Zeitung Heute : Am Boden der Tatsachen

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Die EUKommission hat eine schwarze Liste mit über 90 Fluggesellschaften vorgestellt, die wegen Sicherheitsmängeln nicht mehr in die EU fliegen dürfen. Welche Airlines sind das – und sind die übrigen wirklich sicher?

Die von EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot gestern in Brüssel präsentierte schwarze Liste mit als unsicher geltenden Airlines überrascht Luftfahrtexperten kaum. Verbannt aus allen EU-Staaten wird jetzt die thailändische Fluggesellschaft Phuket Airlines, die im vergangenen Jahr bereits von einzelnen Ländern gesperrt worden war. Die afghanische Ariana Airlines, die auch den Frankfurter Flughafen ansteuert, darf im EU-Bereich nur noch einen einzelnen Airbus A 310 mit der französischen Zulassung F-GYYY einsetzen.

Ansonsten befinden sich neben der nordkoreanischen Air Koryo sowie je zwei Airlines aus Kasachstan und Kirgisien ausschließlich afrikanische Fluggesellschaften auf der schwarzen Liste. Allein 50 davon stammen aus der Demokratischen Republik Kongo. Den Gesellschaften Air Bangladesh, Buraq Air (Libyen) und GHBA (Kongo) ist die Benutzung bestimmter Maschinen untersagt worden.

Mit der gemeinsamen Liste reagiert die EU auf die Diskussion um individuelle, von einzelnen Mitgliedstaaten erlassene Flugverbote. Länder wie Belgien, Frankreich und Großbritannien hatten bereits nationale Blacklists veröffentlicht. Von anderen Staaten wie der Bundesrepublik war das bisher aus Datenschutzgründen abgelehnt worden. Die gemeinsame Liste wurde auf Basis einer im Januar in Kraft getretenen EU-Verordnung möglich und basiert auf den Meldungen der einzelnen Mitgliedstaaten.

Grundlage dafür sind die seit 1996 von immer mehr europäischen Staaten eingeführten Kontrollen ausländischer Maschinen. Zu den Initiatoren gehörte nach dem Absturz einer türkischen Chartermaschine mit deutschen Urlaubern in der Dominikanischen Republik die Bundesrepublik. Im vergangenen Jahr führte allein das Luftfahrtbundesamt 1401 dieser Ramp-Checks durch. Europaweit waren es 2004 genau 4568 Kontrollen, bei denen 6799 Mängel festgestellt wurden, davon waren 1975 schwerwiegender Natur. In 683 Fällen waren Korrekturen vor dem Abflug nötig, 17 Flugzeuge wurden mit einem Startverbot belegt.

Anders gehen die USA vor, die schon länger eine schwarze Liste führen. Dort richtet sich der Blick weniger auf die Fluggesellschaften an sich, als auf die jeweiligen nationalen Luftfahrtbehörden, die für die Sicherheit der Airlines vor Ort zuständig sind. Können sie die Einhaltung der US-Auflagen nicht gewährleisten, werden die betreffenden Fluggesellschaften teilweise mit Flugverboten belegt. Zu diesen Ländern zählen unter anderem Bulgarien, Serbien-Montenegro und die Ukraine.

Die EU-Kommission will mit der jetzt vorgelegten Liste nicht nur Fluggesellschaften bestrafen, sondern den Airlines auch Anreize geben, die Sicherheitsnormen streng zu befolgen. Die Blacklist soll mindestens alle drei Monate aktualisiert werden, dazwischen haben die einzelnen EU-Staaten in Eilfällen auch weiterhin die Möglichkeit zu Einzelentscheidungen. Betroffene Airlines können auf Antrag wieder von der Liste gestrichen werden, wenn ihnen der Nachweis gelingt, dass die festgestellten Mängel behoben wurden. Den betroffenen Ländern soll außerdem dabei geholfen werden, das Sicherheitsniveau zu heben.

Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Staaten, deren Airlines auf der Liste stehen, zu Vergeltungsmaßnahmen greifen werden. So gab es nach Angaben aus Pilotenkreisen in der Vergangenheit immer wieder verschärfte Kontrollen deutscher Flugzeuge in Ländern, aus denen Fluggesellschaften in der Bundesrepublik ein Einflugverbot erhielten. Auch weisen Experten darauf hin, dass die schwarze Liste nicht automatisch eine Garantie dafür sei, dass bei dort nicht genannten Fluggesellschaften keine Sicherheitsmängel auftreten können.

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