Zeitung Heute : Am Draht

Sie war die erste Bundesliga-Frau im Radio. Heute ist sie Sportchefin beim WDR-Hörfunk und ruft samstags noch immer „Toaaah!“ Man müsse halt eine Eigenart haben, sagt Sabine Töpperwien.

Bernd Müllender

Fußball-Reporter müssen fast so fix reagieren können wie ein guter Torwart. Sabine Töpperwien, 45, reagiert mit der Erfahrung von „fast 350 Bundesligaspielen“ sehr schnell auf den Vorschlag Blitzbefragung: „Na klar, gern.“

Also dann: Frau Töpperwien, gefällt Ihnen unser Arbeitstitel „Laute Simme unter lauter Männern“? – „Nein! Laut hat so was Negatives. Das klingt marktschreierisch. Wie Schreihals.“ – Aber Sie sind laut! – „Wenn laut präsent bedeutet, dann ist es gut.“ – Warum rufen Sie immer Toaaah statt Tooor? – Sie lacht. „Na, man muss doch eine Eigenart haben. Radio ist live. Ich will authentisch sein. Da ist nix antrainiert. Das kommt eben aus Bauch und Hirn.“

Man kennt ihre Stimme, ihr Gesicht ist weniger präsent. Und die wenigsten wissen, dass Sabine Töpperwien nicht nur im Stadion vor dem Mikrofon sitzt, sondern Sportchefin des WDR-Hörfunks ist. Da gilt sie als sehr kooperativer, fairer Boss. Berufsbezeichnung Sportreporterin? – „Nein, Sportjournalistin.“ – Reporterin klingt Ihnen zu gewöhnlich? – „Nein, weil die Reportage nur ein Bestandteil ist, eine Gattung, ein Genre. Ich bin ja jetzt quasi im Sportmanagement tätig, im Radiomanagement.“

Sport, sagt die frühere Zweitligaspielerin im Tischtennis, war seit dem 16. Lebensjahr ihr Berufswunsch. Im Harz, wo die Töpperwiens herkommen, begann die Karriere mit einem Zeitungsvolontariat. Alle fragen sie natürlich immer nach dem großen Bruder Rolf, dem atemlosen Fußball-Reportierer vom ZDF. Dann tun wir das auch: War Ihr Bruder beteiligt oder gar Vorbild? – „Vorbild war er, wir hatten immer ein Superverhältnis.“ Es folgt eine lange Erklärung, dass der Bruder sich nie eingemischt hat oder Vitamin B im Spiel war.

Würden Sie im Fernsehen Ihr Gesicht auch so oft herzeigen wie Ihr Bruder, Frau Töpperwien? „Wieso so oft? Der ist ja auch Reporter.“ – Er könnte sich selbst mehr raushalten! Nicht so oft ins Bild rutschen! – „Der arbeitet halt so viel. Keiner ist so oft auf dem Platz wie er. Da sieht man ihn auch viel.“

Schalke 05 oder VfL Stuttgart hat Sabine Töpperwien nie gesagt. Oder damit kokettiert, schon Hannover 97 zu üben, wie es die neue Sportstudio-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein vor ihrer Premiere tat.

Was war Ihr berühmtester Fehler? – „Offenbar hab ich mal Elfmeterraum statt Strafraum gesagt.“ – Und Ihr bester Auftritt? „Manchmal verlässt man das Stadion und denkt, heute war ich richtig gut. Und dann gibt’s Kritik. Umgekehrt auch. Ich mach’s für andere, da habe ich für mich kein Ranking.“

Als größte persönliche Erlebnisse zählt sie große Ereignisse auf: Olympia, Leverkusens und Schalkes Europacup-Endspiele. Sabine Töpperwien lebt Sport; an diesem Tag in Köln-Müngersdorf trägt sie Handschuhe aus Salt Lake City und einen Rucksack von Sydney 2000. Zuletzt berichtete sie von den Winterspielen aus Turin.

Ihr erstes Spiel am Mikrofon war 1989, noch beim NDR: St. Pauli – HSV, tragischerweise toaaahlos. Damit war sie die erste Bundesliga-Frau. 17 Jahre hat es gedauert, bis jetzt eine zweite Kollegin samstags zu hören ist. „Darüber freue ich mich sehr. Und ich hoffe, dass es keine weiteren 17 Jahre bis zur nächsten dauert.“ – Stolpersteine durch Männer, Neider? – „Anfangs gab es einige. Vereinzelt gibt es das immer noch. Manchmal kommen anonyme Hörerbriefe.“– Können Sie den FC Bayern leiden? – „Ja, kann ich. Was die Bayern mit Kontinuität aufgebaut haben, bemerkenswert. Das Geld ist auch denen nicht in den Schoß gefallen.“

Und die Nationalelf? „Ich drücke die Daumen. Klinsmann macht seine Sache sehr gut.“ – Wer wird Weltmeister? – „Brasilien!“

Sabine Töpperwien wird die ARD-weite Berichterstattung im Hörfunk leiten. „Das wird die größte Herausforderung meines beruflichen Lebens. Weil wir ein solch umfangreiches Radioangebot machen, einmalig wird das sein!“ Sollen wir alle den Fernseher auslassen? – Sie hat Erbarmen: „Naja, wir bleiben ein Ergänzungsmedium, auch mit den 62 Wellen der ARD.“ Was kommentieren Sie, das Finale? „Ich mache nur Management. Kein Eiertanz. Ich stehe komplett im Dienst der Mannschaft.“

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