Zeitung Heute : Alt werden: Forschung: Was weiß die Wissenschaft?

Nahrung: Studien an Mäusen ergaben, dass eine Einschränkung der Kalorienzahl die Lebenserwartung deutlich erhöht: Die asketischen Nager lebten im Schnitt 56 Monate, die Artgenossen, die üppigeres Futter zu sich nahmen, nur 39. Dass sich dieser Befund auf den Menschen übertragen lässt, ist nicht gesagt. Auffällig ist jedoch, dass Hochbetagte praktisch immer eher untergewichtig sind.

Radikale: Auch hochreaktive Stoffwechselprodukte, die freien Radikale, werden beschuldigt, Veränderungen der DNS zu verursachen, die sich im Lauf der Jahre häufen und Zellen unwiderruflich schädigen. Sie bilden sich im Organismus aus dem lebenswichtigen Sauerstoff durch Oxidation von Biomolekülen. "Oxidativer Stress" nimmt mit dem Lebensalter zu. Ob "Antioxidanzien", etwa die Vitamine C und E, dagegen - als Nahrungsergänzungsmittel - eingenommen werden sollten, ist aber umstritten.

Immunsystem: Im Alter stehen der kör-pereigenen Abwehr deshalb weniger "naive" antikörperbildende Zellen zur Verfügung, die sich noch auf verschiedenste Arten von Erregern einstellen können. Das Immunsystem gibt ihnen oft unpassende oder gar keine "Antworten". Doch man kann es in Maßen durch Sport und Ernährung stärken.

Zellen: Beim Tod der einzelnen Zelle, der Apoptose, spielen die Schutzkappen der Chromosomen eine wichtige Rolle, die Telomere (wörtlich: "End-Teile"). Sie haben die wichtige Aufgabe, die Chromosomen vor Beschädigungen und falschen Kombinationen zu schützen. Gleichzeitig haben sie aber die bedenkliche Eigenschaft, bei jeder Zellteilung ein Stück kürzer zu werden, was irgendwann dazu führt, dass diese Zelle sich nicht mehr teilen kann. Nur Keimbahnzellen und Krebszellen verfügen über ein Enzym, das diese Verkürzung verhindert: Diese Telomerase macht sie "unsterblich". Deshalb klingt es verführerisch, das Gen für Telomerase auch in sterbliche Zellen einzuschleusen. Doch das Beispiel der Krebszelle zeigt, wie gefährlich das sein kann: Mit der Zellalterung wäre auch die Wachstumskontrolle ausgeschaltet. In der Krebstherapie gibt es den umgekehrten Ansatz: Mittels Telome-rasehemmung sollen die bösartigen Zellen am ungebremsten Wachstum gehindert werden. Zelltod ist offensichtlich auch die Voraussetzung für Gesundheit.

Gene: Nach Todesgenen fahndeten Biologen beim Fadenwurm Caenorhabditis elegans, der eine durchschnittliche Lebenserwartung von 21 Tagen hat, und bei anderen "einfachen" Organismen. Wie der Biologe Mark Benecke berichtet, fanden sie "Selbstmordgene", die gezielt für den Tod von Körperzellen sorgen. In den Zellkernen von Säugetieren gibt es aber auch "Überlebensgene" wie p53, die den programmierten Zelltod verhindern. Leider können so auch beschädigte Zellen weiterleben. Kein Wunder also, dass p53 bei Krebswucherungen eine wichtige Rolle spielt. Unlängst wurde als Erfolg des isländischen Gendiagnostik-Projekts gemeldet, man habe bei der Untersuchung der über 90-Jährigen das "Methusalem-Gen" für Langlebigkeit entdeckt.

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