Zeitung Heute : am Glück

ohne Komplikationen. Aber manchmal läuft es anders. Problemfälle gibt es spezialisierte Zentren. Ein Report

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Bild“, sagt Daniela Zahl, die als Hebamme im Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe arbeitet. Mit dieser Einschätzung steht sie nicht allein. „Natürlich hat eine Frau bei der Geburt auch Schmerzen. Aber es wäre schön, wenn sich wieder mehr Frauen wirklich auf eine Geburt einlassen könnten“, sagt Gerlinde Behrendt, Chefhebamme im Helios Klinikum Berlin-Buch und seit 30 Jahren im Beruf.

Zwar bieten Hebammen wie Kliniken Vorbereitungskurse und begleiten werdende Mütter bis zu ihrem Entbindungstermin. Aber wenn es dann Ernst werde, seien viele Frauen überrascht, dass eine Geburt mitunter stundenlange und körperlich schwere Arbeit ist, sagt Hebamme Behrendt. „Viele denken, Kinderkriegen kann man quasi im Vorbeigehen.“

Erwartungen und persönliche Vorlieben können sich, je nachdem ob sie erfüllt werden oder nicht – auf die Geburt auswirken. Fühlt sich eine Frau wohl, ist sie eher entspannt. Fühlt sie sich unwohl, verkrampft sie leichter, was die Geburt erschweren kann. Die Erwartung einer Frau an die Klinik ist daher neben der medizinischen Qualität ein wichtiges Kriterium für die Auswahl einer Geburtsstation.

Kliniken wie das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin-Spandau, die sich als anthroposophisch bezeichnen, waren einmal ein Gegenentwurf zu solch großen Geburtsstationen wie dem Neuköllner Mutter-Kind-Zentrum. Frei übersetzt meint anthroposophisch: die Behandlung ist am Menschen und seinen seelisch-geistigen Bedürfnissen ausgerichtet.

Die Geburtsklinik des Krankenhauses Havelhöhe hat 970 Geburten im Jahr, deutlich weniger als etwa das Mutter-Kind-Zentrum in Neukölln. Ein Aufnahmegespräch dauert mitunter eine Stunde – um die Bedürfnisse der Eltern zu erfahren. Die Klinik arbeitet ausschließlich mit Beleghebammen wie Daniela Zahl: Freiberuflerinnen also, die die Kreißsäle, Wochenbetten, ärztliche und pflegerische Leistungen des Krankenhauses nutzen. Anders als die angestellten Kolleginnen in den meisten Kliniken kümmern sie sich nur um eine Frau: in den Tagen vor dem eigentlichen Geburtstermin und während der Geburt.

Zudem legt die Klinik Havelhöhe Wert darauf, dass Mütter ihre Kinder sofort nach der Entbindung stillen, es hat das Prädikat „stillfreundlich“. Dieses von der WHO und Unicef begründete Prädikat tragen weltweit etwa 19 000 Kliniken, darunter vier in Berlin. Neben Havelhöhe sind das das St. Joseph-Krankenhaus in Tempelhof, das Vivantes Humboldt-Klinikum und das Sana Klinikum Lichtenberg.

Dennoch , die einst scharfe Trennung zwischen alternativer und schulmedizinischer Geburtshilfe existiert in Berlin nicht mehr. Der Berliner Hebammenverband stellt fest, dass sich die Kliniken „für die Bedürfnisse und Wünsche der Frauen geöffnet“ haben. „Der Wohlfühlfaktor eines Hauses ist nach wie vor wichtig“, sagt ein Fachmann, „aber es wird heute weniger mit ideologischen Scheuklappen über die Versorgungsqualität in Geburtsabteilungen gesprochen.“

Man kann das zum Beispiel an den Kreißsälen beobachten, die einander ähneln: Eine mitten im Raum stehende Badewanne für Wassergeburten, einst Zeichen alternativer Geburtshilfe, gehört inzwischen fast überall zum Standard.

Die Auswahl einer Klinik wird dann besonders wichtig, wenn Komplikationen absehbar werden – beispielsweise in Voruntersuchungen der Gynäkologen. „Entscheidend ist, dass sich die Frauen vor der Geburt mit ihrem Vertrauensarzt beraten“, wie Klaus Vetter vom Mutter-Kind-Zentrum in Neukölln sagt.

Zurück auf dessen Geburtsstation. Frau Maier aus Zimmer 3 hat ihren Kaiserschnitt hinter sich. Ihr Mann war nicht im Operationssaal. Alles gut? fragt er die Hebamme. Alles gut, antwortet sie. Der Kindsvater, ein Baum von einem Mann, sackt zusammen. Der Kreislauf.* Namen geändert

Informationen zu stillfreundlichen Kliniken im Internet unter:

www.stillfreundlicheskrankenhaus.de

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