Zeitung Heute : Alter, neuer Nachbar

André Görke

Tennis Borussia wendet die Insolvenz ab – und träumt

„Hoffentlich erhält Union die Lizenz für die Regionalliga!“ Das sagt Peter Antony, der Vorstandsvorsitzende von Tennis Borussia. Der liebevolle Wunsch des Köpenicker Erzfeindes hat Gründe: Erstens „ist der 1. FC Union mit dem Abstieg genug gestraft“ – und zweitens: „Ohne Union in der Oberliga wäre es einfacher für uns aufzusteigen.“

Tennis Borussia hat also wieder Ziele. Am 8. Juni wird der Oberligist sein Insolvenzverfahren abgeschlossen haben, „dann fangen wir bei null an“, sagt Antony. TeBe habe jetzt mit den Gläubigern eine Einigung erzielen können und so die Pleite abgewendet. Das Insolvenzverfahren gegen TeBe war vor etwas länger als einem Jahr wegen Verbindlichkeiten in Höhe von 280 000 Euro eröffnet worden.

Der Absturz von TeBe war einmalig in der Fußballbranche: Ende der Neunzigerjahre träumten die Berliner vom Europapokal. Mit Hilfe des Finanzpartners „Göttinger Gruppe“, der wohl zwischen 50 und 70 Millionen Mark investierte, wurden gestandene Profis verpflichtet – doch die Entwicklung ging in die falsche Richtung. Am Ende landete TeBe in der viertklassigen Oberliga. Ohne Geld, ohne Image.

„Wir wollen jetzt ein ruhiger, normaler Verein werden, so wie früher – ohne Harakiri-Aktionen“, sagt Antony. In der kommenden Saison werden die Eintrittspreise gesenkt, um wieder mehr Zuschauer ins Mommsenstadion zu locken. Der Etat in der Oberliga wird bei 200 000 Euro liegen; das ist, gemessen an der Größe des Vereins, eher wenig. „Wir wollen in die Regionalliga aufsteigen“, sagt Antony, „aber wir gehen kein finanzielles Risiko ein.“ Mittelfristig, in drei, vier Jahren, soll es jedoch so weit sein. Bis dahin müssen sich die Fans mit prominenten Gegnern in Freundschaftsspielen begnügen. Das nächste steht vielleicht im Sommer gegen Hertha BSC an. „Hoffentlich steigen die nicht ab“, sagt Antony. TeBe ist sehr nett in diesen Tagen.

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