Zeitung Heute : Alternatives Reisen (3): Ausruhen im runden Filzzelt der Nomaden

Stefan Woll

600 000 Menschen wohnen in Bischkek. "Mit Ausnahme der Märkte, zweier Museen und einer Handvoll Geschäfte hat sie wenig zu bieten", sagt Elke Mahlke von der Firma Ecotour über die Hauptstadt der zentralasiatischen Republik Kirgisistan. Als Ausgangs- und Endpunkt für eine "sanfte" Reise durchs Land bietet sie sich aber an. "Mit der Yurte durch den Tien-Shan" lautet das "Produkt" der Firma Ecotour, die sich gemeinsam mit achzig anderen Reiseveranstaltern dem "forum anders reisen e. V." angeschlossen hat. Von der Zeuthener Firmen-Dépendance wird alles geplant und organisiert.

Gegründet im März 1998, verweist das ganz auf Kirgisistan ausgerichtete Unternehmen mit Hauptsitz in Bischkek unterdessen auf eine "ständig wachsende Zahl Reisender in den vergangenen Jahren". Überaus bescheidenen Anfängen im ersten Geschäftsjahr folgten 2000 schon 160 Gäste, die sich für eines der von Ecotour offerierten Reisen entschieden haben. Zum "Normal-Programm" gesellen sich neuerdings eine kleine und eine große Reittour sowie ornithologische und botanische Exkursionen als weitere Angebote hinzu. Beim Grundprogramm steht eine Aufenthaltsdauer zwischen zwei und fünf Wochen zur Wahl. Dabei verbringen die Reisenden in überschaubaren Gruppen von bis zu acht Personen jeweils eine Woche in Yurtensiedlungen verschiedener Regionen; sie teilen den Alltag einheimischer Nomaden, essen mit ihnen Beschbarmak (Nudeln und Schafsfleisch) oder trinken Kymys (vergorene Stutenmilch), nächtigen in ihren runden Filzzelten und erkunden hoch zu Ross oder zu Fuß die nordöstlichen Weiten des Tien-Shan-Hochgebirges, dessen Gipfel bis zu 7000 Metern aufragen. Der Lebensrhythmus der Einheimischen strukturiert den Tag das "sanfte" Reisen kann anstrengend werden.

Dort, wo das Issyk-Kul-Biosphärenreservat den gleichnamigen, 1600 Meter hoch gelegenen, 180 Kilometer langen und 60 Kilometer breiten Hochgebirgssee umschließt, in den Regionen um den Heiligen See der Kirgisen gibt es nicht weniger als 1400 endemische Pflanzenarten. Wüste und Halbwüste, Steppen, Bergwiesen und Wälder, Schneefelder und Gletscher verbinden sich in diesen Teilen Kirgisistans, unweit der Grenze zu Kasachstan, zu einem Lebensraum, der bedrohten Tierarten wie dem Schneeleoparden, dem Isabell-Braunbär oder auch dem Ibisschnabel ein Refugium bietet. Kirgisistan ist ein Land der Superlative. Es kann zum Beispiel mit den weltweit längsten Gletschern außerhalb der Polarregionen aufwarten; im Issyk-Kul hat das 1991 unabhängig gewordene Land den - nach dem südamerikanischen Titicacasee - weltweit zweitgrößten Hochgebirgssee, dessen Region mehr als 300 Sonnenscheintage verzeichnet; der Nordosten Kirgisistans bietet einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten einzigartige Lebensbedingungen; aber es gibt hier auch das größte Goldvorkommen der Erde.

Die Preise für Reisen nach Kirgisistan beginnen bei Ecotour bei rund 2000 Mark, Hin- und Rückflüge nicht eingeschlossen. 400 Mark werden für jede Verlängerungswoche berechnet; Preisnachlässe für Kinder, Jugendliche, Studenten und Gruppen gewährt der Veranstalter, der auch die Buchung der Flüge und die Visabeschaffung übernimmt.

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