Zeitung Heute : Am Info-Telefon beantworteten Experten aus der Verwaltung die Fragen der Bürger

Cay Dobberke

"Mit Ihrem Herzschrittmacher wird es auf keinen Fall Probleme geben", beruhigte Jürgen Schäffner den älteren Herrn am "Info-Telefon zum Jahr-2000-Problem". Die Geräte würden "ständig kontrolliert und haben auch gar keine Datumsfunktion". Zuvor hatte Schäffner schon die gleichen Bedenken einer Rentnerin zu zerstreuen versucht. Der Experte der Senatsgesundheitsverwaltung gehörte gestern zu 30 Fachleuten, die acht Stunden lang Fragen zu möglichen Folgen des Datumswechsels beantworteten. Im Landesbetrieb für Informationstechnik (LIT) in Wilmersdorf saßen auch Vertreter der Versorgungs- und Verkehrsbetriebe, der Innenverwaltung, der Feuerwehr, Polizei, BSR und Telekom am Telefon. Der Tenor war immer derselbe: Kein Problem, wir haben uns gut vorbereitet und alles im Griff.

Insgesamt gingen mehr als 200 Anrufe ein. Das "Jahr-2000-Problem" kann bekanntlich dadurch entstehen, dass manche Computerprogramme oder Mikrochips in anderen Geräten nicht auf vierstellige Jahreszahlen ausgelegt sind. Dann wird das Jahr 2000 zu "00" beziehungsweise 1900. In Horrorszenarien ist von Stromausfällen, Zusammenbrüchen wichtiger Computersysteme, stecken bleibenden Aufzügen und einem Chaos im Flugverkehr die Rede.

Bei den zwei Feuerwehr-Experten gab es bis zum späten Nachmittag nur einen Anruf, der auch nichts mit dem Jahr 2000 zu tun hatte: Eine Mieterin wollte wissen, wie ein Brand in ihrem Hochhaus bekämpft würde. Hätte jemand danach gefragt, hätten die Feuerwehrleute auch sagen können, dass Silvester 1800 Einsatzkräfte bereit stehen werden, 600 mehr als bei früheren Jahreswechseln. Zudem hat die Leitstelle alle Anlagen auf ihre Tauglichkeit fürs Jahr 2000 überprüft, indem man das Datum simulierte. Und falls es doch Probleme mit der Stromversorgung geben sollte (was die Bewag für ausgeschlossen hält), stünden zwei Notstromaggregate bereit. Von Gasag-Sprecherin Josiette Honnef wollten Anrufer wissen, ob Gasthermen ausfallen oder gar lecken könnten. Beides konnte sie verneinen: Alle Gasthermen seien laut Tests "bis mindestens 2050 sicher". Ein Anrufer fragte, "ob die Versorgung gesichert ist, wenn die Russen nicht liefern können". Die Antwort: Allein die Kapazität des Gasspeichers unterm Glockenturm am Olympiastadion reiche für mindestens einen Monat.

Matthias Hög von der Innenbehörde beantwortete Fragen zu Haushaltselektronik. Diese könne durchaus ein paar lästige Datumsprobleme bereiten, sagte er. Bei Heimcomputern komme es auf die installierten Programme an. Vom Marktführer Microsoft seien "Updates" im Internet herunterladbar, lautete sein Tipp für einen PC-Benutzer.

Die Experten von BVG, S-Bahn und Bahn AG gaben fast nur Fahrplanauskünfte: "Die Frage lautet nicht ob, sondern wie die Züge fahren", sagte Bahn-Experte Helge Schreinert. Die besorgten Anrufer erfuhren, dass alle Systeme und Stellwerke überprüft seien. Um die Folgen eines Stromausfalls zu minimieren, lässt die Bahn alle Personenzüge Silvester von 23.55 bis 0.05 Uhr in Bahnhöfen halten. Die BVG stoppt U-Bahnen von 23.58 bis 0.03 Uhr.

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