Altersvorsorge : Das Risiko erkennen

Neues Gesetz soll Kleinanleger besser schützen.

Windkraft galt in Deutschland lange als sichere Anlageform - bis der darauf spezialisierte Anbieter Prokon ins Strudeln geriet. Zehntausende Privatinvestoren waren betroffen; vielen brach dadurch ein Teil der Altersvorsorge weg. Es sind Fälle wie diese, die die Bundesregierung seit einigen Jahren dazu bewegen, an den Stellschrauben des Anlegerschutzes zu drehen. Im Mai legte Schwarz-Rot einen Aktionsplan zum Verbraucherschutz im Finanzmarkt vor.

Ende Juli folgte ein erster Entwurf für ein Kleinanlegerschutzgesetz. Im Kern geht es darum, dass Anbieter Kunden ausreichend aktuelle Informationen zur Verfügung stellen, damit diese eine Anlage auch hinsichtlich ihrer Risiken bewerten können. Zudem will die Bundesregierung die Werbung für Finanzprodukte beschränken. Dazu soll die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) mehr Kontroll- und Sanktionsrechte bekommen.

Noch liegt der endgültige Gesetzentwurf nicht vor. Doch Verbände hatten bereits Gelegenheit, ihre Sicht zum ersten Aufschlag der Regierung zu äußern. Verbraucher- und Aktionärsschützer begrüßten die Initiative. Allerdings spricht sich die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz etwa dafür aus, die Beweislast bei der Anlage grundsätzlich umzukehren. Dann müssten in strittigen Fällen nicht die Anleger beweisen, dass sie unzureichend informiert wurden, sondern die Anbieter belegen, dass sie richtig informiert haben.

Es gibt aber auch kritische Stimmen zum Entwurf, zum Beispiel vom Bundesverband Deutsche Start-ups. Die Vertreter junger Unternehmen befürchten, dass durch zu starke Einschränkungen das sogenannte Crowdinvesting, die Beteiligung vieler Kleininvestoren an einem Unternehmen, und damit die Finanzierung von Start-ups, erschwert würde.

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