Zeitung Heute : Alte Lücken

Wann Logistik wo wichtig war

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Je größer die Überlegenheit, desto sicherer der Erfolg, desto rascher das Kriegsende. Überlegenheit ist keine Frage nackter Zahlen, sondern kann sich auch mit dem Moment der Überraschung – strategisch wie taktisch – einstellen. Der jetzige IrakKrieg war als „Blitzkrieg“ der modernen Art geplant: strategische Überlegenheit durch strategische Lähmung des Feinds schon in den ersten Kriegsstunden. Doch „shock and awe“, Schock und Ehrfurcht, wollten sich in Bagdad trotz massiver Luftangriffe zu Beginn des Kriegs nicht einstellen. Aus dem Hightech-Krieg wird mehr und mehr ein ganz normaler, zäher, vergleichsweise langwieriger Waffengang.

Damit rückt ein Grundsachverhalt, der sich durch die Kriegsgeschichte der Menschheit zieht, allmählich in den Vordergrund: die zentrale Bedeutung der Versorgung einer kriegführenden Armee.

Armeen, die rein militärisch betrachtet effektiv und erfolgreich kämpften, verloren die Schlachten am Ende wegen Defiziten in Logistik und nachrückender Versorgung. Der Russlandfeldzug der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ist hierfür ebenso ein Beispiel wie der schließliche Niedergang des deutschen Afrika-Corps. Dafür dass Nachschub und Versorgung von kämpfenden Einheiten schon in früheren Zeiten als essenzielle Elemente einer Kriegsstrategie erkannt wurden, sind Hannibals Elefanten, die sich in den Alpen abquälten, ein besonders bizarres Zeugnis. Aber auch die Notwendigkeit zur Nachführung von Truppen, um Schwächen auszugleichen, barg immer ihre Tücken: Hiervon hing beispielsweise ab, wer 1815 in Waterloo sein Waterloo erlitt.

In Fragen der Logistik kann keine Streitmacht der Welt den USA etwas vormachen. Über viele Jahre führten sie in Vietnam einen zähen Krieg, zeitweise mit einer halben Million Soldaten. Die Versorgung klappte, selbst an der täglichen Ration Coca-Cola sollte es nicht mangeln. Der Vietnamkrieg wurde trotz seiner Dauer und Brutalität nicht auf dem Feld und nicht wegen Versorgungsfragen verloren – eher an einer bis dato unbekannten Front: dem Wohnzimmer des Durchschnittsamerikaners. psi

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