AM FUSSE DER BURG : Trauer und Enttäuschung

Das Dorf Guttenberg trauert. Mit dem Rücktritt des Verteidigungsministers hat die 570-Seelen-Gemeinde einen Star verloren. Seinen Namen hat der Ort von der Familie des Ministers, die in der Burg oberhalb des Dorfs lebt. Für manche hier ist er wie ein Familienmitglied. Einige sind deshalb auch ein bisschen erlöst: „Wir mussten schließlich mit ansehen, wie auf einem von uns herumgetrampelt wurde“, sagt eine Frau. Egon Hain, Bürgermeister und Guttenbergs Parteifreund, sagt mit brüchiger Stimme: „Wir sind enttäuscht, weil ein so beliebter Politiker aus unserem Dorf nicht mehr Minister ist.” Von der Nachricht hatte er erfahren, als er vom Holzmachen im Wald zum Mittagessen nach Hause gekommen war. „Ich wünsche mir, dass er sich nur eine kurze

Auszeit nimmt, und dass er dann wieder zu höchsten Ämtern strebt.“ Das ganze Dorf habe mit Guttenberg unter den Vorwürfen gelitten. „Es ging nicht mehr nur um ihn“, sagt er. „Auch seine Frau und seine Eltern traf die scharfe Kritik der Medien.“ Er vermutet, dass die Familie auf die Entscheidung Einfluss genommen hat. Eine andere Erklärung hat der evangelische Pfarrer Günter Weigel, der den katholischen Karl-Theodor und die evangelische Stephanie von Bismarck vor elf Jahren ökumenisch traute. „Er ist ein Mensch und ein sehr sensibler. Seine Kräfte waren anscheinend am Ende.“ Dass Guttenberg bei seiner Doktorarbeit Fehler begangen hatte, ist auch Weigel klar. Er selbst ist Doktor der Theologie, weiß, wie wissenschaftliches Arbeiten funktioniert. Trotzdem sagt er, Guttenberg habe „Buße getan und wir müssen ihm verzeihen“. Dass er in die Politik zurückkehrt, glaubt der Pfarrer aber nicht. „Er ist ein konsequenter Mensch. Wenn er sich jetzt für den Rücktritt entschieden hat, zieht er das durch.“ vf

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