Zeitung Heute : Am Anfang ist die Sprache

Anja Kühne

Ein leidiges Thema – für Schüler, Lehrer und Leser. Wie kam es dazu, dass die Rechtschreibreform jetzt erneut geändert wird?

Heute werden die Kultusminister in Mainz über den vierten Bericht der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung beraten. Dieser Bericht ist besonders wichtig. Er enthält die letzten Änderungen der Rechtschreibreform, bevor sie vom 1. August 2005 an in den Schulen und Behörden verbindlich wird. Die sechsjährige Übergangszeit, in der die Lehrer die Schreibweise nach den alten Regeln nur als „veraltet“, nicht aber als falsch anstrichen, läuft dann aus. Dann gelten nur noch die neuen Regeln – und zwar mit eben jenen Änderungen, die jetzt von den Kultusministern im vierten Bericht verabschiedet werden sollen.

Gibt es jetzt etwa eine große Reform der Reform? Tausend Wörter würden nun wieder anders geschrieben werden müssen, als im ursprünglichen Reformwerk, sagen manche. Diesen Vorwurf halten aber sogar reformkritische Sprachwissenschaftler für eine maßlose Übertreibung. Nichts Altes wird falsch. Es werden nur zusätzliche Varianten erlaubt sein. Der Grund: Man will die Regeln an den Sprachgebrauch der Deutschen anpassen und hat auch auf Kritik reagiert.

Ein Beispiel: Vor der Reform stand im Duden, „ratsuchend“. Nach der Reform führte der Duden „Rat suchend“ als richtig auf. Jetzt soll beides möglich sein. Das betrifft dann natürlich auch andere Wörter. Neben „Bier trinkend“ ist auch „biertrinkend“ erlaubt und so weiter. In solchen Änderungen sehen aber auch die Schulbuchverlage nur „behutsame Modifikationen“.

Man kann den Sinn der Rechtschreibreform anzweifeln. Sollten die Kultusminister die Änderungen in Mainz verabschieden, wird sich jedenfalls kaum etwas ändern.

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