AMERICANAWilco : Zurücklehnen und genießen

Die beste Band der Welt. Na gut, mit dieser Bürde möchte wohl keiner belastet sein, daher schränken wir es ein wenig ein: die beste Live-Band der Welt. Immer noch zu viel Superlativ? Aber das hier ist die reine Wahrheit: Als Wilco das letzte Mal in Berlin gespielt haben – was skandalöserweise über drei Jahre her ist –, waren sie die beste Live-Band der Welt. Im tobenden Kesselhaus lieferten sich Jeff Tweedy (Foto, vorn Mitte) und Nels Cline (hinten rechts) die loderndsten Gitarrenduelle seit so legendären Kombattanten wie Neil Young und Danny Whitten oder Duane Allman und Dickey Betts. Dazu naturgewaltete Glenn Kotche (hinten Mitte) am Schlagzeug mit der Wucht eines Erdbebens, während die restlichen Bandmitglieder in himmlisch-harmonischem Zusammenspiel schwelgten.

Jeff Tweedy und Bassist John Stirrat (vorn rechts) sind schon seit über 20 Jahren musikalische Weggefährten und haben mit der Vorgängerband Uncle Tupelo das Americana-Fundament für den späteren Wilco-Sound gelegt. Wo Uncle Tupelo aber noch tief im traditionalistischen Countryrock- Idiom verwurzelt waren, befreiten sich Wilco mit jedem Album mehr von einengenden Stilgrenzen, bis sie mit ihrem 2007er Album „Sky Blue Sky“ auf einem einsamen Gipfel erhabenster Gitarrenrock- Herrlichkeit angelangt waren. In Anbetracht der Tatsache, dass ihr nächstes Werk aus evolutionärer Perspektive ein relativer Rückschritt war, nämlich ein sattes, superentspanntes Retrorock-Vehikel, könnte man nun besorgt sein. Was, wenn Wilco gar nicht mehr die beste Live-Band der Welt sind? Who cares? Wer einmal so nah an der irdischen Perfektion war, wird nie wieder einfach nur irgendeine Band sein.Jörg Wunder

Admiralspalast, Mo 27.9., 20 Uhr, 25-35 € EH847

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