Zeitung Heute : Am seidenen Faden

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Weltweit hat der Schweizer die besten Zähne, und die hat er sich auch sauer verdient. Durch konsequente Zahnpflege zum Beispiel, 87 Prozent der Schweizer putzen sich zweimal täglich die Zähne, jeder Zweite greift zusätzlich einmal am Tag zur Zahnseide, und wer etwa in Basel lebt, der kriegt auch noch Fluorid ins Wasser, das macht den Schmelz hart.

Damit noch lange nicht genug, seit über 30 Jahren wird in der Schweiz systematisch eine intensive Schulzahnpflege betrieben, die von der Einschulung bis zum Ende der Schulpflicht reicht. Mit Erfolg, binnen einer Generation ist Karies bei Schweizer Kindern um 90 Prozent zurückgegangen, in manchen Kantonen sind fast zwei Drittel der Kinder vollkommen kariesfrei.

Da können die Deutschen nicht mithalten, nicht ganz wenigstens. Immerhin, bei den Kindern hat eine aufwendigere Prophylaxe hier zu Lande zu einer deutlichen Verbesserung der Zahngesundheit geführt. Hatten 12Jährige 1990 in Deutschland im Durchschnitt noch vier kariöse Zähne, waren es zehn Jahre später nur noch 1,2. Das Problem sind die Erwachsenen. Die gönnen sich gerade mal anderthalb Zahnbürsten im Jahr, eigentlich müssten wir bei intensiver Pflege vier verbrauchen. Und sie kommen mit 3,75 Metern Zahnseide aus. Viel zu wenig, es müssten 70 sein, denn mit der Bürste allein bleibt ein Drittel der Zahnoberfläche unerreichbar.

Warum aber ist der Schweizer so sorgsam mit seinen Zähnen? Weil sie ihm so teuer sind, glauben viele Experten, Eidgenossen müssen ihren Zahnersatz schon lange selber zahlen. Doch das kann nur die halbe Wahrheit sein. Denn die Schweizer geben Unsummen für ihre Zähne aus. Was auch nur logisch ist, sagt der Zahnmediziner Stefan Zimmer von der Berliner Charité, wer viele gesunde Zähne hat, muss auch für sie sorgen. Eine Total-Prothese kommt da als Einmalinvestition allemal billiger. lat

ZAHNMEDIZIN

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