Zeitung Heute : „Als Unternehmer gebe ich lieber Zuschüsse für kommunale Kindergärten“

Der Tagesspiegel

Sie haben gleich zu Anfang ihrer Amtszeit die Politik energisch aufgefordert, mehr für die Familien zu tun. Inzwischen streiten alle Parteien darüber, wer das beste Konzept für eine kinderfreundliche Gesellschaft bietet. Macht Sie das im Wahljahr nicht misstrauisch?

Ich bin kein misstrauischer Mensch, sondern sehe grundsätzlich das Positive. Ich freue mich sehr, dass dieses grundlegende Thema in Deutschland endlich diskutiert wird. Wenn mich jemand fragt, wo es in der Politik Erfolge gibt, dann nenne ich das neue Bewusstsein für die Familie.

Fürchten Sie nicht, dass nach der Wahl die großen Versprechen wieder eingepackt werden?

Wir haben die Familie lange als eine selbstverständliche soziale Einheit betrachtet, die auch funktioniert, ohne dass wir uns um ihre Voraussetzungen kümmern. Das war falsch, wir müssen die Familie unterstützen. Ich glaube, in der Politik hat sich etwas geändert, weil eine neue Generation gut ausgebildeter, selbstbewusster Frauen nun ins berufstätige Alter gekommen ist. Sie fragen sich, warum sie sich entscheiden sollen, entweder Kinder zu haben oder einen Beruf auszuüben. Diejenigen, die am 22. September gewinnen, müssen ihre Versprechen halten.

Woran fehlt es am meisten?

Der Kanzler hat Recht, es fehlen flächendeckend qualifizierte Betreuungsplätze. Wir brauchen eine gute Organisation, eine ausreichende Mitbestimmung der Eltern. All das wird wohl mehrere Milliarden Euro zusätzlich pro Jahr kosten. Wenn ich das Geld jeder Familie einzeln in die Hand gebe, wird es wieder so sein, dass die Durchblicker es im Sinne der Kinder nutzen, und die anderen es schnell für andere Dinge verbrauchen.

Wie wollen Sie den Ausbau der Betreuungsplätze finanzieren?

Die Politik kann das finanzieren, wenn sie sich für einen radikalen Abbau der Subventionen entscheidet. Alle Subventionen müssen weg. Das geht nicht auf einmal, das ist ein langer Weg. Dann können wir überlegen, ob wir das Geld für den Abbau der Verschuldung und die Konsolidierung der Haushalte nutzen oder in den Bildungsbereich und familienfördernde Einrichtungen stecken.

Der Kanzler hat den Vorschlag gemacht, im Bündnis für Arbeit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern. Machen Sie mit?

Die Wirtschaft ist dazu durchaus bereit, unter der Voraussetzung, dass es dabei wirklich um die Stützung der Familie geht. Die Familie ist die Grundlage der Gesellschaft.

Nun hat der Kanzler die Unternehmen aufgefordert, deutlich mehr beizutragen zu einer familienfreundlichen Arbeitswelt. Macht die Wirtschaft zu wenig?

Die Unternehmen sind dabei, auf breiter Front familienfreundliche Arbeitsplätze zu schaffen. Ich gebe aber zu, dass wir noch ein bisschen Zeit brauchen. Schließlich kostet das die Betriebe auch Geld.

Was halten Sie davon, die Familienfreundlichkeit von Betrieben gesetzlich zu regeln?

Ich bin strikt dagegen, mittelständischen Betrieb vorzuschreiben, wie er Familien fördern soll. Wenn ich Neugründer kaputtmachen will, muss ich so ein Gesetz erlassen.

Der Kanzler klagt, es gebe zu wenig Betriebskindergärten. Werden Sie Ihre Unternehmen auffordern, das zu ändern?

Das werde ich nicht tun. Ich bin zwar dafür, mehr Betreuungsplätze zu schaffen. Aber ein Betriebskindergarten hilft nur den ohnehin Privilegierten und verstärkt nicht das gesellschaftliche Engagement, das ich mir wünsche. Eher gebe ich als Unternehmer Zuschüsse für einen kommunalen Kindergarten, damit mehr Erzieher angestellt werden.

Das Interview führte Hans Monath.

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