Zeitung Heute : Alte BER-Planer könnten die neuen sein

Flughafenchef Hartmut Mehdorn will das gekündigte Architekturbüro GMP offenbar zurückholen.

Berlin - Das als Generalplaner gekündigte Architekturbüro GMP könnte nun doch auf den Flughafen BER zurückkehren. Die am Wochenende bekannt gewordenen Gespräche des Flughafenchefs Hartmut Mehdorn mit dem Büro Gerkan, Marg & Partner (GMP) wurden in der Berliner Politik größtenteils wohlwollend kommentiert. Die SPD im Abgeordnetenhaus allerdings hat wegen „Fehlleistungen“ der Architekten große Bedenken. Es ist bereits der zweite überraschende Vorstoß Mehdorns im neuen Job. Zu seinem Dienstantritt Anfang März hatte er einen Weiterbetrieb des Flughafens Tegel angeregt.

Das Architekturbüro hatte den Flughafen geplant und die gesamte Bauüberwachung übernommen. Doch im Mai 2012 machte der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft die Architekten für das Chaos auf der Baustelle und die geplatzten Eröffnungstermine verantwortlich. Über Nacht wurde dem Büro gekündigt.

Ein Sprecher der Gesellschaft, der Berliner Senat und die Brandenburger Staatskanzlei wollten Mehdorns Vorstoß nicht bestätigen. Übereinstimmend hieß es aber, im Interesse eines „beschleunigten Baufortschritts“ sei es notwendig, mit allen Beteiligten zu reden. Dazu gehöre „natürlich auch das Büro Gerkan“. Es dürfe keine Denkverbote geben.
Laut „Bild am Sonntag“ soll der Inhaber des Büros, Stararchitekt Meinhard von Gerkan, gesagt haben, es habe bereits zwei geheime Gespräche mit Mehdorn gegeben. Am Ostermontag war GMP nicht erreichbar. Nach „Bild“-Informationen hat Mehdorn zudem den früheren leitenden Ingenieur des Berliner Hauptbahnhofs, Hany Azer, in eineArbeitsgruppe berufen, die das Projekt BER beschleunigen soll.

Der verkehrspolitische Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus, Oliver Friederici, sagte, seine Partei vertraue Mehdorn, man werde ihm „freie Hand“ lassen. Auch die Grünen begrüßten die Idee. Das GMP-Büro habe zwar „nicht immer großartig gearbeitet, es sei aber ein „schwerer Fehler gewesen, sie bei einer Nacht-und- Nebel-Aktion rauszuwerfen und auf ihre umfassenden Kenntnisse zu verzichten“, sagte Fraktionschefin Ramona Pop. Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses zum BER-Debakel im Abgeordnetenhaus, Martin Delius von den Piraten, sieht dies ähnlich. Schon zum Dienstantritt Mehdorns hatte er vorausgesagt, dieser werde die geschassten Planer zurückholen, weil sie „ein Hauptkommunikationspunkt“ seien. Der Verkehrsexperte der SPD, Ole Kreins, reagierte hingegen ablehnend: „Das ist wohl ein Aprilscherz.“

Die Inbetriebnahme des BER wurde bisher viermal verschoben. Einen Eröffnungstermin gibt es derzeit nicht.

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