vorschlag ans Bezirksamt herangetreten und hat offene Türen eingerannt. Bei einer „Test-Wanderung“ vom Schloss Charlottenburg zur Österreichischen Botschaft waren die Tourismusexperten eher zufällig auf den Park gestoßen. Aus der Idee, die Parkbänke entlang der Wanderstrecke aufzumöbeln, wurde im Zuge der Gespräche mit dem Bezirksamt bald mehr – und der Park zum Highlight. Die Feinplanung für die alpine Bepflanzung übernahm ein pensionierter Staudengärtnermeister.

Der Ort ist ideal: Besucher des Schlosses Charlottenburg brauchen nur über die Schlossbrücke herüber zu schlendern, und die österreichische Botschaft liegt lediglich fünf Kilometer entfernt. Dort startet am Eröffnungstag auch eine kindgerechte und kinderwagentaugliche Wanderung durch den Tiergarten und entlang der Spree zum neuen Erholungspark. Der Nachmittag bietet zwischen 13 und 15 Uhr eine Reise durch die neun österreichischen Bundesländer und soll das Nachbarland mit allen Sinnen erlebbar machen: mit Sacher Torte aus Wien, Blaudrucktüchern aus dem Burgenland, Musik aus Kärnten und einem Picknick unter rot-weiß-roten Sonnenschirmen.

Mehr Informationen unter:

www.austria.info/de/berlin

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