Zeitung Heute : Amerikaner putzen die Platte

Der Tagesspiegel

Von Steffi Bey

Hellersdorf. Ein bisschen bunter als anderswo, moderner und wahrscheinlich auch abwechslungsreicher: Amerika ist in Hellersdorf. Das Viertel zwischen Auerbacher Ring und Nossener Straße wird herausgeputzt. Vor einem Jahr hat der US-amerikanische Pensionsfonds Lone-Star-Fund (LSF) die ostdeutsche Platte entdeckt und rund 3300 Wohnungen gekauft. Wie berichtet, sind inzwischen etwa zwei Drittel saniert.

Bis zu 500 Handwerker waren teilweise gleichzeitig im Nordwesten des Bezirks im Einsatz. In diesen Tagen sind es noch rund 300. Während die einen in den Fünf- und Sechsgeschossern Fliesen entfernen und Wände herausreißen, bringen die anderen Teams Dämmmaterial auf die Fassaden. Vor manchen Blöcken stehen drei unterschiedlich große Kräne, die Betonteile herausnehmen. Später werden dort einmal Fahrstühle montiert. Obwohl das gesamte Viertel praktisch in Bewegung ist, wirkt es nicht hektisch. Denn die großangelegte Schönheitskur wird straff organisiert.

Stolz berichtet Oliver Nee von der WVB Wohnpark Verwaltungs- & Betreuungs- GmbH, eine Lone-Star-Tochterfirma, von der „gut durchdachten Baulogistik“, dem speziellen Know-how der Baubetriebe und dem mieterfreundlichen Management. „Das sind unsere Trümpfe“, ist sich der Geschäftsführer sicher. Nur so sei es möglich, in neun Tagen eine Wohnung komplett fertig zu stellen. Pro Woche sind das 50 Quartiere. Die ersten 1100 Wohnungen an der Alten Hellersdorfer Straße wurden schon nach neun Monaten auf Vordermann gebracht.

Der amerikanische Eigentümer achtet auf die Betreuung seiner Mieter. „Wir setzen psychologisch geschulte Betreuer ein, die vier Monate vor Bauanfang mit jedem Mieter sprechen“, berichtet Oliver Nee. Genau wie städtische Wohnungsunternehmen bietet die WVB auch Grundrissveränderungen an. Doch Oliver Nee betont, dass man flexibler auf die Wünsche der Mieter eingehe. So würden rund 25 verschiedene Varianten angeboten. Von der Ein- bis zur Sechs-Zimmer-Wohnung ist alles zu haben.

Durch Zusammenlegen entstehen beispielsweise aus ehemals zwei Drei-Zimmer-Quartieren eine etwa 90 Quadratmeter große Vier-Zimmer-Wohnung und eine etwa 48 Quadratmeter große Zwei- Zimmer Wohnung. Will der Interessent anstatt einer Wanne lieber eine Dusche, geht der Vermieter darauf ein. Leerstand gebe es kaum, erklärt Oliver Nee. Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen sowie Fünf-Zimmer-Appartements seien gar nicht mehr zu haben. Und die Nachfrage steigt: Bis zu 140 Interessenten besuchen monatlich das Informationszentrum des Wohnparks. Die Leute kommen aus Friedrichshain, Prenzlauer Berg, Hohenschönhausen, Hellersdorf, Marzahn und dem Berliner Umland. „Etwa die Hälfte unterschreibt auch einen Vertrag“, sagt Nee.

Dass die Häuser Amerikanern gehören, stört wohl niemanden. „Ist doch egal, Hauptsache die Wohnungen sind in Ordnung und der Service stimmt“, betonen Rosemarie und Wilhelm Wolter. Sie leben seit zwölf Jahren im Kiez und sind mit dem Ablauf der Sanierung zufrieden. Auch eine junge Frau findet, „dass es viel sauberer geworden ist als früher“. Der Chef der Wohnpark GmbH führt das vor allem auf den Sicherheitsdienst zurück, der rund um die Uhr mit einem Schäferhund patrouilliert.

Typisch amerikanisch ist das Hightech-Angebot. Die Wohnungen haben ein voll digitalisiertes Kabelnetz, das den Mietern unter anderem Internet mit Hochgeschwindigkeitszugang ermöglicht. Außerdem werden an den Hauseingängen Kameras installiert, damit die Bewohner per Fernseher beobachten können, wer vor der Tür steht.

Für ihr Pilotprojekt, den Rückbau einer leer stehenden Kita zu einem Parkhaus, wollen die Eigentümer erstmalig Fördermittel beantragen. Sie hoffen auf Gelder aus dem Programm „Stadtumbau Ost“. Auf jeden Fall scheint sich das Geschäft mit der Platte zu lohnen. Denn in den kommenden Wochen soll der Kaufvertrag mit der Wohnungsbaugesellschaft Hellersdorf für die nächsten 2200 Wohnungen unterzeichnet werden. Und in den nächsten Jahren will sich der 1979 in Texas gegründete Fonds, an dem unter anderem Pensionskassen der Stadt Washington und des Staates Texas beteiligt sind, weiter in Deutschland auf dem Wohnungsmarkt etablieren. In Halle ist bereits der Ankauf weiterer Plattenbauten geplant. Die anfängliche Skepsis des von der PDS regierten Bezirks ist mittlerweile in Bewunderung umgeschlagen. „Die Amis reden nicht nur, sondern tun auch etwas“, sagt Bürgermeister Uwe Klett (PDS).

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