Zeitung Heute : Als Mama zur Chefin einer Hightech-Firma

Firmengründerin Gabi Grützner

Katja Winckler

Arbeit und Kindererziehung unter einen Hut zu bringen, war zu DDR-Zeiten selbstverständlich. Darum zögerte Ost-Berlinerin Gabi Grützner nicht lange, als sich nach der Wende die Möglichkeit zur Gründung einer eigenen Firma bot. Das ist jetzt zehn Jahre her und die heute 44-jährige Mutter von vier Kindern ist immer noch die zufriedene Geschäftsführerin und Inhaberin. Das Berliner Unternehmen Micro Resist Technology in Treptow-Köpenick floriert, es produziert chemische Materialien für die Mikrotechnologie – zu 57 Prozent für den Weltmarkt. Im vergangenen Jahr ist der Exportbetrieb mit dem Qualitätspreis Berlin-Brandenburg 2002 ausgezeichnet worden.

Das kam nicht von ungefähr. Gabi Grützner hat nach ihrem Chemiestudium acht Jahre im Werk für Fernsehelektronik gearbeitet. Dann kam die Wende „und wir mussten sehen, wo wir bleiben“. Wissenschaftler und Technologen gründeten den Verein OUT, der sich mit Materialentwicklung für optoelektronische Halbleiterbauelemente beschäftigte. Zwei Jahre später entstanden daraus sieben Firmen, die in der Mikrosystemtechnik eine wirtschaftliche Nische sahen. So auch Grützners Micro Resist Technology.

Das alles funktionierte allerdings nur durch die Bereitschaft ihres Ehemannes, beruflich zurück zu stecken. Zur Zeit der Firmengründung waren die Kinder sieben, zehn und zwölf Jahre alt. Ihr Mann, von Beruf Schweißer, ging früh morgens bis nachmittags arbeiten und sorgte danach für die Kinder. Gabi Grützner arbeitete bis in die Nacht hinein: „Für meine Familie hatte ich manchmal nur abends Zeit oder am Wochenende.“ Ihre Kinder hätten es aber „gut weggesteckt“, dass die Mutter nur selten zu Hause war. Sie seien heute „stolz auf mich und froh, in einem gewissen Wohlstand aufgewachsen zu sein. Das war ja nach der Wende nicht selbstverständlich.“ Wenn sie im Ausland war, nahm sie die Kinder oft mit – nach Holland, Frankreich, Schweden und in die USA. Auch im Unternehmen mit 30 Mitarbeitern, davon 60 Prozent Frauen, hat sich Grützner die Idee, Kinder und Arbeit zu verbinden, auf die Fahnen geschrieben. Teilzeitarbeit ermöglicht sie, wo es geht: „Diese Frauen sind zielstrebig und teilen sich ihre Zeit gut ein.“

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