Zeitung Heute : Am PC macht Mathe üben mehr Spaß

Ein Kieler Schulleiter holt Computer in die Klassen

Catrin Krawinkel

Hartmut Bollin hat große Pläne: Der Schulleiter der Goethe-Realschule aus Kiel möchte seinen 445 Schülerinnen und Schülern den Einstieg ins Berufsleben so einfach wie möglich gestalten, die Eigenverantwortlichkeit der Kinder steigern und das Computerwissen seiner Lehrer optimieren. Unterstützung sucht er sich dafür in der Wirtschaft und bei einem Elternverein: „Der Staat hat nicht erkannt, dass Bildung unser höchstes Gut ist und Geld kosten muss. Um die Schulen zu modernisieren und mit neuester Technik auszustatten, müsste der Bildungsetat erhöht werden.“

52 Milliarden Euro gibt die Bundesrepublik jährlich für das Schul- und Berufsschulwesen aus. Der Schulleiter aus Schleswig-Holstein hat für die Grundausstattung gerade mal 41 000 Euro Jahresbudget. „Das sind 100 Euro pro Schüler. So viel kosten rund drei Schulbücher.“ Erst vor fünf Jahren erhielt seine Schule, die er 1999 übernommen hat, den ersten Computerraum. „Als ich von Eckernförde nach Kiel kam, war die Medienausstattung der Schule auf dem Niveau der achtziger Jahre.“

Inzwischen kann die Schülerschaft in zwei Computerräumen an 32 Computern und an insgesamt 18 Geräten in den Klassen arbeiten. „Auch die Fachräume der Naturwissenschaften sind mit Hardware ausgestattet und alle Computer, auch die in den Klassen, verfügen über einen Internetzugang.“ Auch einen Schnittplatz für Videos hat er angeschafft, außerdem zwei Computer für den Lehrerraum. „Über interne Fortbildungen möchte ich die Motivation der Lehrer steigern, intensiver mit den Neuen Medien in ihren Unterrichtsfächern zu arbeiten.“ Power Point, Excel, Word – Hartmut Bollin findet, den Berufstätigen von morgen müssen Grundkenntnisse in Sachen Computer- und Softwarenutzung vermittelt werden. „Vor kurzem haben sich drei unserer Schüler und Schülerinnen erfolgreich bei einem großen Hamburger Konzern beworben und 600 Bewerber aus dem Rennen geworfen. Nicht, weil sie so großartige Noten hatten, sondern weil sie sich gut darstellen konnten.“

In Kursen wie „Bürokommunikation“ oder „Methodentraining“ lernen die Kinder neben dem richtigen Umgang mit den Computern auch Grundfähigkeiten wie Ordnung am Arbeitsplatz oder das Erstellen von Tabellen und das Ausarbeiten von Referaten. „Auch, wenn ich mir manches Mal wie eine Multi-Tasking-Person vorkomme, bestätigen mich die Zuwachsraten unserer Schülerschaft. Als ich vor sieben Jahren her kam, gingen hier 345 Kinder zur Schule. Heute sind es 445. Und für das neue Schuljahr haben wir bereits 72 neue Anmeldungen zu verzeichnen“, sagt Bollin.

Um die Lernbedingungen noch zu verbessern, möchte er die Homepage der Schule für fachspezifische Materialien und Lernprogramme nutzen. „Im Mathematikunterricht habe ich festgestellt, dass die Kinder lieber üben, wenn sie mit Trainingsprogrammen statt mit Schulbüchern arbeiten können.“

Was er sich für die Zukunft wünscht? „Ich träume von Schulen, die eine offenere Bildungsarbeit ermöglichen, damit die Schüler freier und eigenverantwortlicher arbeiten können. Dazu gehören auch handverlesene motivierte Lehrer, zu deren Ausbildung ein fundiertes Computerwissen zählen sollte, Schulassistenten, die eine Schule bei IT-Fragen beraten, das Ende der 45-Minuten-Unterrichtsstunde, bessere Materialausstattung und Gruppen- statt Klassenräume.“

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