Zeitung Heute : Alternatives Reisen (2): Abenteuerliche Nächte im Biwak

Stefan Woll

"Aventerra", ein 1999 gegründeter gemeinnütziger Verein mit Sitz in Stuttgart, richtet ihre Botschaft an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Als "selbstbewusster Nischenanbieter", so Geschäftsführer Peter Schrey, weiß der Veranstalter, der Mitglied im "forum anders reisen" ist, um seine Stärken: "Integration auch Behinderter, soziale Arbeit, Waldorf-Pädagogik". Diese Selbstcharakteristik bestimmt ein Programm, das mit insgesamt 14 Positionen für zusammen etwa 300 Reisende eher bescheiden wirkt.

Dagegen steht schon der eigene Non-Profit-Anspruch und der pädagogische Impetus des Vereins, dessen Reisen und Freizeiten von anthroposophisch geschulten Pädagogen, Erziehern und Lehrern vorbereitet und zusammen mit sach- und landeskundigen Fachexperten begleitet werden. Experten-Hilfe ist nötig, etwa bei der dreiwöchigen Studien- und Erlebnisfahrt nach Namibia, bei der die Teilnehmer volljährig sein sollen. Das Gleiche gilt für die Zwei-Wochen-Tour "Wandern und Biwakieren" in Georgien.

Leute vom Fach sind es gleichermaßen, die in den Niederlanden zehn- bis 14-Jährige auf 100 Jahre alten, 16 Meter langen ehemaligen Frachtseglern durch Kanäle und Seen dirigieren oder die beim Klettern im Hochgebirge "Seil-und Hakenkunde" vermitteln. Erfahrene Anleitung braucht es auch bei den Höhlenexkursionen, die Aventerra mit zwölf- bis 16-jährigen in der Fränkischen Schweiz unternimmt.

Fast schon überpädagogisiert mutet, zumal bei einem Betreuungsschlüssel von 1 : 4, das Konzept an. Geschäftsführer Schrey, selbst Kinder- und Jugendtherapeut, betont jedoch, dass "qualifizierte Freizeitpädagogik, will sie nicht Lückenfüller für Schul- und Elternpädagogik sein, heute immer wichtiger wird, erst recht in Urlaubs- und Ferienzeiten."

Kleinere Arbeitseinsätze sind es, die zum Erlebnisgehalt der Aventerra-Abenteuer beitragen, zum Beispiel Mithilfe beim Ausbau einer Waldorfschule in Namibia, bei der Weinlese in Georgien oder in einem Naturschutzgebiet nahe Radolfzell am Bodensee. Erlebnisträchtig sind die meist spartanischen Unterkünfte, ob Natursteinhäuschen auf der Ziegenalm am Comer See oder "abenteuerliche" Hütten in Georgien.

Die Preise rangieren, je nach Ziel und Aufenthaltsdauer, von knapp 500 Mark für sieben Tage "Kinderlager" unweit von Stuttgart bis zu knapp 3000 Mark, die für 21 Tage Zelt- und Rucksack-Reise durch Namibia berappt werden müssen.

2002 neu ins Programm kommen voraussichtlich eine Kenia-Reise, eine Wildwassertour in Frankreich sowie Skilanglauf in Lappland. Bemühen will man sich in Stuttgart zudem darum, die Preise zu senken und die Termine so zu legen, dass sie in die Ferienzeiten möglichst vieler Bundesländer passen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar