Zeitung Heute : Am Frieden festhalten

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Die Anschläge häufen sich, die Debatte um den richtigen Einsatz von deutschen Soldaten in Afghanistan klingt nicht ab. Was muss die Bundeswehr jetzt in Afghanistan tun?

Der Bundeswehreinsatz im nordafghanischen Kundus war von Anfang an umstritten – aus unterschiedlichen Gründen. Entwicklungspolitiker fürchten, dass die Anwesenheit der etwa 250 Soldaten die Arbeit von Hilfsorganisationen eher behindere und gefährde. Außenpolitiker sind nicht sicher, ob ein Netz von Provinz Wiederaufbauteams (PRT) geeignet ist, Afghanistan und seine Zentralregierung zu stabilisieren. Sicherheitspolitiker haben ein ungutes Gefühl bei dem Gedanken, dass die Soldaten ohne schwere Bewaffnung und Panzerung in unsicherem Terrain unterwegs sind.

Seit Mittwoch früh in der bisher relativ ruhigen Nordostprovinz, sogar in der Stadt Kundus selbst, Bomben explodiert sind und Ausländer massakriert wurden, nehmen die Fragen zu. Die Vertreter des Verteidigungsministeriums mussten sich diese Woche im zuständigen Ausschuss des Bundestags kritischen Fragen auch von Koalitionsabgeordneten stellen. Der Bundeswehrverband fordert eine Überprüfung des Konzepts, auch Union und FDP verlangen, über Korrekturen nachzudenken.

Koalition und Bundeswehrführung lehnen aber eine Strategieänderung ab. Natürlich sehen alle mit Sorge, dass nun auch in Kundus ein unseliges Bündnis von Taliban, Al Qaida und Milizen des Gulbuddin Hekmatjar angefangen hat, Angst und Schrecken unter Ausländern und solchen Afghanen zu verbreiten, die mit der Schutztruppe Isaf kooperieren. Aber damit habe man rechnen müssen. Ein Rückzug, sei es in rollende Festungen oder gar in die Heimat, würde das falsche Signal geben, dass nämlich die Friedensfeinde in Afghanistan wieder das Sagen haben. Auch am Aufbau eines zweiten PRT in Feisabad östlich von Kundus wird vorerst festgehalten – auch ohne die bisher erhoffte Hilfe der Niederländer. bib

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