Zeitung Heute : Am Mittwoch wird die Fertigstellung des Rohbaus gefeiert. Die Kosten von 540 Millionen Mark sollen gehalten werden

Jörn Hasselmann

Das Paul-Löbe-Haus wird nicht teuer, schwört Bauleiterin Karin Melcher. Es bleibe bei den veranschlagten Kosten von 540 Millionen. "Das überschreiten wir nicht." Am kommenden Mittwoch soll im Alsenblock gegenüber dem Reichstag Richtfest gefeiert werden. Damit es nicht teurer wird wurde gespart und gestrichen; und zwar an Grundsätzlichem und an Details. Schon früh fiel das zweite Untergeschoss mit Parkplätzen dem Kostenlimit zum Opfer. Nun müssen die 1400 Mitarbeiter mit gut 200 Parkplätzen auskommen.

Verzichtet wurde beispielsweise auf die teuren Birkenholz-Furniere. Nun werden die Wände mit Ahorn getäfelt. "Das läppert sich mit jedem Quadratmeter", sagte Melcher gestern bei einer Führung durch den Rohbau. Durch den Verzicht auf große Büsche rund um das Gebäude wurde eine Million Mark gespart. Nun müssen die kleinen Pflänzchen erst einmal ein paar Jahre wachsen, bis die vom Architekten Stephan Braunfels gedachte Wirkung erreicht ist.

Den Rohbau selbst veranschlagt die Architektin, die sich seit fünf Jahren mit nichts anderem als diesem Block beschäftigt, auf etwa 75 Millionen Mark. Allerdings wurde auch beim Beton gespart. Während beim Kanzleramt "Weißbeton" verwendet werden durfte, kam für den Alsenblock nur noch "Graubeton" in Frage. "Der ist pro Kubikmeter halb so teuer", rechnet Karin Melcher vor; ihrem Blick ist anzumerken, dass sie als Architektin gerne Weißbeton gesehen hätte. Fassade und die große Halle im Innern werden sich den Abgeordneten und Besuchern nun hellgrau darbieten.

275 Abgeordnete ziehen in den Bau, dazu kommen neun Sitzungssäle für Ausschüsse. Diese werden je nach Wichtigkeit gegen Abhören und Eindringen gesichert. Neu ist, dass einige Ausschuss-Sitzungen öffentlich sein werden, die Säle sind deshalb zweistöckig; unten die Abgeordneten und auf einer Galerie oben die Besucher. Insgesamt entstehen 900 Räume, jedem Abgeordneten wurden zwei Zimmer à 19, 2 Quadratmeter zugestanden - nicht eben großzügig wirkt dies im derzeitigen Roh-Beton-Zustand. Damit sich keiner benachteiligt fühlt, sind alle Büros "gleich groß und gleich schick". Wesentlich teurer als Beton ist die Haustechnik und die Inneneinrichtung. Säle und Büros werden "mit High-Tech" verdrahtet und verkabelt. Geschützt wird der Alsenblock nicht durch Zäune, sondern durch Kameras und Alarmanlagen. Der Spreeuferweg wird öffentlich sein, Spaziergänger können direkt an die Glasfassade herantreten.

Unabhängig von dem Tunnelsystem des Bundestages für Fahrzeuge ist das Paul-Löbe-Haus auch mit einem Fußgängertunnel mit dem Reichstag verbunden. Es sei zwar überlegt worden, diese unterirdische Verbindung wegzulassen; letztlich hat sich die Bundesbaudirektion doch zu den zusätzlichen 5 Millionen Mark durchgerungen. Dieser, wie auch der auf 13 Millionen Mark veranschlagte Tunnel zwischen Dorotheenblock (Jakob-Kaiser-Haus) und Reichstag, ist nicht in den 102 Millionen Mark für die unterirdische Erschließung enthalten.

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