Zeitung Heute : „Am besten alle Subventionen abschaffen“ Solar-Experte Schützeichel über erneuerbare Energieträger

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Die aktuellen Unwetter in Europa haben eine Diskussion über das Klima in Gang gebracht. Freut Sie das?

Nein, nicht bei so viel Unglück. Ob dieses Wetter durch eine Klimaveränderung verursacht wird, ist ohnehin zweitrangig. Wir wissen seit langem, dass der Mensch das Klima beeinflusst. Diese Unwetter können lediglich Anlass sein, das noch mal klarer zu machen. Denn nach wie vor ist der Handlungsdruck in Richtung Politik und Energieversorger zu gering.

Wasser liefert heute 4,3 Prozent, Wind etwa drei Prozent und die Solartechnik 0,006 Prozent des deutschen Stroms. Was für Perspektiven haben diese Energieformen?

Das Ziel, das sich die EU gesetzt hat, bis 2010 den Anteil der Erneuerbaren zu verdoppeln, ist durchaus machbar. Das wichtige ist doch, dass die Alternative nicht schlechter ist: Es geht nicht darum den Lebensstandard zu verschlechtern, sondern ihn zu erhalten. Der Weg, der mit dem Erneuerbaren Energiegesetz eingeschlagen wurde, ist ein guter Weg. Inzwischen bestellt die Windwirtschaft mehr Stahl bei der deutschen Stahlindustrie als die Werften. Da entsteht also etwas.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Matthias Wissmann, hat die erneuerbaren Energien kürzlich als zu teuer kritisiert.

Auch in der CDU und der FDP gibt es vernünftige Leute, im Moment wird das Thema ein wenig in den Wahlkampf hineingezerrt. Auf den Strompreis umgerechnet kostet uns der Kohlepfennig 0,5 Cent – die Subventionen für die Erneuerbaren kosten 0,05. Die Kernfrage ist doch: Wollen wir die Kohle weiter am Leben erhalten oder wollen wir eine Technologie fördern, die sinnvoll ist. Und wenn wir sagen, dass Solarenergie, Wind und Wasser sinnvoll sind, dann muss man einfach sagen, da gehören die Gelder hin.

Subventionen für die Erneuerbaren?

Mein Wunsch wäre, aber der ist irreal, alle Subventionen im Energiebereich abzuschaffen. Dann wären die Regenerativen sofort wettbewerbsfähig. Solange man das nicht macht, müssen diese Energieträger durch Markteinführungsprogramme dahin gebracht werden, dass auch ein Markt dafür besteht. Wie man es für die Brennstoffzelle oder den Transrapid auch macht. Die Grundaussage zur Klimadiskussion lautet: Der Mensch verändert das Klima. Und deswegen müssen wir etwas machen, auch ohne das aktuelle Unwetter.

Das Gespräch führte Moritz Schuller.

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